Vollhauttransplantat, präaurikuläres

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Freies, aus Epidermis und dem gesamten Korium bestehendes, präaurikuläres Vollhauttransplantat.

Allgemeine Information

  • Die Spenderegion für eine Vollhautlappenentnahme sollte in ihrer Beschaffenheit dem zu deckenden Defektareal möglichst ähnlich sein.
  • Für Defekte nach Tumorexzision im Bereich knorpel- oder knochengestützter Gewebe, z.B. Nase, Ohrmuschel, eignet sich besonders ein praeaurikulär entnommenes Transplantat. Der Tumor wird bis auf das Perichondrium bzw. Periost kreisrund oder oval exzidiert. Das Exzidat sollte unbedingt zur lückenlosen Kontrolle einer vollständigen Tumorentfernung der von Breuninger und Holzschuh entwickelten 3-D-histologischen "Flundertechnik" zugeführt werden. Die temporäre Abdeckung des Defektareals geschieht mit einem synthetischen Hautersatz. Nach histologisch gesicherter vollständiger Entfernung der Läsion erfolgt, je nach Größe, eine ellipsen-, spindelförmige oder mit sublobulärem Entlastungsdreieck durchgeführte präaurikuläre Transplantatentnahme im nicht behaarten Spenderareal vor dem Tragus. Auf einer feuchten Kochsalzkompresse als Unterlage wird mit feiner gebogen-spitzer Schere das subkutane Fettgewebe von der Unterseite des Transplantates abpräpariert. Anschließend schneidet man die entnommene Vollhaut mit dem Skalpell so zu, dass sie etwa 80% der Defektgröße einnimmt.
  • Das Einnähen des Transplantates geschieht mittels Allgöwer-Rückstichnaht. Der Knoten liegt jeweils am gegenüberliegenden Wundrand. Das Einbinden von Kompressen ist unnötig. Hierdurch wäre die Kontrollmöglichkeit während der ersten kritischen Tage des Einheilens (Hämatom, Serom, Infektion mit Transplantatablösung !) erschwert. Ein erster Verbandwechsel sollte bereits etwa 24 Stunden nach der Operation stattfinden. Am vierten postoperativen Tag wird jeder zweite, nach 6 Tagen werden die Restfäden entfernt.
  • Merke! Eine häufig beobachtete lividrote Verfärbung des Vollhautlappens während der ersten postoperativen Tage ist als Zeichen erfolgreichen Einheilens zu werten. Zwischen dem fünften und achten postoperativen Tag liegt nicht selten eine Transplantatautolyse vor, die zur Ausbildung einer dunklen Kruste führt und als Totalnekrose fehlgedeutet werden könnte.

    Durch oberflächliche Skalpellinzisionen lässt sich z.B. eine mit Bläschenbildung einhergehende Autolyse drainieren. Wenn sich am ersten Tag nach dem Eingriff ein Hämatom unter dem Transplantat zeigt, sollte dieses durch behutsamen Druck mit dem Stieltupfer exprimiert werden.
  • Indikationen: Nase (Abb.1 a-e, Abb. 2 a-d, Abb. 3 a-c), Ohrmuschel (Abb. 4a-c), Augeninnenwinkel, Schläfe.

    Merke! Es ist möglich, zwei oder drei prae- und/oder retroaurikulär entnommene Vollhautläppchen aneinander zu nähen.

Komplikation

Als späte Komplikation kommen bei Vollhauttransplantaten selten Gewebeschrumpfungen, hypertrophische Narben oder Keloide vor. Hyper- oder Hypopigmentierungen verhindert man durch prophylaktischen Sonnenschutz.

Literatur
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  1. Adnot J, Salasche SJ (1987) Visualized basting sutures in the application of fullthickness skin grafts. J Dermatol Surg Oncol 13: 1236-1239
  2. Breuninger H, Holzschuh J (1994) Die lückenlose histologische Darstellung der Schnittränder eines Hauttumorexzisates (3-D-Histologie) in einer Schnittebene mittels der "Flundertechnik". Akt Dermatol 20: 7-10
  3. Salasche SJ, Feldman BD (1987) Skin grafting: preoperative technique and management. J Dermatol Surg Oncol 13: 973-978
  4. Schulz H (1988) Operative Dermatologie im Gesicht. Praxisfähige Eingriffe. Diesbach, Berlin
  5. Schulz H, Altmeyer P, Stücker M, Hoffmann K (1997) Ambulante Operationen in der Dermatologie. Hippokrates, Stuttgart

Verweisende Artikel (1)

Vollhauttransplantation;

Weiterführende Artikel (1)

Vollhauttransplantate;
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