Verbrennung T30.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Ambustio; Combustio

Definition

Durch direkte Flammeneinwirkung, durch explodierende Gase, heiße Metalle oder Flüssigkeiten (Wasser, Öle) bedingte toxische Schädigung von Haut und Schleimhaut. S.a.u. Dermatitis solaris.

Klinisches Bild

Abhängig von Dauer und Intensität der einwirkenden Schädigung unterscheidet man Verbrennungen 1. bis 4. Grades:
  • Verbrennung 1. Grades (Combustio erythematosa): Schädigung der oberen Epidermisschichten mit Erythem, Ödem, brennenden Schmerzen.
  • Verbrennung 2. Grades (Combustio bullosa): Erythem mit nachfolgender subepidermaler Blasenbildung, Erosion durch Einreißen der Blasendecke und Verkrustung. Schmerzhaft.
  • Verbrennung 3. Grades (Combustio necroticans): Zerstörung von Epidermis, Dermis, Hautanhangsgebilden und ggf. tieferen Schichten (Muskulatur, Faszien, Fettgewebe und Knochen). Analgesie, Nekrosen. Abstoßung der Nekrosen führt zur Ulkusbildung.
  • Verbrennung 4. Grades (Verkohlung): Zerstörung aller Hautschichten und tieferer Strukturen. Analgesie, Nekrosen.

Therapie

  • Verbrennung 1. Grades: Abspülen mit fließendem kaltem Wasser. Kalte, feuchte Umschläge mind. 10 Minuten oder so lange der Pat. noch Schmerzen empfindet. Glukokortikoide als Lotio oder Creme R030 R120 oder Lotio alba, ggf. Wundgaze und leichter Verband (z.B. Oleo-Tuell, Jelonet). Spontanheilung abwarten.
  • Verbrennung 2. Grades: Bei geschlossener Haut: Initial kühlende feuchte Umschläge oder Kühlen unter fließendem Wasser (mind. 10 Minuten), Glukokortikoide als Lotion, Creme oder Schaum zur Ödemprophylaxe (z.B. Dermatop, R030 R120 ).
    Bei Erosionen: Desinfektion mit Polyvidon-Jod Lösung (z.B. Betaisodona Lsg.), Entfernung von Haaren und Hautfetzen, Blasen werden steril eröffnet. Wundgaze (z.B. Oleo-Tuell, Jelonet) und sterile Verbände oder Gazegitter mit antibiotischem Zusatz (z.B. Bactigras) anwenden. Lagerung des Pat. auf Metalline Folie. Cave! Sekundäre bakterielle Besiedlung. Fortlaufende Abstrich-Kontrollen (v.a. auf gramnegative Keime).
  • Auftragen antibakterieller Externa (z.B. Betaisodona Salbe) ggf. in Kombination mit einer einfachen sterilen Wundgaze oder allein. Alternativ: steriler Verband mit antibiotikahaltigen Salbengittern (z.B. Bactigras) oder Sulfadiazin-Silber (z.B. Flammazine). Wundflächen mit sterilen Verbänden versehen, spontane Abheilung kann abgewartet werden.
    Bei Verbrennungsfläche von mehr als 10-15% stationäre Aufnahme des Patienten. Zum Transport Abdecken der Wunden mit Metalline Folie oder Alu-Folie.
    Neben Wundbehandlung Volumensubstitution (Erwachsene 4 ml Ringerlaktat/kg KG/% der verbrannten KO/24 Std., davon 50% in der ersten 8 Std., Kinder 8 ml Ringerlaktat/kg KG/% der verbrannten KO/24 Std.), Flüssigkeitsbilanzierung, Schmerzbehandlung.
  • Verbrennung 3. Grades: Lokale Therapie wie bei zweitgradiger Verbrennung, geschlossene Wundbehandlung mit Antibiotika-haltigem Gazegitter (z.B. Bactigras) und sterilen Verbänden. Systemische Antibiose nach Antibiogramm wie erforderlich. Auf ausgeprägte Ödembildung nach Verbrennungsverletzungen achten. Cave! Ödem des Tractus respiratorius. Ansonsten chirurgische Intervention: Initial Nekrektomie, Debridement, tangentiale Exzision nach Janzekovic, später Transplantation z.B. Spalthauttransplantate, Meshgraft-Transplantate, Allo- oder Xenotransplantate.
    Intensivmedizinische Betreuung, ggf. durch Verbrennungszentrum. Außerdem: Schmerzbekämpfung, Volumen-Elektrolyt-Substitution, parenterale Ernährung, Tetanusprophylaxe. S.a.u. Verbrennungsschock.
    Glukokortikoide intern sind umstritten und eher zurückhaltend anzuwenden.

Therapie allgemein

Einlieferung in die Klinik ist bei folgenden Patienten notwendig:
  • Verbrennungen ab 2. Grades an Gesicht, Händen/Füßen oder Genito-Anal-Region
  • Verbrennungen 2. bis 3. Grades von > 10-15% der KO, bei Kindern 5-10% KO
  • Verbrennungen 3. Grades oder ausgedehnte Verbrennungen 2. Grades
  • Bei zu erwartenden Komplikationen, insbes. seitens der Atemwege (sitzender Transport!)
  • Verbrennungen durch elektrischen Strom
  • Verletzungen durch Chemikalien.

Verlauf/Prognose

  • Verbrennung 1. Grades: Nach wenigen Tagen Abheilung unter Abschuppung.
  • 2. Grades: Restitutio ad integrum nach 2–4 Wochen.
  • 3. Grades: Narbige Abheilung. Tendenz zur Keloid-Bildung.

Tabellen

Ausmaß der Verbrennung: Neunerregel nach Wallace

Körperteil

0-1 Jahr

Kind

Erwachsener

Kopf

20%

16%

9% (1mal 9)

Rumpf

30%

32%

36% (4mal 9)

Arme

18%

18%

18% (2mal 9)

Hand

1%

1%

1% (nur 1mal)

Genitalregion

1%

1%

1% (nur 1mal)

Oberschenkel

15%

16%

18% (2mal 9)

Unterschenkel + Fuß

15%

16%

18% (2mal 9)

Literatur
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