Ulcus tropicum L98.44

Zuletzt aktualisiert am: 02.11.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Tropengeschwür; Tropical phagedena; Tropical ulcer; Veld sores; Wüstengeschwür

Definition

Wahrscheinlich Sonderform der Ekthyma. Die chronische Infektionskrankheit tritt v.a. in tropischen Regionen bei Truppen oder bei Arbeitern in Plantagen auf.

Ätiopathogenese

Lokale Bagatellverletzung, vermutlich Mischinfektion mit Streptokokken, Staphylokokken, auch Gram-negativen Keimen bei allgemeiner Mangelernährung und Schwächung der Immunabwehr.

Diskutiert wird auch eine Fusoborreliose.

Manifestation

Vor allem Erwachsene in tropischen, feuchtwarmen Gebieten. Endemisch tritt das Ulcus tropicum bei den Apsokok-Nomaden in Papua-Neuguinea (Prescott TAK et al. (2017). Selten bei Kindern auftretend. 

Lokalisation

Vor allem an den distalen Dritteln der Unterschenkel lokalisiert.

Klinisches Bild

Ausbildung einzelner oder mehrerer, rasch platzender Blasen mit nekrotischem Blasengrund. Ekthyma-artiger Aspekt. Übergreifen der Nekrose auf Subkutis, Faszien, Muskeln und Periost. Narbige Abheilung mit hyperpigmentiertem Randsaum, evtl. schwere Kontrakturen die Amputationen notwendig werden lassen.

Therapie allgemein

Behandlung der Grunderkrankung. Ausreichende und ausgleichende Ernährung. Laborkontrolle des Gesamteiweiß, ggf. auch von Eisen, Zink und Vitaminen.

Externe Therapie

Äußerlich desinfizierende Bäder bzw. Umschläge (z.B. Betaisodona Lsg. oder Chinolinol Lsg. R042 . Zusätzlich Verbände mit Polyvidon-Jod-Salben (z.B. Betaisodona Salbe).

Merke! Heilt das Ulkus unter Penicillin oder Metronidazol nicht ab, muss an eine kutane Leishmaniose oder Tuberkulose gedacht werden!

Interne Therapie

In Abhängigkeit vom Schweregrad systemische Antibiose, z.B. mit Benzylpenicillin (z.B. Penicillin Grünenthal) 1mal/Tag 5 Mio. IE i.v. oder Penicillin V (z.B. Megacillin) 3mal/Tag 1 Mio. IE p.o.

Alterrnativ: Breitbandantibiotika wie Tetrazykline, Erythromycin, Cephalosproine, Ciprofloxacin. 

Alternativ: Metronidazol (z.B. Clont) 2-3mal/Tag 400 mg p.o.

Literatur
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  1. Adriaans B et al. (1989) Cytotoxicity of Fusobacterums ulcerans. J Med Microbiol 29: 177–180
  2. Adriaans B et al. (1987) The infectious aetiology of tropical ulcer - a study of the role of anaerobic bacteria. Br J Dermatol 116: 31–37
  3. MacDonald P (2003) Tropical ulcers: a condition still hidden from the western world. J Wound Care 12: 85-90
  4. Morris GE et al. (1989) The diagnosis and management of tropical ulcer in east Sepik Province of Papua New Guinea. J Trop Med Hyg 92: 15–20
  5. Prescott TAK et al. (2017) Tropical ulcer plant treatments used by Papua New Guinea's Apsokok nomads.
    J Ethnopharmacol 205:240-245.
     

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