Überwärmungsbad

Zuletzt aktualisiert am: 29.08.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Naturheilkundliches Verfahren bei dem Bäder mit heißen Temperaturen verabreicht werden. Mit einem Überwärmungsbad wird das Ziel verfolgt, die lokale und systemische Körpertemperatur auf über 37 Grad Celsius zu erhöhen.
Es werden temperaturansteigende Bäder verwendet, die zunächst mit neutralen Temperaturen beginnen um einem Frostgefühl zu begegnen und so im Verlauf zu einer maximalen Vasodilation der Peripherie zu führen. Im Verlauf wird die Wassertemperatur auf bis zu 42 Grad Celsius erhöht. Auch mit Peloidbädern, wie beispielsweise Moorbädern lässt sich eine Hyperthermie erzielen.
 

Wirkungen

Eine Überwärmung des Körpers geht mit einer Schmerzlinderung und einer Muskelentspannung einher. Weitere Wirkungen sind die Steigerung des Stoffwechsels und der Durchblutung auch in tieferen Schichten, auch über kutiviszerale Reflexe. Bei einem Anstieg der Körpertemperatur treten folgende thermoregulatorische Wirkungenauf:

  • Das Herz-Kreislauf-System wird durch die Zunahme der Herzfrequenz und des Herzminutenvolumens bei einer gleichzeitigen Reduktion des diastolischen Blutdrucks belastet.
  • Die Hypophysen-Nebennieren-Achse und das sympathische System werden aktiviert und es kommt zu einer erhöhten Ausschüttung von Katecholaminen, Kortisol, Renin, Prolaktin und STH.
  • Humorale und zelluläre Immunität  werden gefördert, wobei bei extremer Hyperthermie auch ein gegenteiliger Effekt auftreten kann.

Die Hauptbedeutung einer hyperthermen Reaktion liegt bei serieller Applikation in einer funktionellen Adaption mit entsprechenden „Umstimmungsprozessen“. Die Rolle der Hyperthermie bei onkologischen Problemstellungen bleibt  derzeit noch ungeklärt.

Indikation

Indikation:
• Subakute und chronische Zustände des rheumatischen Formenkreises
• Schmerzlinderung bei chronischen Erkrankungen des Gastrointestinal- und Urogenitaltrakts.
• Zur Immunstimulation bei chronisch rezidivierenden Infektionserkrankungen (Atemwegsinfekte, Urogenitalinfekte)
• Experimentelle Indikation: Tumor-Nachsorge bei thermosensiblen Tumorzellen, bspw.  Magen-Darm-Karzinom.

 

Unerwünschte Wirkungen

Kreislaufbelastung, Beklemmungsgefühle, Hyperventilation, orthostatische Dysregulation nicht nur beim Aufstehen, Unwohlsein, Schwäche.

 

Kontraindikation

• Herz-Kreislauf: Herzinsuffizienz, Hypotonie, frische Thrombosen, Ödeme
• Aktive Entzündungsprozesse und Schwellungszustände, entzündliche Schübe rheumatischer Erkrankungen
• Haut: großflächige Hautverletzungen und akute Hautkrankheiten, Hautblutungen
• Durchblutungsstörungen der Haut, Wärmeurtikaria
• Neurologie: Sensibilitätsstörungen der Haut
• Fieber
• Müdigkeit nach der Anwendung
 

Literatur
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  1. Uehleke B et al. (2012) In:  André-Michael Beer, Martin Adler [Hrsg.] Leitfaden Naturheilverfahren für die ärztliche Praxis, Urban und Fischer Verlag  S. 53.
     

Weiterführende Artikel (2)

Hyperthermie; Immunität;
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