Tumornekrosefaktor-alpha

Zuletzt aktualisiert am: 12.04.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cachectin; Kachektin; TNF; TNF-alpha; TNFSF2; TNFα; TNF-α; Tumor necrosis factor alpha; Tumor necrosis factor ligand superfamily member 2; Tumor-Nekrose-Faktor; Tumor-Nekrose-Faktor-α

Definition

Multifunktionales proinflammatorisches Zytokin, das in zentraler Funktion in lokale und systemische Entzündungen involviert ist. TNF-alpha ist einer der am besten untersuchten Vertreter der sog. TNF/TNFR-Superfamilie, eines Zytokinsystems, das zentrale Funktionen in der Immunantwort und in der Organogenese vor allem des Lymphsystems einnimmt. So spielt es eine zentrale Rolle in der Pathogenese der Psoriasis sowie anderer entzündlicher Prozesse (M. Crohn, Arthritiden; Pathogenese der Kontaktallergie). Es verursacht in bestimmten Tumoren hämorrhagische Nekrosen.

Allgemeine Information

TNF-α existiert biologisch in löslicher oder transmembrangebundener Form. TNF-α-Moleküle interagieren mit mindestens 2 Rezeptoren (TNFRc-1, bzw. TNFRc-2). Die Wechselwirkung von TNF-α mit seinen Rezeptoren (v.a. TNFRc-1) aktiviert Signalkaskaden, die zu Apoptose (über Caspase-8; s.u. Caspasen) und Zellaktivierung (über NF-κB) führen können (s.u. Transkriptionsfaktoren). Das Gleichgewicht der antagonistischen Wirkungen beider Signalinduktionen hängt von der zellulären Umgebung ab, in der die Stimulation durch TNF-α erfolgt. Für Entzündungen relevant ist die NF-κB vermittelte Reaktion, in deren Verlauf u.a. proinflammatorische Enzyme wie Interleukine (v.a. IL-6 u. IL-8) freigesetzt werden.

Vorkommen

TNF-α wird hauptsächlich durch Makrophagen gebildet und freigesetzt, jedoch auch durch eine große Anzahl anderer Zellen wie Lymphozyten, Mastzellen, Endothelzellen, Herzmuskelzellen, Fibroblasten sowie von neuronalem Gewebe. Große Mengen von TNF-α werden als Antwort auf bakterielle Produkte (z.B. Lipopolysaccharide) sowie Interleukin-1β freigesetzt. Die Bildung wird über Toll-like-Rezeptoren und den MAP-Signalweg sowie NF-kappaB angeregt. Ferner hat es Effekte auf den Fettstoffwechsel, die Blutgerinnung, die Insulinresistenz sowie auf versch. endotheliale Funktionen.

Therapie

TNF-α bzw. seine Interaktionen mit seinen Rezeptoren sind pharmakologisch wichtige Ziele versch. Medikamentenklassen, die in der biologischen Immuntherapie verschiedener Erkrankungen, u.a. M. Crohn u. Rheumatischer Arthritis, Psoriasis, wirksam sind. S.a. Infliximab, Etanercept, Golimumab.

Hinweis(e)

TNF-α wurde bereits 1975 als Faktor beschrieben, der bei bakteriellen Erkrankungen zu Tumorrückbildungen führte.

Literatur
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  1. Alexis A et al. (2005) Off-label dermatologic uses of anti-TNF-a therapies. J Cutan Med Surg 9: 296-302
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  4. Hehlgans, T et al. (2005) The intriguing biology of the tumour necrosis factor/tumour necrosis factor receptor superfamily: players, rules and the games. Immunology 115: 1-20
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  6. Tracey KJ (2002) The inflammatory reflex. Nature 420: 853-859
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