Tuberkulose kutane (Übersicht) A18.4

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Koch M.; Morbus Koch

Erstbeschreiber

Koch, 1882

Definition

Weltweit auftretende, klassische, namentlich meldepflichtige Infektionskrankheit, bei der am häufigsten Lunge, intrathorakale Lymphknoten, Bronchien und Pleura betroffen sind. Nicht ganz selten ist eine Tuberkulose des Urogenitaltraktes, peripherer Lymphknoten, der Knochen, der Gelenke und der Haut.  

Erreger

Erreger:  Mycobacterium tuberkulosis Komplex.

Hierzu gehören follgende Spezies:  

  • (M.) tuberculosis (99%; Mensch als Reservoir)
  • M. bovis (Rindertuberkulose)
  • M. africanum (Mensch als Reservoir, s. Mykobakterien).

Einteilung

Die Erkrankung kann hochakut, akut, subakut, chronisch und auch symptomfrei beginnen. Unbehandelt schubweiser Verlauf.

Man unterscheidet:

  • primäre kutane Tuberkulose
  • postprimäre Tuberkulose.

Primäre kutane Tuberkulose: der tuberkulöse Primärkomplex der Haut als exogene Primärinfektion durch direkten Kontakt einer verletzten Hautstelle mit tuberkulösem Material und der Ausbildung eines knotigen Infiltrats mit Verkäsung und Ulkusbildung sowie regionaler Lymphadenitis ist selten.

Postprimäre Tuberkulose: postprimär kann die kutane Tuberkulose durch Inokulation oder durch endogene Ausbreitung entstehen.

Je nach Immunitätslage entwicklen sich folgende Krankheitsbilder (s. Tabelle 1):

Der tuberkulöse Primärkomplex der Haut als exogene Primärinfektion durch direkten Kontakt einer verletzten Hautstelle mit tuberkulösem Material und der Ausbildung eines knotigen Infiltrats mit Verkäsung und Ulkusbildung sowie regionaler Lymphadenitis ist selten.

Vorkommen/Epidemiologie

Schätzungsweise 1/3 der Menschheit ist mit Tuberkuloseerreger infiziert. Etwa 15% der Infizierten erkranken relevant an aktiver Tuberkulose. Etwa 95% der Erkrankungs- und Todesfälle betreffen die Entwicklungsländer. Hierfür ist neben dem allg. Ernährungszustand die hohe HIV-Durchseuchung verantwortlich.

Die durchschnittliche Inzidenz liegt in Deutschland bei 5,4/100.000 Einwohner/Jahr. Sie ist bei versch. Risikogruppen (HIV-Infizierte, Immunsuppressionen, Drogenabhängige, Unterernährte, Migranten aus Hochrisikoländern) deutlich höher. Tbc ist die häufigste Todesursache bei AIDS-Patienten. Zum zunehmenden Problem werden multiresistente (MDR= multidrug-resistant tuberculosis = Resistenz gegen mindestens INH+RMP) Tuberkulosen (die Zahl der Infizierten wird weltweit auf 50 Mio Menschen geschätzt). Länder mit hoher Belastung durch MDR-Tuberkulosen sind (gemäß WHO, Stand 2013: Äthiopien, Armenien, Aserbaidscahn,  Bangladesch, Bulgarien, China, Kongo, Estland, Georgien, Indien, Indonesein, Ksachstan, Kirgistan, Lettland, Litauen, Moldawien, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Russland, Südafrika, Tadschikistan, Ukraine, Usbekistan, Vietnam, Weißrussland)      

Die kutane Tuberkulose betrifft etwa 1,0-1,5% aller extra-pulmonaler Tuberkuloseinfektionen.

Ätiopathogenese

Übertragung am häufigsten durch Tröpfcheninfektion, selten durch Hautkontakt mit infiziertem Material oder durch Nahrungsmittel.

Diagnose

Mikroskopischer (Ziehl-Neelsen-Färbung) oder kultureller Erregernachweis (sicher sind nur Kultur und der Tierversuch - s.u. Mykobakterien).

Als serologisches Nachweisverfahren hat sich der  Quantiferon-TB-Gold-Test etabliert. Hierbei handelt es sich um einen hochsensitiven immunologischen Test zum Tuberkulosescreening, bei dem die Tuberkulose-spezifischen Antigene ESAT-6 (early secretory antigen target-6), CFP-10 (culture filtrate protein 10) und TB 7.7(p4) verwandt werden. Diese kommen nur bei M. tuberkulosis und M. bovis vor.

Therapie

Tabellen

Hauttuberkulosen

Reaktionslage des Organismus

Tuberkulin- reaktion

Erreger- quantität

Kutane Formen

Subkutane Formen

Anergie positiv

0

+++

Tuberkulöser Primärkomplex

Anergie negativ

0

+++

Tuberculosis miliaris ulcerosa cutis et mucosae

Tuberculosis cutis miliaris disseminata

Tuberculosis fungosa serpiginosa

Allergie (postprimäre Hauttuberkulosen)

+

+

Tuberculosis cutis luposa

Tuberculosis cutis colliquativa

Tuberculosis cutis verrucosa

Hyperergie

("Id"-Reaktionen)

++

+/0

Lichen scrophulosorum

Erythema induratum

Papulonekrotisches Tuberkulid

(Bazin-Krankheit)

Hinweis(e)

Hinweise auf eine Assoziation der Tuberkulose mir der multizentrischen Retikulohistiozytose sind in der Literatur angegeben.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Koch R (1882) Die Aetiologie der Tuberculose. Berliner klinische Wochenschrift 19: 221-230
  2. Koch R (1884) Die Aetiologie der Tuberculose. Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundsheitsamte 2: 1-88
  3. Peters F et al. (2016) Keim oder kein Keim: Herausforderungen bei der Diagnose mykobakterieller Infektionen der Haut.  J Dtsch Dermatol Ges 14:1227-1236
  4. Schmekal B et al. (2002) Skin tuberculosis with atypical mycobacteria 8 years after combined pancreas-kidney transplantation. Am J Nephrol 22: 566-568
  5. Senol M et al. (2003) A case of lupus vulgaris with unusual location. J Dermatol 30: 566-569
  6. Utikal J et al. (2003) Cutaneous non-Langerhans' cell histiocytoses. J Dtsch Dermatol Ges 1: 471-491
  7. van Zyl L et al. (2015)  Cutaneous tuberculosis overview and
    current treatment regimens. Tuberculosis (Edinb) 95:629-638
     

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017