Trichophyton benhamiae

Zuletzt aktualisiert am: 08.04.2019

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. Michael Ardabili

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Synonym(e)

Arthroderma benhamiae

Definition

Die Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae ist (neuerdings) in Deutschland ein durchaus häufig anzutreffender, zoophiler Dermatophyt. In manchen Regionen wird der Erreger häufiger nachgewiesen als Microsporum canis.

Trichophyton-Spezies von A. benhamiae als Erreger einer Dermatophytose beim Menschen wurden in Japan erstmals im Jahr 2002 isoliert und über die Sequenzierung der Internal transcribed spacer (ITS)- und der non-transcribed spacer (NTS)-Genregionen der ribosomalen RNA (rRNA)-Gene identifiziert.  

Erreger

Die Identifizierung der Isolate mit gelb gefärbten Kolonien ist anhand makro- und mikroskopischer Merkmale möglich. Der Erreger bildet flache, ausstrahlende Kolonien mit gelblich gefärbtem Luftmyzel und dichter, samtartiger Oberfläche aus. Die Unterseite der Kolonien ist kräftig gelb gefärbt.

Seltener sind andere Koloniemorphologien: weiß, granulär, auch pudrig, evtl. ausstrahlend (ähneln dann Trichophyton interdigitale, dessen ältere Bezeichnung Trichophyton mentagrophytes  var. granulosum [zoophile Subspezies] bzw. var. interdigitale [anthrophile Subspezies] lautete). Der weißliche Phänotyp weist eine differente molekulare Signatur auf (Symoens F et al. 2013).

Mikroskopisch: Das mikroskopsiche Bild ist vielfältig daher weniger spezifisch; unter guten Wachstumsbedingungen entwickeln Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae zigaretten- und  keulenförmige Makrokonidien . Diese  sind  meist durch 3-8 Quersepten gekammert. Mikrokonidien wachsen sowohl  botrytisförmig (beerenartig), als auch akladiumförmig (kornährenform-artig), letztere können lateral und endständig an den Hyphen des Myzel inserieren. Die für T. Interdigtale typischen  Spiralhyphen kommen hier ebenfalls vor.

Eine weitere Differenzierung, v.a. in Abgrenzug zu anderen Trichophyton-Spezies ist mittels molekularbiologischer Methoden möglich. Mit einer PCR-ELISA oder einer Real-time PCR kann der Dermatophyt im klinischen Material direkt nachgewiesen werden. Als Kulturbestätigungstest hat sich die Sequenzierung der internal transcribed spacer Region (ITS) der ribosomalen DNA bewährt. Auch die matrix-assisted laser desorption/ionization time-of-flight mass spectrometry (MALDI-TOF MS) ist für diese weiterführende Diagnostik geeignet (Kawasaki M et al. 2002/2011). 

 

 

Vorkommen/Epidemiologie

Zuverlässige epidemiologische Häufigskeitsanalysen sind erst in den kommenden Jahre zu erwarten, wenn dem Erreger eine höhere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae der häufigste zoophile Erreger von Dermatophytosen vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist. Infektionsquelle für Trichphyton-Spezies von A. benhamiae sind Meerschweinchen, sowie andere kleine Nagetiere wie Hamster und Ratten; in Einzelfällen auch Katzen und Hunde. Eine unlängst durchgeführt Studie über Meerschweinchen aus Zoohandlungen ergab einen 93%! Befall mit diesem zoophilen Dematophyt (Kupsch C et al. 2017)  

Bisher wird T. Spezies von A. benhamiae in Deutschland eher selten als Ursache einer Dermatomykose identifiziert. Dies liegt jedoch meist daran, dass T. Spezies von A. benhamiae falsch identifiziert werden, da der Erreger morphologisch aufgrund seiner Thallusfärbung und der Vielzahl von Mikrokonidien vom zoophilen Trichphyton interdigitale und anderen morphologisch ähnlichen Dermatophyten (z.B. Microsporum canis) mit konventionellen Methoden nicht eindeutig abzugrenzen ist. 

Ätiologie

A. benhamiae produziert wie andere Dermatophyten-Spezies ebenfalls, Proteasen und andere hydrolytische Enzyme, die für den Keratinabbau verantwortlich sind. Die Infektion führt durch Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae verursacht, im Gegensatz zu anthropophilen Dermatophyten, (z.B. Trichophyton tonsurans), durch die Expression einer breiten, proinflammatorischen Zytokin- und Chemokin-Antwort (Interleukin-1ß, Interleukin -2, Interleukin-4, Interleukin-6, Interleukin-10, Interleukin -13, Interleukin-15, Interleukin-16, Interleukin-17 sowie Interferon gamma) meist hoch entzündliche Lokalinfektionen (Shiraki Y et al. 2006). 

Klinisches Bild

Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae verursachen eine inflammatorische Tinea (meist) bei Kindern und Jugendlichen (Nenoff P et al 2013). So werden Tinea faciei, Tinea capitis (Hiernickel C et al. 2016), Tinea corporis und Tinea manuum durch den Erreger hervorgerufen. 

Klinisches Bild

Fallberichte:

Die Mutter des 9-jährigen Jungen bemerkte am Capillitium eine seit einigen Wochen eine initial juckende, rote Plaque, die sich rasch zu einem schmerzenden und nässenden, festen, höckerigen Knoten weiterentwickelte.

Zunächst wurde erfolglos systemisch antibiotisch behandelt (Cefuroximaxetil). Lokal: antientzündliche Therapie mit Flupredniden-21-acetat und Miconazolnitrat.

Bemerkung: Eine Katze sowie zwei Meerschweinchen, eines davon mit Fellveränderungen, wurden als Haustiere gehalten.

Eine mykologische Diagnostik aus epilierten Haaren aus der Läsion des Jungen erbrachte den sowohl den konventionellen und später auch den molekularbiologischen Erregernachweis von Trichophyton-Spezies von Arthroderma benhamiae.

Therapie: Terbinafin und Ciclopirox kamen topisch zur Anwendung; außerdem über 14 Tage Terbinafin per os 125 mg/d (als individueller Therapieversuch). Das schriftliche Einverständnis des Vaters für die im Kindesalter nicht zugelassene Therapie mit Terbinafin wurde eingefordert. Die Tinea capitis heilte unter dieser intensiven Behandlung innerhalb von zwei Wochen mit Restitutio ad integrum ab.

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Ein 6-jähriges Mädchen mit einer klinisch eindeutigen Tinea faciei et corporis war durch T. Spezies von A. benhamiae hervorgerufen. Infektionsquelle waren 2 infizierte Meerschweinchen. Bei der 10-jährigen Schwester sowie bei der Mutter der Patientin konnte ebenfalls eine Tinea corporis diagnostiziert werden.

Eine initial eingeleitete Therapie mit topischen Ciclopirox war komplett wirkungslos.
Die interne Gabe von 62,5 mg Terbinafin p.o./Tag über einen Zeitraum von 14 Tagen führte zur kompletten Abheilung der Infektion.

 

Therapie

Die Behandlung von ausgedehnten Dermatophytosen durch T. Spezies von Arthroderma benhamiae, insbesondere der Tinea capitis, erfolgt mit oralen Antimykotika, am besten Terbinafin;  Alternativen sind Fluconazol und Itraconazol.

Für die systemische Therapieist  - aufgrund der bei Trichophyton interdigitale mitunter vorhanden Resistenzen gegen Imidazole  und Griseofulvin – in erster Linie  Terbinafin zu empfehlen. Nur insofern die Eltern bei Kindern den „off label“ Einsatz von Terbinafin in ½ bis ¼  Dosierung ablehnen sollten kommen  Fluconazol ,Itraconazol  und Griseofulvin alternativ in Betracht. “

Zur Lokalbehandlung der Infektionen durch T. Spezies von A. benhamiae kann jedes gegenüber Dermatophyten wirksame Antimykotikum eingesetzt werden wie: Imidazole (ClotrimazolBifonazol), Ciclopirox oder Terbinafin.

Ausgedehnte Infektionen durch T. Spezies von A. benhamiae, so v.a. die Tinea capitis, sollte unverzüglich mit oralen Antimykotika erfolgen.

Hinweis: Bei Kindern erfolgt die orale antimykotische Behandlung jedoch immer nur als sogenannter individueller Heilversuch entsprechend Arzneimittelgesetz mit dem schriftlichen Einverständnis der Erziehungsberechtigten.

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

Hiernickel C et al. (2016) Trichophyton species of Arthroderma benhamiae : Clinical therapeutic aspects of a new pathogen in dermatology. Hautarzt 67:706-711. 

Kano R et al. (2011) Arthroderma benhamiae (the teleomorph of Trichophyton mentagrophytes) mating type-specific genes. Mycopathologia 171:333-337.

Kawasaki M et al.,(2002) Two arthroderma benhamiae isolates showing mitochondrial DNA type of Trichophyton verrucosum. Nihon Ishinkin Gakkai Zasshi 43:103-106.

Kawasaki M et al. (2011) Multiple gene analyses are necessary to understand accurate phylogenetic relationships among Trichophyton species. Med Mycol J 52:245-254.

Kimura U et al.M (2015)Tinea faciei caused by Trichophyton mentagrophytes (molecular type Arthroderma benhamiae mimics impetigo : a case report and literature review of cases in Japan. Med Mycol J 56:E1-5.

Kupsch C et al. (2017) Dermatophyten und Meerschweinchen. Hautarzt 68: 827-830

Nenoff P et al.(2014) Trichophyton species of Arthroderma benhamiae - a new infectious agent in dermatology. J Dtsch Dermatol Ges 12:571-581.

Nenoff P et al.(2013) Kerion caused by the zoophilic dermatophyte Trichophyton species of Arthroderma benhamiae in a child. A new emerging pathogen of dermatomycoses in Germany. Hautarzt 64:846-849.

Shiraki Y et al. (2006) Cytokine secretion profiles of human keratinocytes during Trichophyton tonsurans and Arthroderma benhamiae infections. J Med Microbiol 55:1175-85.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16914646

Symoens F et al.(2013)The dermatophyte species Arthroderma benhamiae: intraspecies variability and mating behaviour. J Med Microbiol 62:377-385.

White TJ et al. (1990) Analysis of phylogenetic relationships by amplificationand direct sequencing of ribosomal RNA genes. PCR protocols: A Guide to Methods and Applications, S. 315-322. New York, Academic Press.

 

Verweisende Artikel (1)

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