Tretinoin

Zuletzt aktualisiert am: 27.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

All-cis-trans-Retinsäure; C20 H28 O2; CAS Nr.302-79-4; Retinsäure; Tretinoinum

Definition

Bei Tretinon handelt es sich um die oxidierte Form des Vitamin A, ein in Wasser praktisch unlösliches, in ether lösliches Dermatotherapeutikum, das als Aknetherapeutikum breite Verwendung findet. S.a. Vitamin A.

Indikation

Bei chronischen Hauterkrankungen und zur Behandlung der Altershaut werden bevorzugt lipophile Zubereitungen angewendet. DAC/NRF beschreibet 2 lipophile Tretinoin-haltige Magistralrezepturen:

Für die Indikation der Acne comedonica und der Acne papulo-pustulosa nennt das DAC/NRF  3 verschiedene hyxdrophile Rezepturen:

Für eine Anwendung in der Mundhöhle können Apotheken eine Haftpaste herstellen, die z.B. bei der Behandlung von Lichen planus mucosae eingesetzt werden kann. Grundlage der Tretinoin-Haftpaste 0,05 bis 0,1% (NRF 7.9.) ist ein wasserfreies Paraffingel, in das der nichtionische hydrophile Quellstoff Hypromellose hochkonzentriert suspendiert wurde (Melhorn A 2017). Die Haftpaste eignet sich gut zur punktuellen Behandlung von Läsionen in der Mundhöhle. Für die Behandlung größerer Areale sind Hydrogele auf der Grundlage von Carbomeren oder Hydoxymethylcellulose (Melhon A 2017). 

 

Eingeschränkte Indikation

Sonnenexposition.

Dosierung und Art der Anwendung

  • 0,025–0,05% als Creme 1–2mal/Tag nach gründlicher Hautreinigung dünn auftragen.
  • 0,1% als Lösung 1–2mal/Tag nach gründlicher Hautreinigung dünn auftragen.

Unerwünschte Wirkungen

Teratogenität, Erythem, Pigmentverschiebungen, Hautreizungen, Photosensibilisierung.

Wechselwirkungen

Benzoylperoxid, Erythromycin, Isotretinoin, Polydimethylsilikonharz, Resorcin, Salicylsäure, Schwefel und UV-Strahlen führen zu einer Verstärkung der Hautreizung. Benzoylperoxid und Licht inaktivieren Tretinoin.

Kontraindikation

Schwangerschaft, Stillzeit, akute Hautausschläge, Anwendung im Bereich der Augen und Schleimhäute, Rosazea.

Rezeptur(en)

Tretinoin ist in Zubereitungen licht- und oxidationsempfindlich (Brisaert MG et al. 1995). Um eine ausreichende Stabilität des Rezepturarzneimittels sicherzustellen, muss ein Atioxidans zugesetzt werden. Butylhydroxytoluol hat sich bezüglich der chemischen Stabilisierung als vorteilhaft herausgestellt.  In Fertigarzneimitel kommt außerdem Butylhydroxyanisol zur Anwendung (Mehlhorn A 2017).

 

Präparate

Airol, Cordes VAS

Hinweis(e)

Bei einem versehentlichen Kontakt einer Schwangeren im 1. Trimenon besteht nach einer Metaanalyse (n=654) keine erhöhte Inzidenz für Spontanaborte (O03.), Frühgeburten, Fehlbildungen (Kaplan YC 2015).     

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Brisaert MG et al. (1995) Chemical stability of ttretinoin in dermatological preparations. Pharm Acta Helv 70: 161-166
  2. Kaplan YC (2015) Pregnancy outcomes following first-trimester exposure to topical retinoids: a systematic review and meta-analysis. Br J Dermatol 173:1132-1141.
  3. Mehlhorn A (2017) Tretinoin. Hautarzt 68: 941-944  
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