Toxoplasmose B58.9

Zuletzt aktualisiert am: 26.12.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Erstbeschreiber

Darling, 1909; Splendore, 1909; Nicolle u. Manceaux, 1909; Janku, 1923

Definition

Häufig systemische, aber meist gutartige Protozoen-Infektion mit Toxoplasma gondii.

Erreger

Toxoplasma gondii (überwiegend intrazelluläres Protozoon).

Ätiopathogenese

Aufnahme infektiöser Oozysten oder Gewebszysten von T. gondii durch Genuss von infiziertem Fleisch (Gewebszysten) oder Kontakt mit Katzen (Oozysten).

Selten intrauterine Infektion, Übertragung durch Bluttransfusionen oder bei Z.n. Organtransplantation.

Miest kommt es zu einer Reaktivierung einer laatenten Infektion bei Immunsuppression (AIDS, z.n. Organtransplantation, Malignom, Patienten unter immunsuppressiver Therapie). Häufigste opportunistische ZNS-Infektion bei AIDS. 

 

Manifestation

Auftreten ist in jedem Alter möglich. Stark gehäuft bei Immunsupprimierten auftretend, insbes. bei Vorliegen einer HIV-Infektion.

Klinisches Bild

Postnatal erworbene Toxoplasmose: 1-3 Wochen nach der Infektion kommt es zu leichtem Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie gelegentlich zu Durchfällen. Meist chronisch latenter Verlauf u. Ausbildung isolierter Organzysten. Bei Immunkompetenten velrläuft die Infektion in aller Regel als inapparenter oder harmloser Mononukleose-ähnlicher Verlauf (Fieber, Lymphadenopathie, Splenomegalie).   

Die häufigste Organmanifestation ist die Halslymphknoten-Toxoplasmose (s.u. Lymphadenopathie, dermatopathische).

Weitere mögliche extrazerebrale Manifestationen: Polymyositis, Pneumonie, Myokarditis, Chorioretinitis.  

Hautveränderungen: Akute fieberhafte Exantheme und kutane Knotenbildung (s.a. Toxoplasmose, exanthematische Form).

Konnatale Toxoplasmose: Bei Infektion im ersten Trimenon folgen oft schwere Schädigungen der Feten oder beim Neugeborenen, u.a. nekrotisierende Retinitis, ZNS-Verkalkungen, Hydrozephalus.

Diagnose

CCT/MRT: solitärer Herd, evtl.multiple raumfordernde hypodense Herde

Liquor: lymphozytäre Pleozytose und Eiweißerhöhung, bei Immunsuppression auch Normalbefunde möglich.

 

Sabin-Feldman-Test, Komplementbindungsreaktion, Nachweis von IgM- Antikörpern.

Therapie

Beim immunkompetenten Patienten ist i.d.R. keine Behandlung notwendig, da häufig inapparente Verläufe vorliegen. Ggf. symptomatische Therapie.

Merke! Seronegative Schwangere und immunsupprimierte Patienten sollten Kontakt mit Katzen und den Genuss von rohem Fleisch meiden!

Bei infizierten Schwangeren:

  • Infektion vor der 16. Schwangerschaftswoche: Spiramycin (z.B. Selektomycin) 3mal/Tag 1 g p.o. bis zur 16. SSW dann Umstellung auf Pyrimethamin (z.B. Daraprim) 50 mg p.o. (Tag 1) bzw. 25 mg/Tag (Tag 2-28) in Kombination mit Sulfadiazin (z.B. Sulfadiazin-Heyl) 3mal/Tag 1 g p.o. und 5-10 mg Folsäure/Tag. Therapie in 4-Wochen-Zyklen alternierend mit Spiramycin s.o. bis zur Geburt!
  • Infektion nach der 16. SSW: 4-Wochen-Zyklen mit Pyrimethamin/Sulfadiazin/Folsäure (s.o.) alternierend mit Spiramycin (s.o.).

Bei Immunsupprimierten:

  • Pyrimethamin initial 100-200 mg p.o. (Tag 1), ab 2. Tag 50-100 mg/Tag in Kombination mit Sulfadiazin 4mal/Tag 1-2 g p.o. und Folsäure 5-15 mg/Tag für mindestens 6 Wochen.
  • Alternativ: Monotherapie mit Cotrimoxazol (z.B. Eusaprim-Infusionslösung) 4mal/Tag 2 Amp. i.v. initial (Tag 1), dann weiter 3mal/Tag 2 Amp. i.v. in Kombination mit Folsäure 15 mg/Tag p.o. über 4-6 Wochen.

Literatur
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  1. Darling ST (1909) Sarcosporidiosis: with report of a case in man. Proc Canal Zone Med Assoc 1: 141–152
  2. Jones J et al. (2003) Congenital toxoplasmosis. Am Fam Physician 67: 2131-2138
  3. Janku J (1923) Pathogenesa a pathologicka anatomie tak nazvaneho vrozneko kolobomu zlute skvrny v oku normalnëe velikem a mikrophthalmickem s na lazem parasitu v sýtnici. Cas Lek Cesk 62: 1021–1027, 1054–1059, 1081–1085, 1111–1115, 1138–1143
  4. Montoya JG (2002) Laboratory diagnosis of Toxoplasma gondii infection and toxoplasmosis. J Infect Dis 185: S73-82
  5. Nicolle C, Manceaux L (1909) Sur un protozoaire nouveau du gondi. Arch Inst Pasteur 2: 97–103
  6. Splendore A (1909) Sur un nouveau protozoaire parasite du lapin, deuxieme note preliminaire. Bull Soc Pathol Exot 2: 462–465

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