Tinea capitis (Übersicht) B35.0

Zuletzt aktualisiert am: 26.04.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Kerion Celsi; Tinea capillitii; Trichophytia capillitii

Definition

Unter dem Begriff Tinea capitis werden infektiöse Pilzerkrankungen des terminalbehaarten Kopfes, der Augenbrauen und Wimpern zusammengefasst, hervorgerufen v.a. durch Erreger der Gattungen Trichophyton und Mikrosporum.

Erreger

Einteilung

Nach klinischen Gesichtspunkten werden 2 Formen unterschieden, deren Entstehung erregerabhängig ist:

  • Oberflächliche oder aphlegmasische Form (Grey-patch -Tinea); meist antropophile Erreger, s.u. Tinea capitis superficialis
    • Mottenfraßartige (moth-eaten) Tinea capitis
    • "Black-dot" Form der Tinea capitis. Wenig entzündliche Form, Haare im Hautniveau stoppelartig abgebrochen (Tinea capitis superficialis)
    • Pityriasis -capillitii-artige Tinea capitis. Hervortretende diffuse Schuppung der Kopfhaut ohne Entzündungszeichen
    • Pustulöse Tinea capitis mit gelblichen follikulären Pusteln.
  •  Tiefe, phlegmasische (chronisch-entzündlich-infiltrative) Form,  s.u. Tinea capitis profunda;  s.a. Kerion Celsi (immer zoophile Erreger);

Aus historischen Gründen wird die Tinea capitis neben dem Infektionskriterium (oberflächliche oder tiefe Tinea) vielfach noch eingeteilt nach: 

Manifestation

Fast ausschließlich bei Kindern im Alter von 2-14 Jahren. Die Tinea capitis ist bei Erwachsenen eine ausgesprochene Seltenheit.

Klinisches Bild

Das klinische Bild ist vielfältig (s. Einteilung). Es umfasst je nach Erreger und Immunsituation des Erkrankten von einer einfachen nicht-inflammatorischen, einer seborrhoischen Dermatitis-ähnlichen Erkrankung (häufig durch T.tonsurans ausgelöst). Weiterhin finden sich grau-schuppende alopezische Areale oder bei den inflammatorischen Formen, granulomatöse Plaques oder Knoten, häufig durchsetzt von follikulären Pusteln.  

Diagnose

Gemäß Leitlinien gelten für den Erregernachweis folgende Richtlinien:

  • Erregernachweis vor der Therapie
  • Therapie immer systemisch+adjuvant topisch
  • Ziel: negative Kultur
  • Zoophiler Erreger: Haustiere untersuchen
  • Anthrophiler Erreger: Kontaktpersonen untersuchen.   

Mikroskopische Untersuchung von epilierten Haaren und Kopfschuppen. Anthrophile Erreger wachsen v.a. endotrich (in das Haar penetrierend).

Ausnahme ist M. audouinii (s.u. Mikrosporie).

Zoophile Erreger wachsen ektotrich (um das Haar herum) mit großen Sporenmanschetten. Deshalb ist eine hohe Kontagiosität von zoophilen Erregern gegeben.

Kulturen müssen bis zu 5 Wochen beobachtet werden, weil einige Erreger ( T. verrucosumT. violaceumT. soudanense) sehr langsam wachsen.

Differentialdiagnose

S.a. Unterformen.

  • CDLE
  • Impetigo contagiosa
  • Follilkulitis
  • Alopecia areata
  • Folliculitis decalvans
  • Lichen planus capillitii
  • Psoriasis capitis
  • Pityriasis simplex
  • Ekzem, seborrhoisches der Kopfhaut
  • Pustulose, sterile eosinophile
  • Alopecia spefica (syphilistischer Kopfhautbefall)

Therapie

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Hinweis(e)

  • Der Begriff "Tinea" (lat. Holzwurm oder Motte) ist der historisch entstandene Begriff für eine Dermatophyteninfektion des  behaarten Kopfes, die mit einem "Mottenfraß-artigen" Bild verglichen wurde.  
  • Itraconazol ist bislang bei Kindern nicht zugelassen. Laut Studien liegen jedoch gute Therapieerfolge vor. In einer randomisierten Studie mit 34 Kindern (< 12 Jahren) erfolgte die Therapie der Tinea capitis mit 500 mg Griseofulvin und mit 100 mg Itraconazol täglich über insgesamt 6 Wochen. In beiden Gruppen zeigte sich ein identischer Behandlungserfolg mit 88% Heilung. Zudem traten in der mit Itraconazol behandelten Gruppe keine Nebenwirkungen auf. 

Hinweis(e)

Bei epidemischem Auftreten (Meldepflicht nach IFSG §34) sind weitere Maßnahmen wie die Isolation Erkrankter sowie die Entfernung/Dekontamination gegmeinsam genutzter Gegenstände notwendig (Gray RM et al.2015). 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  3. Fuller LC et al. (2003) Diagnosis and management of scalp ringworm. BMJ 326: 539-541
  4. Ginter-Hanselmayer et al.(2011) Die Behandlung der Tineda capitis - eine kritische Bestandsaufnahme. JDDG9: 109-115
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  9. Mayser P (2014) Stellenwert von Glukokortikosteroiden in der Therapie des Kerion Celsi. Haut 2014: 172-176  
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