Thalassämie D56.8

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Mittelmeerfieber

Erstbeschreiber

Cooley, 1925

Definition

Zu den Hämoglobinopathien zählende, genetische Erkrankungen der Erythrozyten.

Einteilung

Man unterscheidet:
  • Thalassaemia major: überwiegend homozygote β-Thalassämie (Cooley-Anämie) oder gemischt-heterozygote β-Thalassämie mit Transfusionsabhängigkeit.
  • Thalassaemia minor: heterozygote β-Thalassämie.
  • Thalassaemia intermedia: überwiegend homozygote oder gemischt-heterozygote β-Thalassämie mit zusätzlichen genetischen Veränderungen, die zu einer Abmilderung der für die Thalassaemia major typischen Symptome führen.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Mittelmeerraum (Malta, Sardinien, Sizilien, Griechenland, Zypern), im vorderen Orient und bei der afrikanischstämmigen Bevölkerung.
  • Die β-Thalassämie ist die häufigste Form der Thalassämie. Von ihr sind über 4000 Mutationen bekannt.

Ätiopathogenese

  • Autosomal-rezessiv Vererbung.

    Merke! Als Besonderheit für ein rezessives Erbleiden gibt es eine definierte Heterozygotensymptomatik: Heterozygote Mutationsträger sind von einer klinisch meist milden Anämie betroffen (Thalassaemia minor), während Homozygote das schwere Vollbild der Thalassemia major mit Organkomplikationen zeigen.

  • β-Thalassämie: kleinere Raster- oder Punktmutationen am β-Globin-Lokus; selten längere Deletionen. Dadurch Verminderung oder Fehlen der β-Globine. Bei der Cooley-Anämie wird kein normales HbA gebildet. Der starke Überschuss von γ- und δ-Globinen führt zu defekten, instabilen Erythrozyten mit ineffektiver Erythropoese.
  • α-Thalassämie: fehlende α-Ketten, dadurch Überschuss an γ- und β-Globinen.

Manifestation

Thalassaemia major: meist im Verlauf des ersten Lebensjahres auftretend.

Klinisches Bild

  • Thalassaemia minor (heterozygote β-Thalassämie): zumeist keine klinischen Symptome, eventuell leicht vergrößerte Milz, dystrophische Haare und Effluvium, Schwindelanfälle.
  • Thalassaemia major (homozygote β-Thalassämie [Cooley-Anämie]): bereits wenige Monate post partum Ansätze der Hepato- oder Splenomegalie. Im Verlauf: Wachstums- und Gedeihstörungen, schwere Schäden innerer Organe und Knochenfehlbildungen. Schwerste Störungen der Erythrozytopoiese mit schwerer Anämie und konsekutiver schwerer Hämosiderose. Lebenslange Transfusionsbedürftigkeit. Unbehandelt im Säuglingsalter oder frühen Kindesalter letal verlaufend.

Diagnose

  • Blutbild mit hypochromer, mikrozytärer Anämie, Targetzellen.
  • Serum: erhöhtes Serumeisen, erhöhtes Ferritin.
  • Hb-Elektrophorese.
  • Molekulargenetische Untersuchungen.

Komplikation

Hämosiderose, Herzinsuffizienz, Leberinsuffizienz, Diabetes mellitus, Wachstums- und Gedeihstörungen, Effluvium.

Therapie

  • Thalassämia major: Symptomatische Therapie mit Bluttransfusionen (sogenanntes Hypertransfusionregime): alle 2-3 Wochen 1-3 Blutkonserven mit dem Ziel der Unterdrückung der eigenen, ineffektiven Erythropoese, ggf. Splenektomie (so spät wie möglich aufgrund des gesteigerten bakteriellen Infektionsrisikos). Aufgrund der Eisenüberladung ist Chelation mit Desferrioxamin oder Deferipron (Ferriprox) erforderlich. Ggf. Stammzell- oder Knochenmarkstransplantion.
  • Thalassämia minor: keine Therapie erforderlich (Ausnahme: Schwangerschaft).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Cario H, Stahnke K, Sander S, Kohne E (2000) Epidemiological situation and treatment of patients with thalassemia major in Germany: results of the German multicenter beta-thalassemia study. Ann Hematol 79: 7-12
  2. Maggio A, D'Amico G, Morabito A (2004) Deferiprone versus deferoxamine in patients with thalassemia major: a randomized clinical trial. Blood Cells Mol Dis 32: 141-142

Weiterführende Artikel (2)

Effluvium; Haare dystrophische;

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