Tätowierung L81.82

Zuletzt aktualisiert am: 22.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Fremdkörpereinsprengung; Pulvertätowierungen; Tatauierung; Tätowierungen; Tattoo; Tattoos; Tatuierung

Definition

Exogen bedingte Einlagerung gefärbter Partikel in das Korium. Je nach Ätiologie unterscheidet man 2 Hauptgruppen:

Weiterhin kann zwischen:

  • Dauer- oder Permanenttätowierung 

und

  • Temporärer Tätowierung (Temptoo)

unterschieden werden (s.u. Henna

Ätiopathogenese

Untersucht man den Ursprung und die Dynamik der kutanen Zellen (Makrophagen), die die Partikel von in Tätowierung enthaltenden Pigmenten einfangen und „aufbewahren“ so kann gezeigt werden, dass diese Zellen einem kontinuierlichen Lebenszeitzyklus unterliegen. D.h. die kutanen Pigmentpartikel durchleben einen kontinuierlichen Zyklus des „Einfangens, Freisetzen und wieder Einfangens“. Die Langlebigkeit und Ortstreue der farbgebenden Partikel unterliegen demnach einem dauernden zeitlichen Wechselspiel, das durch die Lebenszeit der Makrophagen bestimmt wird (Baranska et al. 2018). Trotzdem bleibt die Ortstreue der „Tätowierung“ bestehen. Die aus dieser Erkenntnis abzuleitenden Folgen von z.B. ausgedehnten Tätowierungen auf das Immunsystem des Körpers sind bisher völlig unbekannt.

Komplikation

Ganz allgemein ist die Gefahr mikrobieller Infektionen durch kontaminierte Instrumente gegeben.

Kontaktallergische Reaktionen auf die eingebrachten Farbstoffe sind häufig beschrieben worden (s.a. unter Schmucktätowierung)

Phototoxische und granulomatöse Lokalreaktionen. Der von Kim und Mitarb. 2016 mitgeteilte Fall einer akuten Sarkoidose (Löfgren-Syndrom) unter einer kombinierten anti-CTLA-4 (Ipilimumab)/anti-PD1(Nivolumab) Therapie eines metastasierten Harnblasenkarzinoms, das sich primär in einem Tatoo manifestierte, belegt eine erhöhte Suszeptibilität der tätowierten Regionen.

Weiterhin wurden lichenoide und pseudolymphomatöse Reaktionen auf Tätowierungen beschrieben. 

Hinweis(e)

  • Der Terminus "Tätowierung" leitet sich aus dem tahitischen "ta tatau" ("schlagen")
  • Das gesundheitliche Risiko von Tattoos wird von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung als gering eingestuft (Bundesinstitut für Riskobewertung). Es ist inzwischen jedoch bekannt, dass sich Farbpigmente als Nanopartikel dauerhaft in Lymphknoten ablagern.Die Pigmente können je nach chemischer Struktur z.B. durch Verunreinigung mit Metallen gesundheitsgefährdend sein.
  • Über die "Zerschießung" der Farbpigmente durch Laser und deren Auswirkung ist ebenfalls wenig bekannt.
  • Die Verordnung (Bundesrechtsverordnung) über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen enthält eine Liste von Stoffen und Farbstoffen, die in Deutschland beim Tätowieren nicht verwendet werden dürfen. Aufgelistet werden insbesondere Azofarbstoffe, die auch oft in Lacken für den Kraftfahrzeugbau Verwendung finden. Die Verordnung wurde am 27. November 2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht; die Verordnung trat am 1. Mai 2009 in Kraft. Gemäß dieser Verordnung dürfen nach § 3, Tätowierungsmittel gewerbsmäßig nur dann in den Verkehr gebracht werden, wenn folgende Angaben angebracht sind:

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Baranska A et al. (2018) Unveiling skin macrophage dynamics explains both tattoo persistence and strenuous removal. J Exp Med 215:1115-1133. 
  2. Kim C et al.(2016) Systemic sarcoidosis first manifesting in a tattoo in the setting of immune checkpoint inhibition. BMJ Case Rep 26 pii: bcr2016216217
  3. www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten-zu-taetowieurungsmittel -187854.html

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 22.08.2019