SCID (Übersicht)

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Schwerer kombinierter Immundefekt .; severe combined Immunodefciency

Definition

Akronym für „"Severe Combined Immunodeficiency"“. SCID steht als Sammelbegriff für angeborene Immundefekte, bei denen entweder eine Fehlfunktion oder ein Mangel an T-Lymphozyten und  NK-Zellen vorliegt. Hierdurch kommt es zu komplexen Störungen der zellvermittelten Immunabwehr. Je nach SCID-Variante  sind auch Fehlfunktionen und Defizienzen der B-Lymphozyten nachweisbar. Oftmals jedoch wird der Begriff "SCID" als ein Überbegriff für Immundefekte allgemeiner Art verwendet.
 

 

Einteilung


Vorherrschend sind Defekte der

  • ADA-Gene (Adenosin-Deaminase-Gene)
  • Zytokinrezeptor-Gene
  • Antigen-Rezeptor-Gene

Eine brauchbare klinische Klassifikation kann nach Fehlen (-) und Anwesenheit  (+) von T-/B-Zellen und NK-Zellen vorgenommen werden.

  • Adenosin-Deaminase-Mangel  (D81.3): 15% aller SCID-Fälle. autosomal rezessive Mutation des -Gen (ADA) mit Mangel an dem ubiqitären Enzym Adenosin-Deaminase.
  • Recombination activating gene 1/2 Gen (RAG1/2)-Mangel (D81.3): 3% aller SCID-Fälle. Mutationen in den Genen der Rekombinasen RAG1 und RAG2 führen zu einem Defekt des T- und B-Zell-Rezeptors.   
  • X-linked SCID (D81.2): 40 % aller SCID-Fälle, X-chromosolmaer Erbgang mit mit Mutation im IL2RG-Gen, das für die gamma-Kette des IL-2-Rezeptors kodiert (Interleukin-7-Rezeptor alpha Gen - IL-7R-α; CD127). Diese Kette ist Bestandteil mehrerer Interleukinrezptoren der Interleukine IL-2, IL-4,IL-7, IL-9,IL-15, IL-21. Die Mutation bewirkt eine schwere komplexe störung der Signaltransduktion.  
  • JAK 3 Mangel (D81.2): etwa 20% aller SCID-Fälle. Mutation der zytoplasmatischen Tyrosinkinase JAK 3.    
  • Omenn-Syndrom: ursächlich werden versch. genetische Defekte für ein phänotypisch identisches Krankheitsbild  angegeben: RAG1/RAG2-Mangel, Artemis-Defekt, IL-7Ralpha-Mangel. Klinisch: IgE erhöht, esosinophile Lymphadenopathie, Erythrodermie.     
  • MHC-Klasse I-Defekt (D81.6) auch Bare lymphocyte syndrome type I : Mutation in den GenenTAP I und TAP II.  Komplexe Störung bei der Antigenerkennung  
  • MHC-Klasse II-Defekt (D81.6) auch Bare lymphocyte syndrome type II: Mutaionen in den Transkriptionsfaktoren CIITA, RFX5, RFXAP die das MHC II-Protein transkribieren.
  • Knorpel-Haar-Hyoplasie: Kleinwuchs mit Dysostose, feines brüchiges Haar, Granulome der Haut, erhöhtes Risko an Tumoren zu erkranken.
  • DOCK8-Mangel: Mutation im DOCK8-Gen (dedicator of cytogenesis 8) führt zur Hypereosinophilie, verminderten B-und -Zellen, erniedrigtes IgM (normales IgA und IgG), rezidivierenden bakteriellen und viralen Infekten, schwerem atopischem Ekzem, erhöhte Tumorrate.  

Klinisches Bild

Je nach Gendefekt klinisch sehr unterschiedlich ausgeprägte Krankheitbilder deren Gemeisamkeit in schweren viralen, mykotischen oder bakteriellen Infektionen besteht. Häufig werden auch ausgedehnte therapieresistente HPV-Infektionen beobachtet.. Da SCID meist bereits im Säuglingsalter auftritt werden Diagnose und Folgeerkrankungen in erster Linie die Pädiatrie betreffen.

Literatur
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  2. Clin Immunol 12:713-723. Buelow BJ et al. (2016) Newborn screening for SCID: lessons learned. Expert Rev Hematol 9:579-584.
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  5. Kobrynski L (2015) . Newborn screening for severe combined immune deficiency (technical and political aspects). Curr Opin Allergy Clin Immunol 15:539-546.
  6. Williams KW et al. (2015) Eosinophilia Associated with Disorders of Immune Deficiency or Immune Dysregulation. Immunol Allergy Clin North Am 35:523-544.

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