Schock-Syndrom toxisches A48.3

Zuletzt aktualisiert am: 04.02.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Tamponkrankheit; Toxic Shock Syndrome; Toxic-Shock-Syndrome; Toxinschock-Syndrom; Toxin-Schock-Syndrom; Toxisches Schock-Syndrom; TSS

Erstbeschreiber

Todd et al., 1978

Definition

  • Schweres, lebensbedrohliches, durch das von bestimmten Staphylococcus aureus-Stämmen gebildete Exotoxin (s.a. Exfoliatine) TSST-1 (toxic shock syndrome toxin 1) ausgelöstes Krankheitsbild (s.u. Superantigen) mit scharlachähnlichen Hauterscheinungen, Schocksymptomatik und multiplen Organsymptomen.
  • Ein analoges Krankheitsbild wird durch bestimmte, von Streptokokken gebildete, pyrogene Exotoxine ausgelöst (s.u. Streptococcal toxic shock syndrome). Vorausgehend schwere Weichteilinfektion. Krankheitsbild mit heftigen Schmerzen, hohem Fieber, Rötung und Erythem, gefolgt von Hypotension und Schocksymptomatik.

Erreger

Überwiegend Staphylokokken der Phagengruppe I

Vorkommen/Epidemiologie

Selten, Prävalenz liegt bei 0,5/100.000/Jahr

Ätiopathogenese

Ein TSS entwicklet sich nur, wenn sich Toxinbildner in Abszesshöhlen oder Fremdkörpern von der körpereigenen Abwehr geschützt entwicklen und somit eine kritische Menge an Toxinen bilden können.TSS-1 ein 29kD-Protein und bewirkt als Superantigen eine massive direkte T-Zell-Stimulierung sowie eine fulminante Ausschüttung von Mediatoren.   

Manifestation

Überwiegend bei jüngeren Frauen auftretend, die Vaginaltampons benutzen, auch nach Entbindung auftretend (Nachweis von Staphylococcus aureus aus Vaginalabstrichen). Seltener auch Männer im Zusammenhang mit Furunkeln, Abszessen, Osteomyelitis . Man vermutet eine verstärkte Produktion und/oder Absorption des Exotoxins).

Klinisches Bild

  • Allgemein: Temperaturen > 39,6 °C, Blutdruckabfall, orthostatische Dysregulation, Befall von 3 oder mehr der folgenden Organsysteme: Gastrointestinaltrakt (Erbrechen, Diarrhoe), Skelettmuskulatur (Myalgie, CK-Erhöhung), Nieren (Harnstoff und Kreatininerhöhung, Leukozyturie), Leber (Enzym- und Bilirubinanstieg), Blut (Thrombozytopenie), ZNS (Desorientiertheit, Bewusstseinseinschränkung).
  • Integument: Palmoplantares Erythem und generalisiertes scarlatiniformes Exanthem mit Neigung zur Erythrodermie. Desquamation 1-2 Wochen nach Krankheitsbeginn, vorwiegend an Handflächen und Fußsohlen. Hyperämie der Schleimhäute. Bei menstruierenden Frauen außerdem initiale Vaginitis und Vulvitis mit eitrigem Fluor.

Labor

Negative Blutkultur, Rachenabstrich, Liquorpunktion, Thrombozytopenie, Erhöhung der Leber- und Nierenwerte.

Diagnose

Kulturelle Nachweis von TSST-1-bildenden Staphylokokken; Abstrich aus Vagina oder von anderen Schleimhäuten. Auch der serologische Nachweis von TSST-1-Antikörpern ist möglich.       

Differentialdiagnose

Kawasaki-Syndrom, Masern, Scharlach, Leptospirose, Rocky Mountains Spotted Fever, Lebensmittelintoxikation durch Staphylokokkenenterotoxine.

Komplikation

Nierenversagen; disseminierte intravasale Gerinnung.

Therapie

Zusammenarbeit mit Internisten. Stadienabhängige Schockbehandlung (s.u. Schock, anaphylaktischer). Zudem penicillinasefestes Penicillin wie Flucloxacillin (z.B. Staphylex Kps.) 4mal/Tag 1-2 g p.o. über 7 Tage. Bei Resistenzen Linezolid (Zyvoxid) 2mal/Tag 600 mg p.o. oder i.v.

Verlauf/Prognose

Unterschiedlich schwere Verläufe. Die Letalität beträgt ca. 6%. Bei rechtzeitiger Behandlung gute Prognose.

Literatur
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  2. Barran W et al. (1983) Toxisches Schocksyndrom. Hautarzt 34: 55-58
  3. Hikone M et al.(2015) Streptococcal toxic shock syndrome secondary to group A Streptococcus vaginitis. J Infect Chemother 21:873-876
  4. Lin YJ et al. (2015) Early Differentiation of Kawasaki DiseaseShock Syndrome and Toxic Shock Syndrome in a Pediatric Intensive Care Unit. Pediatr Infect Dis J 34:1163-1167
  5. Marsch WC et al. (1986) Toxinschocksyndrom. Hautarzt 37: 410-412
  6. Todd J, Fishaut M, Kapral F (1978) Toxic-shock syndrome associated with phage-group-I Staphylococci. Lancet 2: 1116-1118
  7. Torda A (2005) Postpartum toxic shock syndrome associated with multiple splenic infarcts. Med J Aust 182: 93
  8. Warner JE, Onderdonk AB (2004) Diversity of toxic shock syndrome toxin 1-positive Staphylococcus aureus isolates. Appl Environ Microbiol 70: 6931-6935
  9. White MC et al. (2005) Early diagnosis and treatment of toxic shock syndrome in paediatric burns. Burns 31: 193-197

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