Scabies (Übersicht) B86

Zuletzt aktualisiert am: 29.08.2018

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Julian Baur

Alle Autoren

Synonym(e)

Acariasis; Acarodermatitis; Krätze; Skabies

Definition

Häufige, weltweit verbreitete, stark juckende parasitäre Hautinfektion durch Sarcoptes scabiei hominis. Die durch die Infektion induzierte reaktive Dermatitis ist als immunologische Reaktion des Organismus auf die Milben-Bestandteile zu interpretieren. Die Hauterscheinungen variieren erheblich je nach Alter der Erkrankung, individueller Reaktionslage und Intensität der Körperpflege.

Erreger

Acarus siro var. Hominis o. Sarcoptes scabiei hominis. S.u. Milben. Weibliche Skabiesmilben werden 0,3-0,5 mm groß (männliche 0,21-0,29 mm) und sind gerade noch als schwarzer Punkt sichtbar. Die Begattung findet an der Hautoberfläche statt. Männliche Milben sterben dann ab. Weibliche Milben graben tunnelförmige Gänge in das Stratum corneum und bleiben etwa 30-60 Tage lebensfähig. Sie legen pro Tag 2-3 Eier, aus denen nach 2-3 Tagen Larven entschlüpfen. Krätzemilben können außerhalb des Körpers nicht länger als 48 Stunden überleben. Bei immunkompetenten Patienten ist die gefundene Milbenzahl gering (10-12/Patient). Bei immuninkompetenten Patienten kann die Zahl auf > 1 Million Milben ansteigen (Bild der Scabies norvegica).

Vorkommen/Epidemiologie

Häufig, 200-400 Mio. Erkrankungen/Jahr weltweit. Die Infestationsprävalenz hängt wesentlich von der Bevölkerungsdichte sowie von hygienischen Bedingungen ab. Sie schwankt zwischen < 1% und 30-40%.

Ätiopathogenese

Übertragung des begatteten Weibchens durch engen körperlichen Kontakt, selten über Wäsche (Ausnahme: Scabies norvegica). Das Risiko, sich durch Bettwäsche zu infizieren, in denen ein Skabieskranker gelegen hatte, ist < 1: 200.

Effloreszenz(en)

Rötung, lineare (kommaförmige) Papeln, Schuppen, Bläschen, Juckreiz.

Lokalisation

  • Vor allem Interdigitalfalten der Hände und Füße, Ellenbeugen, vordere Achselfalte, Brustwarzenhof, Nabel, Gürtelregion, Penis, Knöchelregion, Kontaktflächen der Glutaeen. Der Rücken ist seltener befallen, Kopf und Nacken sind stets frei, ebenso die Fußsohlen und Handflächen (Ausnahme bei alten Menschen mit atrophischen Palmae und Plantae; bei verwahrlosten Patienten können ebenfalls die Handflächen und Fußsohlen betroffen sein). 
  • Bei langzeitig bestehender (ungepflegter) Scabies geht die Betonung der typischen "Scabiesregonen" verloren. es zeigt sich dann ein generalisiertes (Bild des mikrobiellen Ekzems) Ekzembild.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: prinzipiell ubiquitär aber auch Palmae und Plantae befallen; Finger- und Fußrücken, Gesicht.

Klinisches Bild

  • Klinisch symptomatisch wird eine Skabies bei Ersterkrankung erst 3-6 Wochen nach der Infektion. Bei Reinfektion bildet sich die klinische Symptomatik bereits nach 24 Stunden aus. Dies führt dazu, dass die Milbe förmlich aus der Haut herausgekratzt wird.
  • Führendes Symptom der Skabies ist ein starker, vor allem nächtlich einsetzender Juckreiz. Daneben finden sich gewundene, millimeterlange, deutlich tastbare Milbengänge mit der als dunkles Pünktchen erkennbaren Milbe am Gangende (Milbenhügel). Kratzeffekte, Ekzematisation und bakterielle Sekundärinfekte prägen meist das klinische Bild.
  • Die makulopapulösen, z.T. urtikariellen und papulovesikulösen Hautveränderungen, sind meist Ausdruck einer allergischen Reaktion des organismus auf die Milbeninfektion (sog. Id-Reaktion - s.a. Scabies eczematosa, Scabies norvegica, Scabies granulomatosa, Scabies larvata, Räude, Scabid).
  • Sonderformen:
    • Gepflegte Skabies: Klinisch nur vereinzelte Papeln; diagnostisch wichtig ist der Nachweis von Milbengängen, die man allerdings suchen muss. Wegweisend ist der starke nächtliche Juckreiz.
    • Verwahrloste Skabies: Klinisch Bild eines ausgedehnten "mikrobiellen Ekzems". Nach Gangstrukturen muss gesucht werden, sie stehen nicht im Vordergrund des klinischen  Bildes. Nicht selten bilden sich flächig verruköse Plaques. Auch nässende oder pustulöse Areale.  
    • Persistierende Skabiesgranulome: Bei Kleinkindern und Erwachsenen können, selbst nach suffizienter antiskabiöser Therapie, heftig juckende, 2-4 mm große, meist zerkratzte Papeln persistieren, wahrscheinlich als hyperergische Reaktion auf das persistierende Skabiesallergen (Spättyp-Reaktion).
    • Postskabiöser Juckreiz: Mehrere Tage bis u.U. Wochen persistierender Juckreiz nach durchgeführter suffizienter Skabiesbehandlung.
    • Scabies incognita: Durch Glukokortikoide, systemisch oder lokal appliziert, können die klinischen Symptome komplett verschleiert werden.
    • Lokalisierte Scabies: Beispielhaft für eine lokalisierte Scabie ist kann ein therapieresistentes Mamillenekzem sein.
    • Skabies bei Säuglingen und Kleinkindern: Gesicht, Kopf, Hals und häufig (teilweise ausschließlich) Palmae und Plantae sind befallen. Effloreszenzen bei Kindern sind häufig sehr sukkulent. Es persistiert quälender Juckreiz. Bläschen und Pusteln können auftreten. Diese sind u.U. klinisch prägend.
  • Nachweismethode:
    • Nativnachweis der Milben: Eröffnung des Milbenganges mittels feiner Kanüle, Aufbringung des Inhaltes auf einen Objektträger, native Untersuchung unter dem Mikroskop.
    • Möglich ist auch die Darstellung des Milbenganges durch Auftupfen eines Farbstoffes (Filzschreiber) und Applikation eines Alkoholtropfens (Farbe wird durch Kapillarkräfte in den Gang gesogen).
    • Mikroskopischer Milbennachweis mittels auflichtmikroskopischer Verfahren (hohe Sensitivität) (bräunliche Dreieckskontur, gebildet durch den Vorderleib der Milbe!).
    • Histologischer Nachweis der Milben (v.a. bei Scabies norwegica leicht möglich; ansonsten ist Milbennachweis nur in Stufenschnitten, wenn überhaupt, möglich).

Histologie

Akanthose, auch fokale Spongiose, Orthokeratose durchsetzt mit Parakeratosehügeln. Unterschiedlich ausgeprägtes dermales Ödem; dichtes, die obere und mittlere (nicht selten auch tiefe) Dermis durchsetzendes, diffuses und perivaskulär orientiertes lymphohistiozytäres Infiltrat. Häufig mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Histoeosinophilie. Nicht selten kann man Milbenexkremente in Form runder oder ovaler Globuli (Skybala) im Str. corneum nachweisen. Der Nachweis von Milben gelingt in den meisten Fällen auch in Schnittserien nicht.

Differentialdiagnose

  • Histologisch: Allergisches Kontaktekzem; atopisches Ekzem; andere Arthropodenreaktionen.
  • Klinisch: Kontaktekzem; atopisches Ekzem; mikrobielles Ekzem; Impetigo contagiosa; Morbus Paget (Mamille).

Komplikation

Entwicklung eines postskabiösen Pruritus, von persistierenden postskabiösen Papeln oder eines postskabiösen Ekzems ist möglich. Vereinzelt Provokation anderer Dermatosen wie Psoriasis, Lichen planus oder perforierende, reaktive Kollagenose.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Naturheilkunde

Über den alternativen Einsatz von 5% Teebaumöl sind einige kleinere Studien publiziert, die den antiskabiösen Effekt dieser Behandlung belegen. Weitere Einzelheiten s.u. Teebaumöl.

Nachsorge

Vor- und Nachbehandlung: Zur Nachbehandlung und bei stark nässender, gereizter Haut vor der Therapie kommen Glukokortikoid-haltige Externa zum Einsatz, wie 0,25% Prednicarbat (z.B. Dermatop Creme). Da abgetötete Milben noch über Wochen in der Haut als Allergen wirken, bleibt der Juckreiz häufig nach der Behandlung eine Zeit lang erhalten. Bei offenen, nässenden Stellen feuchte Umschläge mit antiseptischen Zusätzen wie Kaliumpermanganat, s.a. Ekzem, postskabiöses.

Merke! Persistierende juckende Ekzeme bei behandelter Skabies sind häufig durch Sensibilisierung gegen abgetötete Milben, gelegentlich jedoch durch Resistenzen gegenüber Antiskabiosa oder durch Reinfektionen bedingt! Skabiesgranulome sollten mittels topischen Glukortikoiden (ggf. unter Okklusion) behandelt werden. In einigen Fällen sind lokale Unterspritzungen mit Glukokortikoid-Kristallsuspensionen notwendig.

Bei Kontaktpersonen: Untersuchung, Mitbehandlung bei Verdacht auf Erkrankung.

Hinweis(e)

  • Unbehandelt verläuft die Skabies chronisch, kann aber auch nach mehreren Jahren spontan abheilen.
  • Resistenzen sind beschrieben worden für Permethrin, Crotamiton, Lindan und Benzoylbenzoat.
  • Merke! Untersuchungen zu Evidenz und Effizienz topischer Antiskabiosa belegen die besten Erfolge mit Permethrin.

  • Schulbesuch ist nach einmaliger Anwendung von Permethrin wieder möglich!

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Agathos M (1994) Skabies. Hautarzt 45: 889-903
  2. American Academy of Pediatrics (Scabies). In: Peter, G. (Hrsg.) 2000 Red Book: Report of the Committee on Infectious Diseases, 25th ed. Elk Grove Village, IL S. 506-508.
  3. Aristoteles (340 v. Chr.) (1960) Animalium historia. In: Aristotelis opera, Bd I. De Gruyter Verlag
  4. Bezold G et al. (2001) Hidden scabies: diagnosis by polymerase chain reaction. Br J Dermatol 144: 614-618
  5. Chosidow O (2000) Scabies and pediculosis. Lancet 355: 819-826
  6. Chouela E et al. (2002) Diagnosis and treatment of scabies: a practical guide. Am J Clin Dermatol 3: 9-18
  7. Dupuy A et al. (2006) Accuracy of standard dermoscopy for diagnosing scabies. J Am Acad Dermatol 56: 53-62
  8. Folster-Holst R et al. (2000) Treatment of scabies with special consideration of the approach in infancy, pregnancy and while nursing. Hautarzt 51: 7-13
  9. Haas N (1987) Eine einfache vitalmikroskopische Hilfe zum Nachweis der Skabiesmilbe. Z Hautkr 62: 1395-1398
  10. Hu S et al. (2008) Treating scabies results. Arch Dermatol 144: 1638-1641
  11. Karre S et al. (1997) Steroidinduzierte Scabies norvegica. Hautarzt 48: 343-346
  12. Madan V et al. (2001) Oral ivermectin in scabies patients: a comparison with 1% topical lindane lotion. J Dermatol 28: 481-484
  13. Müllegger RR et al. (2010) Hautinfektionen in der Schwangerschaft. Hautarzt 61: 1034-1039
  14. Paasch U, Haustein UF (2001) Treatment of endemic scabies with allethrin, permethrin and ivermectin. Evaluation of a treatment strategy. Hautarzt 52: 31-37
  15. Tzenow et al. (1997) Orale Behandlung der Scabies mit Ivermectin. Hautarzt 48: 2-4
  16. Walton S et al. (2004) Acaricidal activity of melaleuca aternifolia (tea tree) oil. Arch Dermatol 140: 563-566

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 29.08.2018