Salicylsäure

Zuletzt aktualisiert am: 26.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Acidum salicylicum; Salicylic acid; Salizylsäure; Spirsäure

Definition

 Mittelstarke Säure, die in wasserhaltigen Vehikelsystemen einen pH von 2-3 erzeugt. Nur in seiner Säureform kann es von der Haut aufgenommen werden. Salicylsäure wird als Antiseptikum und als Keratolytikum eingesetzt. Sie ist eine der am häufigsten in Individualrezepturen verordneten Wirkstoffen. Sie kommt sehr oft in suspendiert halbfesten Zubereitungen, aber auch in gelöster Form in hydrophilen und lipophilen Vehikeln vor. 

Wirkungen

Salicylsäure wirkt keratoplastisch und keratolytisch; weiterhin antibakteriell und antimykotisch.

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Normkonzentration

  • 1-10% in Schälsalben und Schälkollodien
  • 40-60% in keratolytischen Pflastern (nur kleinflächige Applikation)
  • 3-5% in antihydrotischen Pudern
  • 2-10% in Ölen (auch in Kopfölen)
  • 0,5-1% in antiseptischen Pinselungen und Salben

 Merke!  Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte die Anwendung von Saliycylsäure-haltigen Externa auf maximal 5-10% der Körperoberfläche und -je nach Alter- auf eine Konzentration von 1-3% begrenzt bleiben (Mehlhorn S. 2017).    

Unerwünschte Wirkungen

Allergische Reaktionen, Dermatitiden, Salicylismus (Nierenschädigung, Verwirrtheitszustände), v.a. durch Resorption bei großflächiger Applikation. Insofern sollte es in Salbenanwendungen bei der die Gefahr der großflächigen Anwendung besteht, nicht höher als 2,5% (Empfehlung der Kommission 7 des ehemaligen BGA) angewendet werden. Bei kleinflächiger Applikation können bis zu 60% Konzentrationen (z.B. in Pflastern) verwendet werden. 

Salicylsäure kann Fette und Öle (chemisch gesehen: Triglycerid-Ester von ungesättigten Fettsäuren) ohne Gegenwart von Wasser hydrolytisch spalten. Dabei entstehen freie Fettsäuren, die unangenehme (ranzig) riechen und auch hautreizend sein können. Aus diesem Grund ist im NRF 11.400. ein anderes Lipid, nämlich Octyldodecanol (Euntanol® G)  ausgewählt, das keine Esterstruktur aufweist.    

Salicylsäure reagiert mit Zink. Die daraus entstehenden Salze haben keinerlei Wirkung und gelten als inert (Wolf G 2014). Salicylsäure sollte somit nicht in Zink-haltigen Grundlagen rezeptiert werden. 

Rezeptur(en)

Weitere (überprüfte) Salicylsäure-haltige Rezepturen:

Rp.1) Auswaschbares Salicylsäure-Kopföl (mit Eutanol G)

  • Salicylsäure                      2,0
  • Macrogol-4-laurylether    10,0
  • Octyldodecanol                80,0  
  • S: Aufbrauchfrist: 6 Monate über 8°C (Glasflasche)  

Rp.2) Salicylsäure-Kopföl (mit Eutanol G und Rizinusöl - n. G. Wolf)

  • Salicylsäure                       5,0
  • Macrogol-4-laurylether     10,0
  • Raffiniertes Rizinusöl        40,0
  • Octyldodecanol        ad    100,0 
  • S: Aufbrauchfrist: 6 Monate über 8°C (Glasflasche)  

Rp.3) Salicylsäure-Kopföl (mit Triamcinolonacetonid/Chloramphenicol/ Clotrimazol- n. G. Wolf)

  • Salicylsäure                      5,0
  • Triamcinolonacetonid        0,1
  • Chloramphenicol               1,0
  • Clotrimazol                         2,0 
  • Macrogol-4-laurylether     10,0
  • Raffiniertes Rizinusöl        40,0
  • Octyldodecanol        ad    100,0 
  • S: Aufbrauchfrist: 6 Monate über 8°C (Glasflasche)  

Präparate

Contrheuma® Bad L, Criniton® Lösung, Guttaplast, Humpin®, Kytta® Balsam, Lygal Kopfsalbe N, Menthoneurin® Vollbad N, Moorbar-Saar, Pernionin® Teilbad-N, Psorimed Lsg., Pyralvex® Gel, Salhumin® Rheuma-Bad, Salhumin® Teilbad N, Squamasol Gel/Lsg., Verrucid, Collomack; Salicylvaseline Lichtenstein

Hinweis(e)

Salicylsäure ist in Olivenöl schlecht löslich! In der Kälte gehen in dieser fetten Grundlage max. 2,2% in Lösung. Anwendungstechnisch bedeutet dies bei höheren Konzentrationen, dass reine Salicylsäure-Kristalle auf die Haut eingerieben würden! Für Rizinusöl ist die Löslichkeit bedeutend höher und beträgt 16%. Das NRF 11.44 empfiehlt bis zu einer 5% Salicylsäurekonzentration Octyldodecanol (Eutanol G = Alkohol mit fettenden Eigenschaften); bei > 5% eine Mischung von Rizinusöl und Octyldodecanol.

Als standardisiertes abwaschbares Salicylsäure-Öl empfiehlt sich u.a. die in NRF 11.85. angegebene Rezeptur (Salicylsäure-Öl, abwaschbares 2/5 oder 10% ). 

Häufig wird die Salicylsäure mit Glukokortikoiden und Clotrimazol seltener mit Antibiotika kombiniert. Hierbei kommt es zu Trübungen und Ausfällen ungelöster Bestandteile. Dies bedeutet, dass die Lösung stets vor der Anwednung aufgeschüttelt werden, damit keine Dosierungsungenauigkeiten auftreten.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Mehlhorn S (2017) Salicylsäure-Öle zur Anwendung auf der Kopfhaut. Hautarzt 68: 248-249
  2. Wolf G (2013) Polypragmasie in Rezepturen. Hautarzt 64: 478-47
  3. Wolf G (2014) Komplexe Wechselwirkungen zwischen Wirkstoff und Grundlage. Hautarzt 65: 486-487
  4. Wolf G (2008) Individualrezeptur - aber richtig. derm 14: 49-50
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