Röteln B06.99

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

epidemic roseola; German measles; rubella; Rubeola; rubéole

Erstbeschreiber

Sennert, 1632

Definition

Harmlose, gering kontagiöse Viruserkrankung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen(nichtnamentliche Meldung bei Labornachweis) mit mildem Verlauf und typischem Exanthem.

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Dermatologie

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Erreger

Rubivirus, ein RNA-Virus aus der Familie der Togaviren

Ätiopathogenese

Übertragung durch Tröpfcheninfektion. Die Kontagiosität ist geringer als die von Masern. Diaplazentare Übertragung ist möglich.

Manifestation

Überwiegend im Kindesalter auftretend (Manifestationsgipfel 5-14 Jahre). 80-90% der Erwachsenen dind durchimmunisiert.

Klinisches Bild

Bei 40-50% der Fälle liegen klinisch stumme Infektionen vor. Inkubationszeit: 2-3 Wochen.

  • Bei 40-50% der Fälle liegen klinisch stumme Infektionen vor.
  • Prodromi: "grippeähnliche Symptomatik" mit leichter Temperaturerhöhung und katarrh. Erscheinungen. Häufig vor Ausbruch des Exantems Lymphknotenschwellungen zervikal und okzipital (evtl. auch in den Ellenbeugen), gelegentlich Milzschwellungen.
  • Diskretes Enanthem der Mundschleimhaut möglich, diagnostisch aber nicht von Bedeutung.
  • Integument: Exanthementwicklung variabel. 50% der Kinder zeigen kein oder nur ein sehr diskretes Exanthem. Typisch ist ein blass-rotes, fleckenförmiges Exanthem mit kraniokaudaler Ausbreitung: Beginn im Gesicht, Ausbreitung auf retroaurikuläre Regionen, Rumpf, Extremitäten.  Abklingen des Exanthems nach 3-4 Tagen in der o.g. Reihenfolge.
  • Extrakutane Manifestationen: Bei 30-50% der Erkrankten (auch nach Impfung möglich bei Kindern in 3% der Fälle, bei Erwachsenen in etwa 13% der Fälle) kann sich Arthritis (meist Polyarthritis) entwickeln, die über Monate anhalten kann. Bei älteren Kindern kann die Arthritis von Fieberepisoden begleitet sein. Als STAR-Komplex (sore, throat, arthritis, rash) treten noch Halsschmerzen und Exantheme hinzu.

Labor

Leukopenie, relative Lymphozytose, Plasmazellen 5–20%.

Diagnose

Exanthem, nuchale und okzipitale Lymphknotenschwellungen. Serologie: Im Hämagglutinationshemmtest Titeranstieg um 2 Stufen, Nachweis rötelnspezifischer IgM-Antikörper (ELISA, Hämagglutinationstest). Blutbild.

Differentialdiagnose

Komplikation

  • Gregg-Syndrom: Schwere Missbildung der Feten bei einer Rötelninfektion der Mutter in den ersten Schwangerschaftsmonaten; Auftreten der Rötembryopathie bei ca. 1/3 der Fälle bei Rötelkontakt in der Schwangerschaft und einem Titer < 1:16.
  • Das Auftreten einer TEN nach Röteln-Impfungen wurde in der Literatur beschrieben.

Externe Therapie

Allenfalls hautpflegende Maßnahmen mit z.B. Ungt. emulsif. aq., Lotio alba aq.

Interne Therapie

In der Regel nicht erforderlich. Falls erforderlich, fiebersenkende Maßnahmen z.B. mit Paracetamol (z.B. Ben-u-ron) 4mal/Tag 500 mg p.o. oder Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin 500) 2-3mal/Tag 500 mg p.o.

Merke! Ausnahme: Bei V.a. Infektion in der Frühschwangerschaft genetische Beratung. Pränatale Röteldiagnostik ab der 11. SSW. Nachweis von Virus-RNA aus dem Fruchtwasser.

Spezifisches Röteln Immunglobulin ist zur Zeit nicht verfügbar (früher Röteln Immunglobulin P Aventis).

Gynäkologisches Konsil.

Prophylaxe

Impfung mit Rötelnlebendimpfstoff aller Kinder im 15. Lebensmonat (Wiederholungsimpfung zwischen dem 3. u. 6. Lebensjahr) und aller Mädchen im 12. bis 14. Lebensjahr, postpubertär bei Frauen mit einem Titer kleiner 1:16 (Röteln-Impfstoff HDC Mérieux).

Merke! Jedes Risiko einer Schwangerschaft muss 2 Monate vor und drei Monate nach der Impfung ausgeschlossen werden (Kontrazeptiva-Behandlung).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bale JF Jr (2002) Congenital infections. Neurol Clin 20: 1039-1060
  2. Francis BH et al. (2003) The impact of rubella immunization on the serological status of women of childbearing age: a retrospective longitudinal study in Melbourne, Australia. Am J Public Health 93: 1274-1276
  3. Hanon FX et al. (2003) WHO European Region's strategy for elimination of measles and congenital rubella infection. Euro Surveill 8: 129-138
  4. Pereira FA et al. (2007) Toxic epidermal necrolysis. J Am Acad Dermatol 56: 181-200
  5. Pistol A (2003) Progress toward measles elimination in Romania after a mass vaccination campaign and implementation of enhanced measles surveillance. J Infect Dis 187: S217-222
  6. Spika JS et al. (2003) Measles and rubella in the World Health Organization European region: diversity creates challenges. J Infect Dis 187: S191-197
  7. Schulz H (1989) Praxisrelevante pädiatrische Hautkrankheiten. Hautnah derm: 86-95
  8. Thompson KM et al. (2015) Systematic Review of Measles and Rubella Serology Studies. Risk Analdoi: 10.1111/risa.12430
  9. Sennert D (1633) Practicae medicinae liber IV: De morbis mulierum et infantium. Schürer, Wittenberg

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