Rosazea okuläre

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Augenrosazea; Ophthalmo-Rosazea

Definition

Chronisch entzündliche Augenbeteiligung des Rosazea-Symptomenkomplexes , die mit oder ohne Hautveränderungen einhergehen kann.  Bei etwa 20% der Betroffenen ist diese Symptomatik Vorbote einer Rosazea. Bei 25 bis 50% der Betroffenen tritt die okuläre Rosazea zeitgleich mit den Hautsymptomen auf.

Vorkommen/Epidemiologie

Die okuläre Rosazea wird bei etwa 20% (nach Angaben anderer Autoren bei 6-18%) der Patienten mit Hautsymptomen beobachtet. Bei der primären okulären Rosazea fehlen die Hautveränderungen komplett oder sind nur diskret ausgebildet. Diese Form kann bereits im Kindesalter auftreten. 

Manifestation

Entspricht dem Manifestationsalter bei Rosazea (rund 80% der Patienten sind älter als 30 Jahre). Bei etwa 20% der Patienten treten die okulären Symptome mit einem zeitlichen Abstand von mehreren Jahren zu den Hautveränderungen auf. 

Indikation zu Naturheilverfahren

Euphrasia officinalis (Augentrost)-haltige Augentropfen (WALA Euphrasia®). 

Klinisches Bild

Die klinischen Symptome gehen mit Rötungen des Lidrandes, sowie der tarsalen und bulbären Konjunktiven einher. Weiterhin werden Fremdkörper-oder Trockenheitsgefühl, Brennen und vermehrtem Tränenfluss angegeben. Nicht selten sind diese Symptome mit Lidödem oder auch Ödemen der Periorbitalregion verbunden. 

Schwere Formen gehen mit Störungen des Tränenfilms und Sehstörungen einher (Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen). Über (seltene) Erblindungen als Spätfolgen der okulären Rosazea wurde berichtet.

Hinweis: Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der kutanen Rosazea und dem Ausmaß der okulären Symptomatik. 

Differentialdiagnose

Bakterielle, virale (z.B. Herpes simplex Virus) oder allergische Konjunktivitis. 

Komplikation

Bei der okulären Rosazea ist das Risiko für das Auftreten von Chalazion (Hagelkörner) oder einer Konjunktivitis erhöht. Als Folge einer chronischen Blepharokonjunktivitis können Hornhautulzera in Kombination mit kornealen Gefäßneubildungen auftreten. 

Therapie allgemein

Interdisziplinär dermatologisch-ophthalmologischer Therapiansatz: Die Therapie der Erkrankung umfasst zum einen eine lokale Behandlung der Lidveränderungen direkt, als auch eine allgemeine Behandlung der Grunderkrankung. Als Standardmaßnahmen gelten heute:

Liderwärmung und –reinigung: Durch eine mindestens 4-5-minütige Erwärmung der Lider wird das Fettsekret der Meibomdrüsen verflüssigt und kann so aus den Lidern massiert werden. Dabei ist wichtig, dass die Erwärmung effizient erfolgt und die Massage der Lider jeweils dem Verlauf der Drüsen entsprechend zum Auge hin erfolgt (Oberlid von oben nach unten, Unterlid von unten nach oben). Krustige Beläge von den Lidkanten mit Hilfe z. B. von pflanzlichen Ölen, physiologischer Kochsalzlösung oder abgekochtem Wasser und Wattestäbchen entfernen. Der Ablauf sollte 2x/Tag übereinen Zeitraum von > 3 Monate durchgeführt werden.

Antibiotika: Antibiotika (Tetracycline, Azythromyzin u .a.) sind nicht nur bei offensichtlicher Infektion, sondern auf Grund zusätzlicher entzündungshemmender und fettverflüssigender Wirkmechanismen auch bei chronischem, nicht-infektiösem Verlauf sinnvoll. Eine Wirksamkeit ist insbesondere für systemisch angewandte Tetrazyklinderivate belegt worden. Auch diese Therapie muss für mindestens 3 Monate angewendet werden, um eine nachhaltige Besserung der Situation zu erzielen.

Hinweis: Patienten mit okulärer Rosazea sollten auf die Anwendung von Isotretinoin verzichten, da sich die Augensymptome (Trockenheitssymptomatik) hierdurch verschlimmern können.

Entzündungshemmende Medikamente: Bei schweren entzündlichen Veränderungen werden Glukokortikoid-haltige Augentropfen und –salben angewendet. Diese führen fast immer zu einer raschen Besserung währender der Anwendung, jedoch auch zu Rezidiven nach Absetzen. Auf Grund von Nebenwirkungen bei dauerhafter Anwendung (grauer oder grüner Star) sollte Glukokortikoidexterna am Auge nur vorübergehend angewendet werden. Alternativ: z. B. Ciclosporin-Augentropfen in geeigneten Trägersystemen (NRF-Rezeptur) .

Tränenersatz: Zur symptomatischen Linderung der Beschwerden des oft gleichzeitig bestehenden trockenen Auges können Tränenersatzmittel angewendet werden. Von den vielen vorhandenen Präparaten sollte bei mehr als 2-3x täglicher Anwendung ein unkonserviertes Präparat verwendet werden (Hyaluronsäure-haltiger Tränenseratz: GenTeal, Hyalo-Vision. Carbomer-haltiger Tränenseratz: Thilo-Tearse® ; Natur: Euphrasia officinalis (Augentrost)-haltige Augentropfen (WALA Euphrasia

 

Literatur
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  1. Awais M et al.,(2015) Rosacea – the ophthalmic perspective. Cutan Ocul Toxicol 34:161-166.
  2. Oltz M et al.(2011) Rosacea and its ocular manifestations. Optometry 82:92-103.
  3. Stone DU et al.(2004) Ocular rosacea: an update on pathogenesis and therapy. Curr Opin Ophthalmol 15:499-502.
  4. Vieira AC e al. (2013) Ocular rosacea: common and commonly missed. J Am Acad Dermatol 69(6 Suppl 1):S36-41.
  5. Webster G (2013) Ocular rosacea: a dermatologic perspective. J Am Acad Dermatol 69(6 Suppl 1):S42-43.

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