Röntgenoberflächenbestrahlung

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Behandlung der Hautoberfläche mit Röntgenstrahlen. In einzelnen dermatologischen Zentren ist bei bestimmten Indikationen die Therapie mit sog. Röntgenweichstrahlgeräten noch üblich. Bei dieser Bestrahlungstherapie ist die Eindringtiefe der Röntgenstrahlen in das Gewebe relativ gering, so dass das tiefere Gewebe geschont wird. Die noch betriebenen Weichstrahlgeräte (meist Dermopan/Fa. Siemens) erlauben Betriebsspannungen der Röntgenröhre zwischen 10 und 50 kV (bei 25 mA). Der Bereich bis einschließlich 10 kV wird als Grenzstrahltherapie (Bucky-Strahlen) bezeichnet. Die Dosis der Röntgenstrahlung wird in Gray (Gy) gemessen (früher: rad = radiation absorbed dose).

Wirkungen

  • Am Ende der Bestrahlung tritt in der umgebenden gesunden Haut (und in der Haut über dem Tumor) eine akute Radiodermatitis auf, eine erosive Dermatitis (Erosivreaktion), die für viele Therapeuten die individuell ausreichende Bestrahlungsdosis anzeigt. Die Gesamtdosis (GD) wird in tägliche Einzeldosen (ED) von unterschiedlicher Stärke fraktioniert. Durch die Fraktionierung wird eine bessere Gewebeverträglichkeit erreicht.
  • Spätfolgen der Röntgenbestrahlungen sind eine chronische Radiodermatitis mit Hyper- und Depigmentierungen, fibrotischem Umbau des Koriums, Strahlenulzera sowie maligne epitheliale und bindegewebige Tumoren in loco.

Indikation

Die Indikation für die Röntgentherapie wird in der Dermatologie zunehmend seltener gestellt, zumeist wegen ausreichender oder besserer Alternativmethoden ohne die bekannten Spätschäden der Röntgentherapie oder in Ermangelung an funktionstüchtigen Röntgengeräten (die Geräte werden nicht mehr hergestellt).
  • Basalzellkarzinom: Häufigste Indikationsstellung, insbes. bei älteren Menschen. Für ein solides Basalzellkarzinom ist eine Gesamtdosierung (GD) von 50-70 Gy (43-50 kV/25 mA) notwendig. Einzeldosen (ED) von 4-5 Gy 5mal/Woche.
  • M. Bowen: Häufige Indikationsstellung. Die Gesamtdosierung (GD) liegt bei 25-30 Gy (29 kV/25 mA). Die Gesamtdosis wird in Einzeldosen (ED) von 5 Gy in Abständen von 2 Tagen fraktioniert.
  • Lentigo maligna: Häufige Indikationsstellung; insbes. bei älteren Menschen, denen eine größere Operation nur noch schwerlich zugemutet werden kann (beachte auch die besondere Lokalisation der Lentigo maligna!). Für eine Lentigo maligna ist nach Miescher eine Gesamtdosierung (GD) von 100 Gy (10 kV/25 mA = Weichstrahltechnik), notwendig. Die Gesamtdosis wird in ED von 20 Gy in Abständen von 3-4 Tagen fraktioniert
  • Diffuse Melanommetastasen der Haut: Palliative Maßnahme bei ausgeschöpften sonstigen Therapiemaßnahmen; bei dieser Indikation sind andere Strahlenquellen (Elektronenbeschleuniger) zu bevorzugen. GD 90-10 Gy; ED 5 Gy.
  • Lymphome der Haut: Häufige Indikationsstellung bei isolierten kutanen B- und T-Zell-Lymphomen der Haut. Für ein knotiges Lymphom ist eine Gesamtdosierung (GD) von 25-30 Gy (50 kV/25 mA) notwendig. Die GD wird in ED von 2-5 Gy in Abständen von 2 Tagen fraktioniert. Die Erfolge sind anfänglich sehr überzeugend. Bei wiederholter Röntgenbestrahlung stellt sich eine zunehmende Strahlenresistenz ein. Bei erythrodermischen T-Zell-Lymphomen ist, bei sonstiger Behandlungsresistenz, auch eine Röntgen-Fernbestrahlung des ganzen Körpers zu erwägen. Der Fokus-Haut-Abstand (FHA) beträgt 2 m; die GD liegt bei 10-15 Gy (50 kV/25 mA, ohne Aluminiumfilter), die ED beträgt 0,5-1,5 Gy täglich. Bestrahlung abwechselnd von vorne und von hinten.

Kontraindikation

Röntgenanwendungen bei Hämangiomen des Säuglings, Naevi flammei und chronisch entzündlichen Dermatosen.

Literatur
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  1. Hoppe RT (2003) Mycosis fungoides: radiation therapy. Dermatol Ther 16: 347-354
  2. McWilliams RR et al. (2003) Treatment of brain metastases from melanoma. Mayo Clin Proc 78: 1529-1536
  3. Miescher G (1953) Die neuere Entwicklung in der dermatologischen Röntgentherapie. Dermatologica 107: 225-230
  4. Zagrodnik B et al. (2003) Superficial radiotherapy for patients with basal cell carcinoma: recurrence rates, histologic subtypes, and expression of p53 and Bcl-2. Cancer 98: 2708-2714

Verweisende Artikel (1)

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