Rheumatoide Arthritis (RA) M06.9

Zuletzt aktualisiert am: 23.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Arthritis rheumatoide; chronische Polyarthritis des Erwachsenenalters; CP; PCP; Polyarthritis chronische des Erwachsenenalters; Polyarthritis progredient-chronische; Primär chronische Polyarthritis; Progredient-chronische Polyarthritis; rheumatoid arthritis; rheumatoide Arthritis

Definition

Die Rheumatoide Arthritis ist eine chronische, entzündliche Systemerkrankung unbekannter Ätiologie, die durch Synovialitis zu Arthritis, Bursitis und Tendovaginitis und weiterhin zur Destruktion der befallenen Gelenke führt. Das Charakteristikum der RA ist ihre ausgeprägte klinische Variabilität mit  breiter Allgemeinsymptomatik und extraartikulären Manifestationen (z.B. Hauterscheinungen).

 

Vorkommen/Epidemiologie

Häufigste rheumati sche Erkrankung.  Familiäre Häufung.

Prävalenz: ca. 0.5-1% der Bevölkerung. In der älteren Bevölkerungsgruppe (> 55J) liegt die Prävalenz bei 2%.

Frauen sind 2-3mal häufiger als Männer betroffen.

Ätiopathogenese

Die Ätiologie ist unbekannt. Eine genetische Prädisposition ist nachgewiesen (familiäre Häufung; bei etwa 70% der Patienten kann das HLA-Antigen DR4/DRB1 nachgewiesen werden - bei Gesunden nur bei etwa 25%). Durch unbekannte Triggermechanismen (Umweltfaktoren können eine Rolle spielen), z.B. virale oder bakterielle Antigene, wird eine autoimmunologische entzündliche Reaktion induziert die primär die Synovia betrifft. Beteiligt sind T-Helfer-Lymphoyzten, Makrophagen, B-Lymphozyten, Plasmazellen und dendritische Zellen. Es kommt zur Bildung proinflammatorischer Zytokine (IL-1, Il-6, IL-15, TNF-alpha) sowie zur Bildung von Autoantikörpern (AK gegen das Fc-Fragment des Immunglobulin G = Rheumafaktor; AK gegen das cyclische citrullinierte Peptid = Anti-CCP-AK). Zu den auffälligen Befunden gehören Immunkomplexe, die in der Gelenkflüssigkeit nachweisbar sind, sowie in der Pathogenese von  Vaskulitiden bedeutsam sind.       

Manifestation

Überwiegend bei Erwachsenen auftretend (Inzidenzgipfel: 6.-8. Dekade).

Klinisches Bild

Symmetrische Arthritis beginnend an Händen und Füßen sowie später an den großen stammnahen Gelenken. Angedeutete zentripetale Ausbreitung. Befallmuster der Hände mit regelhafter und hoher Bevorzugung der Grund- und Mittelgelenke. Ausbreitungstendenz an den Vorfüßen von lateral nach medial.

Hauterscheinungen: 

Rheumaknoten in ca. 21-33%  der Fälle. Bei Pat. mit positivem Rheumafaktor können Rheumaknoten aber deutlich häufiger auftreten. Plötzliches, schubweises Auftreten schmerzhafter Knoten unter Betonung der Hände v.a. der Metakarpophalangealgelenke- und PIP`s wird als "akzelerierte rheumatische Nodulosis" bezeichnet.

Nagelveränderurungen (27% der Pat.): Brüchige, glanzlose Fingernägel mit Querfurchenbildung und Aufsplitterungen der Nagelmatrix sind häufig. Selten sind Uhrglasnägel. 

Sonstige Hautveränderungen (Spezifität unklar - belegt durch Einzelkasuistiken):

Weitere (seltenere) spezifische Organmanifestationen sind:

  • Perikarditis und Herzklappenveränderungen
  • Gehäuft COPD, Pleuritiden
  • Nieren (selten) membranöse Glomerulonephritis
  • Augen: Keratokonjunktivitis
  • Gefäße: Rheumatoide Vaskulitis (Haut und digitale Gefäße evtl. mit digitalen Nekrosen)
  • Neurologische Symptome: Vaskulitis der Vasa nervorum mit Polyneuropathie.

Differentialdiagnose

systemischer Lupus erythematodes 

Vaskulitiden (z.B. Polyarteriitis nodosa)

Spondylarthritis 

Lyme-Arthritis 

Rheumatisches Fieber 

Arthritis bei Sarkoidose

Psoriasisarthritis

Therapie

Tabellen

 

Therapiestufen

Wirkstoffe

Primärtherapie (primär eingesetzte Wirkstoffe)

Methotrexat

Sulfasalazin

Chloroquin/Hydroxychloroquin

Alternativen (bei Therapieversagen, Toxizität oder unerwünschten Arzneimittelreaktionen der Primärtherapie)

Goldsalze (Aurothioglukose, Auranofin)

Ciclosporin A

D-Penicillamin

Wirkstoffe für Problemsituationen (Therapieresistenz)

Azathioprin

Cyclophosphamid

 

Hinweis(e)

Nach der ACR/EULAR wurden als assoziierte dermatologische Erkrankungen beschrieben:

Nach der ACR/EULAR-Klassifikation gelten für die rhematoide Arthritis folgende Kriterien:

Voraussetzung:

  1. mindestens 1 Gelenk mit einer klinischen Synovitis,
  2. die nicht mit einer anderen Erkrankung erklärt werden kann.
A    Geschwollene/schmerzhafte Gelenke
Anzahl Gelenke Größe der Gelenke Lokalisation Punkte
1 (mittel-)großes Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Sprunggelenk 0
2-10 (mittel-)große Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Sprunggelenk 1
1-3 kleine MCP, PIP, MTP2-5, IP, Handgelenk  2
4-10 kleine MCP, PIP, MTP2-5, IP,Handgelenk 3
>10 Gelenke, mindst.1 kleines MCP, PIP, MTP2-5, IP, Handgelenk  5

 

 

B    Serologie (mindestens 1 Testergebnis erforderlich)
RF (Rheumafaktor) ACPA (Anti-Citrullin-Peptid-Ak Referenzbereich Punkte
RF und ACPA negativ             - 0
RF und ACPA niedrig +     >Obergrenze bis <3x    Obergrenze 2
RF und ACPA hoch +        >3x Obergrenze 3

  

C    Akute-Phase-Proteine
CRP/BSG Befund Punkte
CRP/BSG normal 0
CRP/BSG erhöht 1

 

D     Dauer der Symptome

                      Dauer    Punkte       
< 6 Wochen               0
> 6 Wochen               1

 

Bewertung: Punktzahlen der Tabellen A-D werden addiert:  Punkte von 6 und mehr sind ein Indikator für eine definitive RA.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Braun MG et al. (2004) Development and/or increase of rheumatoid nodules in RA patients following leflunomide therapy. Z Rheumatol 63: 84-87
  2. Gause A et al. (2003) Rheumatology 2003-part I: research news concerning pathogenesis, epidemiology, diagnosis, and therapy of chronic inflammatory joint diseases. Med Klin (Munich) 98: 523-533
  3. Lehnen M et al. (2004) New therapeutic options for psoriatic arthritis: TNF inhibitors. Dtsch Med Wochenschr 129: 634-638
  4. Margolis DJ et al. (2004) Medical conditions associated with venous leg ulcers. Br J Dermatol 150: 267-273
  5. Seitz CS (2009) Diagnostik und Therapie von dermatologischen Symptomen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis. Akt Dermatol 35: 87-89
  6. Ziemer M et al. (2016) Häufigkeit und Einteilung kutaner Manifestationen bei rheumatoider Arthritis. J Dtsch Dermatol Ges 14:1237-1247. 
     

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 23.10.2017