Rheumatisches Fieber I00.x1

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

acute rheumatic fever; Fieber rheumatisches; Morbus rheumaticus; RF; Rheumatismus verus

Definition

In den Industrieländern selten gewordene, immunologisch ausgelöste fieberhafte Nachfolgekrankheit bei einer Angina Tonsillaris mit ß-hämolysierenden Streptokokken oder einer Streptokokken-Pharyngitis.

Ätiopathogenese

Spezifische Enzündungsreaktion auf Toxine der beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Diskutiert werden immunologische Reaktionen und eine genetische Disposition.

Manifestation

Überwiegend (jedoch nicht ausschließlich) auf das Kindesalter beschränkt.

Klinisches Bild

  • Hauptsymptome: Karditis, Polyarthritis (migratorische), Chorea minor (Sydenham), Erythema marginatum rheumaticum (früher auch Eythema anulare rheumaticum), und subkutane Knoten (Rheumatische Knötchen).
  • Nebenkriterien: Fieber, Arthralgien.
  • Sonstiges: Myokarditis (bei Säuglingen), Pankarditis (bei Kleinkindern), Periendokarditis (bei Schulkindern). Ausbildung einer Mitralstenose oder Aorteninsuffizienz ist möglich. Gelegentlich Nierenbeteiligung (Glomerulonephritis).

Rheumatisches Fieber ist sehr wahrscheinlich, wenn 2 Hauptkriterien oder 1 Hauptkriterium und 2 Nebenkriterien bei gesichertem, vorausgegangenem Streptokokkeninfekt erfüllt sind. Die Oligo- oder Polyarthritis des rheumatischen Fiebers wird praktisch nie chronisch, d.h. es gibt keine "sekundäre chronische Polyarthritis".

Labor

Der Antistreptolysintiter ist erhöht.

Therapie allgemein

Bettruhe, insbes. bei Herzbeteiligung. Fokussanierung von Streptokokken-besiedelten Herden im Nasenrachenraum (z.B. Tonsillektomie).

Interne Therapie

  • Behandlung der Streptokokkeninfektion mit Penicillin G i.v. (z.B. Penicillin Grünenthal) 3-5 Mio. IE über 10 Tage. Bei Penicillin-Allergie: alternativ Erythromycin anwenden oder Antibiose nach Antibiogramm.
  • Bei schwerer Symptomatik mit Arthritiden und Karditis zusätzlich Glukokortikoide wie Prednison (z.B. Decortin) 60-100 mg/Tag, schrittweise Dosisreduktion über einige Wochen, Erhaltungsdosis nach Klinik. Zudem kann antiphlogistische Behandlung mit Acetylsalicylsäure (z.B. ASS Tbl.) in hohen Dosen von 3mal/Tag 500-1000 mg eingesetzt werden (in leichteren Fällen ist auch Behandlung mit Acetylsalicylsäure allein möglich). Bei starken Schmerzen Etofenamat 1 g tief i.m. als ED.
  • Kontinuierliche Chemoprophylaxe ist obligatorisch: 2-4mal/Tag 0,25 Mio. IE Penicillin V (z.B. Megacillin Filmtbl.) bei rheumatischem Fieber in der Kindheit bis zum 25. Lebensjahr, bei Erkrankung nach dem 15. Lebensjahr über 5-10 Jahre. Anschließend nur zwischenzeitliche Antibiose bei operativen Eingriffen.

Verlauf/Prognose

Abhängig von der Herzerkrankung.

Literatur
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