Retronychie L60.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Retronychia

Erstbeschreiber

de Berker, 1999

Definition

Bisher selten beobachtete und berichtete, v.a. an den Fußnägeln (Großzehe) auftretende, wahrscheinlich traumatisch induzierte, chronische Paronychie die durch eine Störung des Wachstum eines oder mehrerer Nägel hervorgerufen wird.    

Ätiopathogenese

Ursächlich liegt der Retronychie eine kontinuierliche oder repetierte frontale Traumatisierung (z.B. durch unpassendes Schuhwerk oder durch sich wiederholende Stoßschädigung der Nagelwurzel bei sportlichen Aktivitäten) zugrunde. Diese Art der frontalen Stoßtraumata führen zu einer reversiblen Schädigung des proximalen Hyponychiums und offenbar zu einem Kontinuitätsverlust zwischen Hyponychium und Nagelplatte. Sie führt letztlich zu einer  Arretierung des Wachstums des noch existierenden Nagels. Die Nagelwurzel produziert anschließend unterhalb des Altnagels einen neuen Nagel. Dieser neugebildete Nagel erfährt  bei weiterhin persistierender Traumatisierung ebenfalls eine Wachstumsschädigung, die sein physiologisches Wachstum verhindert. Es entwickelt sich unterhalb der alten, bereits devitalen Nagelwurzel ein Nageltorso mit irregulärem, nicht strikt nach vorne, sondern nach oben oder hinten gerichtetem Wachstum (daher die etwas irreführende Bezeichung "Retr-onychie" für rückwärts-gerichtet). Die Folge ist eine chronische Paronychie mit verdickter, schmerzhafter Nagelwurzel.             

 

 

Manifestation

Weibliche Geschlecht bevorzugt.

Klinisches Bild

Klinisch imponiert eine chronische, schmerzhafte proximale Paronychie (meist des Großzehennagels) mit Wachstumverzögerung bzw. kompletter Wachstumsarretierung des häufig verdickten und verfärbten Nagels.    

Therapie

Wichtig ist es den "Circulus vitiosus" aus repetierter Schädigung der Nagelwurzel und fehlgerichtetem Wachstum zu unterbinden.

Konservative Therapiemaßnahmen sind zur Behebung des bereits eingetretenen chronischen Entzündungszustandes (vergleichbar einem "nicht sichtbaren" Unguis incarnatus) nicht erfolgreich. Insofern ist eine Nagelextraktion mit sorgfältiger Überwachung eines "atraumatischen" Regenerationsprozesses als Therapie der Wahl anzusehen.     

Literatur
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  1. Baumgartner M et al. (2010)  Retronychia: diagnosis and treatment. Dermatol Surg 36:1610-1614
  2. de Berker DA et al. (2008) Retronychia: proximal ingrowing of the nail plate. J Am Acad Dermatol 58:978-983
  3. de Berker DA et al. (1999) Retronychia-proximal ingrowing nail. J Eur Acad Dermatol Venereol 12: (Suppl 2) 126
  4. Kim M et al. (2015) Great toenail dystrophy: a single-center experience and review of the literature. Korean J Fam Med 36:113-120
  5. Richert B et al.(2014) Retronychia. Ann Dermatol Venereol 141:799-804
  6. Piraccini BM et al. (2014) Retronychia in children, adolescents, and young adults: a case series. J Am Acad Dermatol 70: 388-390
  7. Zaraa I et al. (2012) Retronychia: a rare cause of chronic paronychia. Dermatol Online J 18:9

 

Weiterführende Artikel (1)

Unguis incarnatus;

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