Rauchen Hautveränderungen F17.1 + Hauterkrankung

Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Die Haut und das Rauchen; Hauterscheinungen durch Rauchen; Haut und Rauchen; Haut und Tabak; Hautveränderungen durch Rauchen; Rauchen Hautveränderungen; Rauchen, Hautveränderungen; Raucherhaut; Smoking and the Skin

Definition

Durch meist langjährigen Tabakkonsum induzierte kutane Veränderungen. Rauchen gilt heute als häufigste vermeidbare Todesursache. Sie fordert jährlich in Deutschland ca. 140 000 Tote. Ursächlich hierfür sind überwiegend Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und onkologische Komplikationen.

Einteilung

Folgende Auswirkungen hat ein chronische Rauschen auf die Haut:

Induktion von malignen Tumoren der Haut und Schleimhäute:

Vorkommen/Epidemiologie

In Mitteleuropa rauchen etwa 40 % der Männer und ein 30% der Frauen. Der durchschnittliche Zigarettenkonsum pro Tag beträgt 15 Zigaretten. 75 bis 80 % aller Raucher erfüllen die Kriterien einer Nikotin-Abhängigkeit:

  • Zwanghafter Tabakkonsum
  • Toleranzentwicklung
  • Körperliche Entzugssymptome bei Abstinenz
  • Fortgesetzter Tabakkonsum trotz Folgeschäden
  • Veränderungen der Lebensgewohnheiten, um den Tabakkonsum aufrecht zu erhalten
  • Eingeschränkte Kontrolle über das Rauchverhalten

Ätiopathogenese

Die klinischen Wirkungen des Tabakkonsums auf die Haut sind teilweise schon seit der Einführung der Tabakpflanze in Europa im 16. Jahrhundert bekannt. Das in der Pflanze enthaltene Alkaloid Nikotin, das nach seinem Entdecker Jean de Nicot benannt wurde, wird als Haupt-Toxin des Zigarettenrauchs angesehen. Bei jeder Zigarette werden ungefähr 2 - 3 mg inhaliert. Bei konstanter Inhalationsmenge ist die Höhe der Nikotinkonzentration im Blut individuell unterschiedlich. Sie hängt von diversen Faktoren wie z. B. dem pH des Urins oder der Verstoffwechselung durch mikrosomale Leberenzyme ab.

In Zigarettenrauch-Extrakten lassen sich etwa 5000 verschiedene Substanzen nachweisen, von denen 43 als karzinogen eingestuft werden (Kriterien der IARC = International Agency for Research on Cancer). Es ist somit schwierig, die Auswirkungen des Rauchens auf die Haut und den Gesamtorganismus auf einen einzelnen Inhaltsstoff bzw. auf eine einzelne Wirkung zurückzuführen. Vielmehr resultieren sie aus komplexen Summmationseffekten, z.T. in Kombination mit Umweltfaktoren.

Manifestation

Starke Raucher erscheinen schon in relativ jungen Jahren mitunter deutlich vorgealtert. Die Haut des langjährigen Rauchers erscheint faltig, der Teint fahl, das Gesicht grau und weniger gut durchblutet. Der Zusammenhang zwischen extrinsischer Hautalterung und hohem Zigarettenkonsum (pack-years) ist gesichert (Vierkötter A et al. 2010; Puri P et al. 2017).

Aktinische Elastose: Bekannt ist, daß Tabakrauch auf Grund verschiedener Bestandteile (aromatische Kohlenwasserstoffe) phototoxisch wirkt. Dies erklärt auch das gehäufte Auftreten von aktinischer Elastose sowie dem M. Favre-Racouchaud bei Intensivraucher. Verantwortlich für diesen Effekt sind die Einflüsse von Tabakinhalaten z.T. in Kombination mit Sonneneinstrahlungen auf Epithel und Hautbindegewebe. Experimentell ließ sich durch einen Extrakt aus Zigarettenrauch die Zellteilung und das Wachstum von Fibroblasten hemmen.

Störungen der Durchblutung: Nikotin führt zu einer Vasokonstriktion. Weiterhin behindert das im Zigarettenrauch enthaltene Kohlenmonoxid den Sauerstofftransport und damit die Oxygenierung des Gewebes. Gleichzeitig kommt es zur Freisetzung von inflammatorischer Zytokine wie Interleukin-1, Interleukin-6, Interleukin-8 und TNF-alpha. Video-kapillaroskopisch sind Störungen der Mikrozirkulation durch Tabakbestandteile nachweisbar die offenbar irreversibel sind (Scardina GA et al. 2019).

Rauchen verursacht eine Verminderung der Hydratation des Stratum corneums. Zudem wird die Proliferationsrate der Basalzellen erniedrigt. Weiterhin beeinflusst Nikotin über die nikotinischen und muskarinischen Acetylcholin-Rezeptoren (ACh-R /nACh-R) die Keratinozyten-Proliferation, -Differenzierung und –Apoptose (Ortiz A et al. 2012). Da nACh-R auch in Schweißdrüsen und Talgdrüsen vorkommen, ist eine stimulierende Wirkung auf Schweiß und Talgsekretion wahrscheinlich.

Rauchen und Allergien: Kontaktallergien (Nickelallergien) finden sich häufiger bei Rauchern als bei Nichtrauchern.

Rauchen und Autoimmunerkrankungen: Bekannt ist eine leicht erhöhte Inzidenz (Faktor 2,0) für den systemischen Lupus erythematodes, der bei Rauchern durchaus auch schwerer verläuft als bei Nichtrauchern. Lange bekannt ist weiterhin, dass die Wirkung von Chloroquin bei Rauchern geringer ist als bei Nichtrauchern. Das ist bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen zu beachten.

Nikotin sowie Bestandteile des Zigarettenrauchs können folgende Effekte induzieren:

  • Steigerung der Konzentration an Kohlenmonoxid sowie zu einer verringerten Sauerstoffbindung du konsekutiv zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung im Blut
  • Stimulation des Sympathikus und vermehrte Katecholaminausschüttung führt zur Gefäßkonstriktion
  • Reaktive Sauerstoffspezies und freie Radikale führen zu oxidativem Stress
  • Hemmung von Fibroblasten und Myoblasen führen zu einem verzögerten Gewebeaufbau
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, heterozyklische aromatische Amine, -Cadmium, Benzol und Formaldehyd in Tabakinhalaten wirken onkogen und z.T. photosensibilisierend.
  • Induktion von MMPs und Inhibition von TIPMs führt zu Abbau von elastischen Fasern und Kollagen
  • Wundheilungsstörungen: Die gestörte Kollagenproduktion und Verminderung der Perfusion des Gewebes führen zu einer schlechteren Wundheilung (Balaji SM 2008; Frick WG et al. 1994). Raucher entwickelten postoperativ in 48,2% der Fälle Wundheilungssstörungen, Nichtraucher hingegen nur in 21,0% der Fälle. Bei einem Rauchstopp 6 Wochen vor einer Operation waren dies noch 30,8% der Patienten (Goertz O et al. 2012). Empfehlenswert ist ein Rauchstopp 6-8 Wochen vor einer geplanten Operation. Auch bei Lappenplastiken ist bei Rauchern mit einer höheren Komplikationsrate zu rechnen (Lappennekrosen, Dehiszenzen).

Hinweis(e)

Daten aus den USA verdeutlichen, dass jährlich 440.000 Amerikaner an Krankheiten sterben, die im Zusammenhang mit Zigarettenkonsum stehen.

Raucher sterben durchschnittlich 13 oder 14 Jahre früher als Nichtraucher. Die Behandlung der Krankheiten kostet in den USA pro Jahr 75 Mrd. Dollar.

Das Rauchen von Zigaretten kann die Entstehung von Karzinomen in Hals, Niere, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Blase, Magen begünstigen, sowie zu Aneurysmen der Bauchschlagader, zu granulozytärer Leukämie, Herzkrankheiten, Gefäßerkrankungen (Atherosklerose), grauem Star oder Einschränkungen der Lungenfunktion führen.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss des „Secondhand Smoke“ auf Raucher und auf Nichtraucher.

E-Zigaretten: Elektronische Zigaretten (E-Cigs) machen einen erheblichen und zunehmenden Anteil des Konsums von Tabakerzeugnissen aus. Sie stellen inzwischen ein Problem für die Mundgesundheit dar. Es zeigte sich, dass E-Cigs mit Aromastoffen erhöhten oxidativen / Carbonyl-Stress und eine entzündliche Zytokinfreisetzung in humanen parodontalen Bandfibroblasten und epigingivalem Epithel verursachen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Balaji SM (2008) Tobacco smoking and surgical healing of oral tissues: a review.Indian J Dent Res 19:344-348.
  2. Chaumont M et al. (2018) Differential Effects of E-Cigarette on Microvascular Endothelial Function, Arterial Stiffness and Oxidative Stress: A Randomized Crossover Trial. Sci Rep 8:10378.
  3. Frick WG et al. (1994) Smoking and wound healing: a review. Tex Dent J 111:21–23.
  4. Goertz O  et al. (2012) Wundheilungsstörungen bei Rauchern, Nichtrauchern und nach Rauchstopp. Chirurg. 83:652–656.
  5. Krug M et al. (2004) Tabakabhängigkeit und die Folgen auf die Haut. Hautarzt 55: 301-316
  6. Lai YC et al. (2016) Smoking and Hand Dermatitis in the United States Adult Population. Ann Dermatol 28:164-171.
  7. Ortiz A et al. (2012) Smoking and the skin. Int J Dermatol 51:250–262.
  8. Panconesi E (1954) Occupational dermatoses caused by tobacco. In tema di dermatosi professionali da tabacco. Rass Dermatol Sifilogr 7:85–100.
  9. Placzek M et al. (2004) Tabacco smoke is phototoxic. Br J Dermatol 150: 991-993
  10. Puri P et al. (2017) Effects of air pollution on the skin: A review. Indian J Dermatol Venereol Leprol 83:415-423.
  11. Scardina GA et al. (2019) Permanence of Modifications in Oral Microcirculation in Ex-Smokers. Med Sci Monit 25:866-871.
  12. Strzelak A et al. (2018) Tobacco Smoke Induces and Alters Immune Responses in the Lung Triggering Inflammation, Allergy, Asthma and Other Lung Diseases: A Mechanistic Review. Int J Environ Res Public Health 15:1033.
  13. Sundar IK et al. (2016)  E-cigarettes and flavorings induce inflammatory and pro-senescence responses in oral epithelial cells and periodontal fibroblasts. Oncotarget 7:77196-77204.
  14. Thomsen SF et al. (2010) Smoking and skin disease. Skin Therapy Lett 15:4-7. 
  15. Vierkötter A et al. (2010) J. Airborne particle exposure and extrinsic skin aging. J Invest Dermatol 130:2719-2726.
  16. Wollina U (2017) Smoking and the Skin. Skinmed 15:197–202.

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