Pyodermie vegetierende L08.0

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Chronisch vegetierende Pyodermie; Chronisch-vegetierende Pyodermie; Pyoderma vegetans; Pyodermia chronica papillaris et exulcerans; Pyodermie chronisch vegetierende; Pyodermites végétantes et verruqueuses; schankriforme Pyodermie; Vegetierende Pyodermie

Erstbeschreiber

Hallopeau, 1898; Nanta und Bazex, 1937 

Definition

Chronische, therapieresistente Pyodermie, die nach nach banalen Verletzungen auftreten kann. Häufig bei abwehrgeschwächten Patienten auftretend oder im Gefolge eines therapieresistenten Ulcus cruris auftretend. 

Erreger

Meist beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A oder Staphylococcus aureus. Seltener sind gramnegative Keime oder eine Mischflora der Auslöser (Molodoi AD et al. 2015). 

Ätiopathogenese

Defekte der humoralen oder zellulären Immunität, prädisponierende Lokalfaktoren, virulente Erreger, Infektion einer zugrunde liegenden Hautverletzung.

Lokalisation

Vor allem an den Extremitäten, insbes. an den Unterschenkeln, an den Fuß- und Handrücken, lokalisiert.

Klinisches Bild

Sich peripher ausdehnende, schwammige, lividrote Infiltrate mit zahlreichen Pusteln und Fisteln; zunächst siebartiger Aspekt. Später Ausbildung von unterschiedlich großen, schmierig belegten Ulzera mit bogenförmiger Berandung. Vereinzelt bilden sich auch überlagernde, verruköse Epithelproliferate mit  Entleerung eines serös-eitrigen Sekrets auf Druck.

Die Abheilung erfolgt bei adäqutem Wundmangement unter Ausbidung unregelmäßig konfigurierter Narben. Auch Brücken- und Zipfelnarben.

Externe Therapie

Konsequentes Wundmanagement (Bemerkung: ursächlich ist bei derartigen chronischen Pyodermien häufig ein ungenügendes Pflegemanagement anzuschuldigen).

Feuchte Umschläge mit desinfizierenden Lösungen wie Polihexanid (Serasept, Prontoderm, Prontosan), Chinolinol (z.B. Chinosol 1:1000 oder R042 ).

Salbenverbände mit desinfizierenden Zusätzen wie Polyvidon-Jod-Salbe (z.B. Betaisodona Salbe).

Bei tieferen Defekten stadiengerechte Wundbehandlung.

Interne Therapie

Antibiotika nach Antibiogramm.
  • Mittel der Wahl bei β-hämolysierenden Streptokokken ist Benzylpenicillin (Penicillin G) Dosierung 10 Mio. IE über 10 Tage. Alternativ Erythromycin (z.B. Erythrocin) 3mal/Tag 500 mg p.o., Doxycyclin (z.B. Doxy Wolff) 2mal/Tag 100 mg p.o.
  • Bei Staphylokokkeninfektionen Cephalosporine wie Cefuroxim (z.B. Elobact 2mal/Tag 250 mg p.o. oder Flucloxacillin (z.B. Staphylex Kps.) 3-4mal/Tag 0,5-1,0 g p.o.

Verlauf/Prognose

Keine Spontanrückbildung.

Hinweis(e)

Abzugrenzen ist die (primär bakteriell induzierte vegetierende Pyodermie) von dem ätiologisch ungeklärten Krankheitsbild des Pyoderma gangraenosum bei dem weitere Organmanifestationen (z.B. Paraproteinämien, Polycythaemie vera, Colitis ulcerosa u.a.)

Literatur
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  1. Bianchi L et al. (2001) Pyoderma vegetans and ulcerative colitis. Br J Dermatol 144: 1224-1227
  2. Hallopeau H (1898) Pyodermite vegetante, ihre Beziehungen zur Dermatitis Herpetiformis and dem Pemphigus vegetans. Arch Dermatol Syph (Wien) 43: 289-306
  3. Hornstein OP et al. (1984) Pluriorifizielle vegetierende Pyodermie bei T-Zelldefekt. Hautarzt 35: 132–137
  4. Molodoi AD et al.(2015) Pyoderma vegetans developed on chronic leg ulcer.
    Rev Med Chir Soc Med Nat Iasi 119:107-111.
  5. Rieder JM et al. (2004) Pyoderma vegetans of the penis. J Urol 171: 354

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