Psoriasis vulgaris chronisch-stationärer Plaque-Typ L40.0

Zuletzt aktualisiert am: 30.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

chronic plaque psoriasis; chronische Plaquepsoriasis; chronische Plaque-Psoriasis; chronisch-stabile Plaquepsoriasis; chronisch-stationäre Psoriasis; chronisch-stationäre Psoriasis vulgaris; Psoriasis chronisch-stationäre; Psoriasis vom Plaque-Typ; stationäre Psoriasis

Definition

Häufigste, stabile, ortstreue Verlaufsform der Plaque-Typ Psoriasis, die an den Prädilektionsstellen der Psoriasis auftritt. Eine invers z.B. an Handflächen und Fußsohlen auftretende Psoriasis wird nicht als "Psoriasis vulgaris" bezeichnet sondern als Psoriasis palmaris et plantaris oder auch plamoplantare Psoriasis.  

Ätiopathogenese

S.u. Psoriasis

Manifestation

S.u. Psoriasis

Lokalisation

Befallsmuster (MAPP-Studie - 3.426 Pat.): Ellenbogen (46%), Capillitium (45%), Knie (31%), Rumpf (24%), Gesicht (15%), Handflächen (12%), Fußsohlen (11%), Nägel (11%), Genitalbereich (7%).

Gelenksymptome bei Psoriasispatienten mit primärem Hautbefall: Knie (45%), Finger (19%), Hüfte (16%), Wirbelsäule (14%), Sprunggelenke (11%),  Handgelenke (8%)  

Klinisches Bild

Wenige bis zahlreiche, lokalisierte oder disseminierte, meist symmetrisch verteilte, bei geringer oder fehlender Vorbehandlung weißlich schuppende, unterschiedlich stark elevierte (infiltrierte), scharf begrenzte Plaques mit unterschiedlicher Größe (0,5cm bis 10,0cm und >) und Konfiguration (rundlich oder oval, landkartenartig). Auspitz-Phänomen ist in den Herden auslösbar.

Bei lokaler Vorbehandlung ändert sich das klinische Bild wesentlich. Herde erscheinen als schuppenlose oder leicht schuppende, rote, scharf begrenzte, unterschiedlich erhabene Plaques oder als rote Flecken (Patches) mit glatter Oberfläche.    

Es besteht meist ein geringer endogener Eruptionsdruck. 

Schubweiser Verlauf mit unterschiedlichen Schubfrequenzen ist charakteristisch.

Meist ist das Köbner-Phänomen bei der chronisch starionären Form der Plaque-Psoriasis nicht auslösbar

Diagnose

  • Defin: Häufigster Psoriasis-Typ. Eminent chronische, stabile und ortstreue Psoriasis, die an den klassischen Prädilektionsstellen auftritt. Die Begriffe Psoriasis vulgaris und "Plaque-Typ" werden synonym verwendet.
  • Ätiol: Multifaktorielle Vererbung mit unvollständiger Penetranz. Nachweisbar sind  Mutationen bzw. Polymorphismen bei einer Vielzahl von Genen ( PSORS1 - PSORS8).
  • Klin: scharf begrenzte, streckseitig lokalisierte, meist symmetrische, unterschiedlich stark konsistenzvermehrte (Tastbefund lederartig fest), weißlich schuppende, ortstreue, rote Plaques 
  • Leitsymp.: schuppende Plaques (Schuppung je nach Vorbehandlung unterschiedlich stark ausgeprägt)
  • Epidem: Prävalenz der Psoriasis in Deutschland: 1-2% (-3%) der Bevölkerung.
  • Keine Geschlechtspräferenz.
  • Lokal (in der Reihenfolge der Häufigkeiten): Ellenbogen, Capillitium, Knie, Rumpf, Gesicht, Handflächen, Fußsohlen, Nägel, Genitalbereich. Gelenksymptome bei Psoriasispatienten mit primärem Hautbefall: Knie, Finger, Hüfte, Wirbelsäule
  • Verlauf: chronisch stationär
  • Assoz. Sympt.: selten Juckreiz
  • Komplik.: s.u. Psoriasis (Übersicht)  
  • Hinweise: Alkohol und Rauchen sind Triggerfaktoren für eine Psoriasis. 
  • Histol: Hyper- und kräftige Parahyperkeratose, Akanthose und Papillomatose, subkorneal oder auch intrakorneal Munro-Mikroabszesse
  • Labor: ohne Relevanz
  • DD: Tinea corporis, mikrobielles Ekzem, seborrhoisches Ekzem
  • Progn: jahrelanger Verlauf ist zu erwarten. Spontanheilungen möglich
  • Therapie:
    • lokal: Diathranol, Vit D3-Analoga, Glukokortikoide, UVB, PUVA
    • systemisch: MTX, Fumarate,TNF-alpha-Blocker 

Komplikation

  • Koronare Herzkrankheiten: Neuere Erkenntnisse weisen daraufhin, dass Psoriasis ein unabhängiger Risikofaktor für koronare Herzkrankheit ist. Nur 40% der Psoriatiker sind frei von Kalzifikationen der Koronarien im Vergleich zu 72% der Kontrollgruppe mit Nicht-Psoriatikern. Zudem ist unter Psoriatikern der Anteil von schweren Kalzifikationen und Stenosen sowie an Myokardinfarkten wesentlich höher als bei Nicht-Psoriatikern. Ein analoges Risikospektrum, das sich unter Therapie mit TNF-alpha-Blockern reduziert, findet sich auch bei Pat. mit rheumatoider Arthritis.
  • Adipositas: Signifikant erhöht ist ein erhöhter BMI sowie ein erhöhter Bauch- und Hüftumfang bei Psoriatikern.
  • Psoriasispatienten erfüllen mit einer höheren  Wahrscheinlichkeit die Kriterien für ein metabolisches Syndrom (MetS) als die  Durchschnittsbevölkerung; weiterhin eine erhöhte Insulinresistenz.
  • Psoriatiker haben ein erhöhtes Risiko für Hypertonie. Der Einsatz von Betablockern scheint das Risiko weiter zu erhöhen.  
  • Patienten mit Psoriasis entwickeln häufiger eine Enteritis regionalis (M. Crohn).
  • Alkohol und Rauchen sind Triggerfaktoren für eine Psoriasis.

Therapie

Verlauf/Prognose

Chronischer Verlauf, keine spontane Rückbildungstendenz. Therapeutisch läßt sich diese Form der Psoriasis vulgaris mit gutem Erfolg lokaltherapeutisch behandeln (s.u. Psoriasis vulgaris).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Evensen K et al. Increased subclinical atherosclerosis in patients with chronic plaque psoriasis. Atherosclerosis 237:499-503
  2. Gisondi P. Hyperuricemia in patients with chronic plaque psoriasis. Drug Dev Res 75 Suppl 1:70-72
  3. Mrowietz U et al. (2014) Pruritus and quality of life in moderate-to-severe plaque psoriasis: post hoc explorative analysis from the PRISTINE study. J Eur Acad Dermatol Venereol doi: 10.1111/jdv.12761

 

Verweisende Artikel (1)

B-Clear;

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 30.01.2018