Psoriasis capitis L40.8

Zuletzt aktualisiert am: 15.04.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Kopfhautpsoriasis; Kopfpsoriasis; Psoriasis capillitii; Psoriasis der Kopfhaut; scalp psoriasis

Definition

Sehr häufig vorkommende (möglicherweise die häufigste Manifestation der Psoriasis- gute epidemiologische Daten fehlen!), lokalisierte oder in Kombination mit anderen Körperherden auftretende Form der Psoriasis am Kopf, die sich bis zu 80% an der behaarten Kopfhaut manifestiert (Psoriasis capillitii). 

Ätiopathogenese

Pathogenetisch bestehen keine klaren Vorstellungen zur Psoriasis capitis. Histologisch lassen sich die klassischen Phänomene der Psoriasis nachweisen, wobei der Haarapparat offensichtlich nicht beteiligt ist. Möglicherweise wirken sich eine hohe Haardichte sowie Pruritus und Kratzeffekte als mechanisch irritierende Faktoren aus. Hinzu könnte eine besondere Keimbesiedlung (z.B. Malazessia furfur) als aktivierender Faktor hinzukommen (Sticherling M 2017).    

Indikation zu Naturheilverfahren

Rezeptur für eine 5%-ige Steinkohlenteer-Lösung, die als Ersatz für ein handelsübliches Teershampoo genutzt werden kann.    

  • Rp.
  • Steinkohlenteerspiritus                         5,0 g
  • Natriumlaurylethersulfat-27%              60,0 g
  • Natriumchlorid                                       6,0 g
  • Gereinigtes Wasser ad                      100,0 g

Rezeptur für eine 5%-ige Steinkohlenteer-Lösung zur Behandlung der Psoriasis capillitii.  

Alternativ können Präparate mit sulfoniertem Öl aus schwefelreichem Schiefer verwendet werden. Als Fertigpräparate steht das Medizinal Shampoo® von Dermasence oder Bionatar® von Faroderm zur Verfügung.

Lokalisation

Behaarter Kopf, insbes. im Bereich der Schläfenbeine. Charakteristisch und diagnostisch wichtig (Abgrenzung zum seborrhoischen Kopfhautekezem) ist das Überschreiten Stirnhaargrenze durch die psoriatischen Läsionen. Dies betrifft auch die seitlichen Haargrenzen.  

Klinisches Bild

Ganz überwiegend die behaarten Anteile der Kopfhaut betreffende, (meist) scharf begrenzte, stark schuppende, häufig auch juckende, detulich verfestigte Plaques. Als Maximalvariante stellt sich die Pityriasis amiantacea dar, die sich durch keratotische Einscheidungen der Haarschäfte (fast immer mit begleitendem Haarausfall) auszeichnet.   

Farbe: Je nach Vorbehandlung kräftig rot oder mit einem mehr oder weniger deutlichen, weißen, festhaftenden, trockenen oder fettigen Schuppenbelag versehen.

Nicht selten sind wenig spektakuläre, wenig indurierte nur kleinlamellös (seborrhoid) schuppende Plaques, die außer störenden Abschuppungen und gfls. leichtem Juckreiz keine sonstigen Beschwerden verursachen.

An der Stirnhaargrenze und den seitlichen Haargrenzen greifen die psoriatischen Veränderungen häufig auf die unbehaarte Haut über (pathognomisches Zeichen der Psoriasis der behaarten Kopfhaut - Abgrenzung zum seborrhoischen Ekzem der Kopfhaut).

Haarausfall ist kein typisches Begleitphänomen der Psoriasis capitis. Jedoch kann es bei schwerem und großflächigem psoriatischen Kopfhautbefall es zu einem relevanten Haarausfall bis hin zu alopezischen Arealen (s.u. Alopezie, vernarbende) kommen. Die Ursache hierfür ist nicht geklärt. 

Wenig beachtet sind pustulöse Psoriasisformen des Capillitii. Sie werden z.T. unter dem Krankheitsbild der Folliculitis decalvans subsummiert. 

Differentialdiagnose

Komplikation

Bei starker (asbestartiger), ausgeprägter Schuppenbildung kann es zum Abbrechen der Haare oder auch zum irreversiblen Haarausfall kommen.

Externe Therapie

Bestrahlungstherapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Häufig jahrelanger, meist rezidivierender Verlauf.

Hinweis(e)

Die Psoriasis capitis wird zusammen mit der ingtertriginösen Psoriasis und der Nagelpsoriasis in dei Gruppe "difficult to treat" eingeordnet. Es tritt häufig das Dilemma zwischen der "psychosozialen Einschränkung" (57% der Fälle) durch die Sichtbarkeit der Hautveränderungen und dem begleitenden Juckreiz (26% der Fälle) und den therapeutischen Möglichkeiten auf (Sticherling M . 2016) 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bagel J et al. (2017) The effect of secukinumab on moderate-to-severe scalp psoriasis: Results of a
    24-week, randomized, double-blind, placebo-controlled phase 3b study. J Am Acad Dermatol 77:667-674. 

  2. Eichenfield LF et al. (2014) Safety and efficacy of calcipotriene plus betamethasone dipropionate topical suspension in the treatment of extensive scalp psoriasis in adolescents ages 12 to 17 years. Pediatr Dermatol 32:28-35

  3. Elewski BE (2005) Clinical diagnosis of common scalp disorders. J Investig Dermatol Symp Proc 10: 190-193
  4. Hengge UR (2014) Topical, Non-Medicated LOYON(®) in Facilitating the Removal of Scaling in Infants and Children with Cradle Cap: a Proof-of-Concept Pilot Study. Dermatol Ther (Heidelb) 4:221-232

  5. Radtke MA et al. (2010) Calcipotriol plus Betamethasondipropionat-Gel in der Behandlung der Kopfhautpsoriasis. Hautarzt 61: 770-775
  6. Wilsmann-Theis D et al. (2014) Psoriasis and eczema on the scalp. Hautarzt 65:1043-11049

  7. Kim TW et al. (2014) Clinical characteristics of pruritus in patients with scalp psoriasis and their relation with intraepidermal nerve fiber density. Ann Dermatol 26:727-732

  8. Sticherling M (2017) Psoriasis capitis und seborrhoisches Ekzem der Kopfhaut. Hautarzt 68: 457-468

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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