Psoriasis arthropathica L40.50

Zuletzt aktualisiert am: 27.10.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Psoriasisarthritis; Psoriasis-Arthritis; psoriatic arthritis (e); psoriatische Arthritis

Definition

Von der Psoriasis geprägte Form des chronischen Rheumafaktor-negativen polyarthritischen Syndroms mit Befall der DIP und PIP an Händen und Füßen. Die Psoriasisarthritis verläuft in 25% als destruierende Arthritis und verursacht bleibende Behinderung. Die Arthritis kann den Hauterscheinungen um Jahre vorausgehen und umgekehrt (s.a. Arthritis psoriatische)

Vorkommen/Epidemiologie

  • Psoriasis in der Bevölkerung: 1-3%
  • Arthritis psoriatica bei Patienten mit Psoriasis: 5-15%
  • Arthritis psoriatica in der gesamten Bevölkerung: 0,1-0,2%
  • Männer und Frauen erkranken gleichhäufig.

Ätiopathogenese

Assoziationen mit den HLA-Genen CW6, B13, B17, B27, DR7 sind bekannt. Die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken ist für erstgradige Verwandte um das 50-fache gesteigert. Möglicherwiese sind auch Bakterien (Streptokokken) bei der Entstehung verantwortlich.

Manifestation

Bei Patienten mit Psoriasis vulgaris bzw. Psoriasis pustulosa generalisata auftretend.

Lokalisation

Häufig Befall des Kniegelenks, danach Finger-, Sprung- und Zehengelenke; sog. "Transversalbefall": Einbeziehung der Fingerendgelenke sowie auch der Zehengelenke oder "Befall im Strahl": Grund-, Mittel- und Endgelenke betroffen (sog. Daktylitis) mit Schwellungen eines Fingers bzw. einer Zehe.

Klinisches Bild

5 Verläufe der Erkrankung sind bekannt:
  • Bevorzugte Beteiligung der Fingerendgelenke und Nagelveränderungen
  • Schwerer deformierender Verlauf mit Verknöcherungen/Gelenksteife und zur Verstümmelung führende Gelenkveränderungen.
  • Symmetrischer Befall mehrerer Gelenke (vergleichbar der rheumatoiden Arthritis ohne Rheumafaktoren)
  • Befall eines oder weniger Gelenke im Zuge einer Psoriasis (s.u. Psoriasis vulgaris).
  • Psoriasis-Arthritis mit Wirbelsäulenmanifestation.

Labor

Harnsäure (starke Erhöhung der Harnsäure soll mit einem schweren Krankheitsverlauf korrelieren). Negative Rheumafaktoren. 10-15% der Patienten mit Psoriasisarthritis zeigen Antikörper gegen zyklische zitrullinierte Peptide ( CCP-AK). Bei Wirbelsäulenentzündung meist pos. HLA-B27.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Naturheilkunde

Ordnungstherapie:

Laktovegetabile Kost: Naturheilkundlich wird die Einhaltung einer laktovegetabilen Kost mit Meiden von tierischem Fleisch und Eiern (max. 2 Portionen / Woche) empfohlen. Zusätzlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren, hier z.B. in Kapselform (z.B. Epamax®).

Übermäßige Gelenkbelastungen sollten im Stadium der akuten Entzündung vermieden werden.

Phytotherapie:

Harpagophyti radix: Die Psoriasisarthritis kann unterstützend mit der afrikanischen Teufelskrallenwurzel (Harpagophyti radix), im Handel als z.B. Rivoltan®, Doloteffin®, behandelt werden. Harpagophyti radix wirkt entzündungshemmend und schwach schmerzstillend. Eine positive Bewertung der Kommission E/ESCOP mit gesicherter Wirkung  bei degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, unterstützend bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit, liegt vor. Nebenwirkung: Appetit- und Verdauungsanregend

Aternativ: Salicis cortex, die Weidenrinde, kann ebenfalls unterstützend eingesetzt werden. Die Weidenrinde wurde bereits 1991 in das Deutsche Arzneibuch (DAB 10) aufgenommen, im Jahre 1997 durch die Monographie der Kommission E und ESCOP bestätigt. Die Tagesdosis wurde auf 240 mg heraufgesetzt (ESCOP-Monographie, 1997).

Ergänzend: Weihrauchharz, Boswella serrata H15 (s.u. Weihrauch), hat entzündungshemmende Wirkungen durch die Hemmung des Enzyms 5-Lipoxygenase, welches die Leukotriensynthese induziert. Die Wirkung entfaltet sich bei Erkrankungen mit erhöhten Leukotrienenwerten wie Asthma bronchiale, Rhinitis allergica, rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Psoriasis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Multiple Sklerose.

Empfohlen wird eine Dosierung von 2 x 450 mg.

Die Therapie mit Weihrauch kann mit der Therapie von Biologika mit ungenügender Wirkung auf die Arthritis kombiniert werden. 

Cave: Latexallergie

 

Tabellen

Formen der Psoriasisarthritis (nach Moll und Wright)

Klinische Formen

Häufigkeit der Manifestation (%)

DIP und PIP-Befall wie Heberden- und Bouchard-Polyarthrose

6

Deformierende mutilierende Polyarthritis

5

Symmetrische Polyarthritis

25

Asymmetrische Oligoarthritis

Arthritis mit Achsenskelettbefall wie Sakroiliitis, Spondylitis, HLA-B27

20


Stufentherapie bei Psoriasis arthropathica

Stufe

Therapeutische Maßnahmen

I

Physiotherapeutische Maßnahmen

Nichtsteroidale Antiphlogistika

Glukokortikoid-Injektionen intraartikulär

II

Wie Stufe I, zudem Basistherapeutika wie Sulfasalazin oder Gold

Alternativ: Fumarsäure

Intermittierender systemischer Glukokortikoid-Stoß

III

Wie Stufe I, zudem Methotrexat

IV

Ciclosporin als Ultima ratio

Diät/Lebensgewohnheiten

Weglassen von tierischem Eiweiß im Sinne einer lactovegetabilen Kost. Fleisch, Fisch oder Eier sollten maximal 2mal/Woche gegessen werden. Ungesättigte Fettsäuren scheinen bei milderen Verlaufsformen Gelenkschmerzen, Juckreiz, Rötung und Schuppung zu lindern.

Hinweis(e)

Tumornekrosefaktor-α Inhibitoren ( Infliximab, Etanercept) werden zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis eingesetzt. Beschrieben wurde das Auftreten von psoriasiformen oder ekzemartigen Hautveränderungen unklarer Genese unter der Therapie mit diesen Inhibitoren. Dieses wurde in einer Studie mit 8 Probanden untersucht. Die Autoren postulieren, dass die psoriasiformen Hautveränderungen eher als Arzneimittelreaktionen zu interpretieren sind und nicht durch die Psoriasis kausal induziert werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  2. Davison SC et al. (2002) Etanercept for severe psoriasis and psoriatic arthritis: observations on combination therapy. Br J Dermatol 147: 831-832
  3. Davidson A, Diamond B (2001) Autoimmune diseases. N Engl J Med 345: 340-350
  4. Galadari H et al. (2003) Newly available treatments for psoriatic arthritis and their impact on skin psoriasis. Int J Dermatol 42: 231-237
  5. Mease P (2002) Psoriatic arthritis: the role of TNF inhibition and the effect of its inhibition with etanercept. Clin Exp Rheumatol 20: S116-121
  6. Mease P (2006) Current treatment for psoriatic arthritis and other spondyloarthritides. Rheum Dis Clin North Am 32: 11-20
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  8. Schopf RE et al. (2002) Treatment of psoriasis with the chimeric monoclonal antibody against tumor necrosis factor alpha, infliximab. J Am Acad Dermatol 46: 886-891
  9. Seneschal J et al. (2007) Psoriasiform drug eruptions under anti-TNF treatment of arthritis are not true psoriasis. Acta Derm Venereol 87: 77-80
  10. Zachariae H (2003) Prevalence of joint disease in patients with psoriasis: implications for therapy. Am J Clin Dermatol 4: 441-447

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