Protoporphyria erythropoetica E80.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

EPP; erythrohepatische Protoporphyrie; erythropoetic protoporphria; Erythropoetische Protoporphyrie; Lichtdermatose protoporphyrinämische; Protoporphyrie erythrohepatische; Protoporphyrie erythropoetische; protoporphyrinämische Lichtdermatose

Erstbeschreiber

Kosenow u. Treibs, 1953; Magnus et al., 1961

Definition

Häufigste im Kindesalter auftretende Porphyrieform ( OMIM 177000) mit phototoxischen Hautreaktionen durch erhöhtes Protoporphyrin in Erythrozyten und pathologisch erhöhtem Plasmaprotoporphyrin im Serum. Die Auslösung der klinischen Symptomatik erfolgt durch kurzwelliges sichtbares und langwelliges UVA-Licht (Fensterglas bietet keinen Schutz).

Vorkommen/Epidemiologie

Panethnisch;  Inzidenz 1:75.000 bis 1-200.000

Ätiopathogenese

Autosomal-dominant oder autosomal-rezessiv vererbte Defekte der Ferrochelatase (FECH-Gen; Genlokus: 18q21.3), die zu einer Aktivitätsreduktion auf 10-25% des Normalwertes führen. Hierdurch wird der Einbau von Eisen in das Hämmolekül gestört.

Manifestation

Erstdiagnose bereits im Säuglingsalter oder in der Kindheit vor dem 10. LJ (etwa um das 2. LJ). Auftreten saisonal gehäuft, bevorzugt in der sonnenreichen Jahreszeit.

Lokalisation

V.a. lichtexponierte Hautareale (Gesicht, hier v.a.Nase, Handrücken) sind befallen.  

Klinisches Bild

  • Dermatitistyp: Akut nach Sonnenbestrahlung Brennen und Jucken. Ausbildung einer heftigen Dermatitis solaris mit großflächigem scharf begrenztem Erythem und Ödem der Haut. Evtl. Bläschen- und Krustenausbildung, die mit kleinen, varioliformen Narben abheilen. Periorale Pseudorhagaden, lichenifizierte Haut. Onycholyse der Fingernägel (Photoonycholyse) möglich.
  • Pruritustyp: Kurz nach Sonnenbestrahlung Jucken und Brennen.
  • Urtikariatyp: Gerötete, fleckig elevierte, juckende oder brennende Erytheme und Urtikae.
  • Quincke-Ödem-Typ: Teigige subkutane Schwellungen.
  • Hidroa vacciniformia-Typ: Papulonekrotische, unter Ausbildung varioliformer Narben abheilende Hautveränderungen, vor allem am Nasenrücken, Ohrläppchen und Handrücken. Weitere Symptome: Temporale und zygomatische Hypertrichose, Pseudorhagaden der Lippen.
  • Gallensteinbildung aus Protoporphyrin

S.a.u. Lipoidproteinose bei Lichtempfindlichkeit.

Labor

Protoporphyrine in Blut und Stuhl erhöht; keine Ausscheidung im Urin, da Protoporphyrine hydrophob sind und über die Gallenflüssigkeit ausgeschieden werden. Transaminasen im Spätstadium erhöht.

Histologie

Bei Blasenbildung: Subepidermale Blasen. Im Stratum papillare und reticulare Nachweis von Ablagerungen homogener eosinophiler, PAS-reaktiver amorpher Massen um die Kapillaren und Venolen des oberflächlichen Gefäßplexus. Schweißdrüsen frei von Ablagerungen. Häufig findet sich (begleitend) eine (eher diskrete) superfizielle und tiefe Dermatitis mit Lymphozyten, neutrophilen Granulozyten und vereinzelt auch Eosinophilen.

Direkte Immunfluoreszenz

Vor allem in kleinen Gefäßen und lichtexponierten Arealen befinden sich (regelmäßíg) verschiedene Immunglobulinablagerungen.

Komplikation

Nachweis von Protoporphyrinkristallen im Lebergewebe.

In 10% d.F. cholestatische Leberzirrhose, in 5% d.F. fulminantes Leberversagen (S. hierzu a. Protoporphyrie, X-chromosomal dominante)

Therapie

  • Kausale Therapien sind nicht bekannt.
  • Geringe Erfolge sind mit antioxidativen Therapeutika wie Betacarotin (z.B. Carotaben 50-200 mg/Tag) oder Ascorbinsäure zu erzielen.
  • Wichtig sind prophylaktische Maßnahmen: Konsequenter textiler und chemisch/physikalischer Lichtschutz (s.a. Lichtschutzmittel), abdeckende Make-ups mit breiter Filterwirkung im UVA- und UVB-Bereich (z.B. Anthelios, hydrophobe oder hydrophile getönte Abdeckpaste  R025 ).
  •  Light-hardening mit Beginn vor der sonnenreichen Zeit kann versucht werden.
  • Gute Effekte konnten in einer größeren Studie (Harms et al.) mit EPP-Patienten durch das alpha-Melanozyten-stimulierende Neuropeptidanalog Afamelanotide (s.u. Melanotan)  nachgewiesen werden (Toleranz der Patienten gegenüber dem normalen Sonnenlicht wurde deutlich gesteigert. Weiterhin: signifikante Zunahme der Schmerztoleranz, vermehrte Pigmentierung). Die Anwendung erfolgt mittels eines Implantates (16mg Afamelanotide s.c. Implantation) das 3 x pro Jahr appliziert wird.  

Verlauf/Prognose

Günstig, evtl. Verringern der Symptome im Erwachsenenalter. Cholelithiasis oder Cholezystitis sind möglich. Leberbeteiligung; evtl. Zirrhose.

Hinweis(e)

Bei etwa 7% der Patienten mit der klinischen und biochemischen Verdachtsdiagnose der EPP konnte keine Defizienz der FECH und keine Mutation des FECH-Gens nachgewiesen werden (Whately 2008). Hieraus definiert sich eine X-chromosomal dominante Porphyrieform (OMIM 300752).

Bei Op-Indikationen muß darauf hingewiesen werden, dass überlange Belichtungen interner Organe schwere Verbrennungen nach sich ziehen können (Spektralbereich 380-520 nm)!     

Literatur
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  1. Bohm F et al. (2001) Antioxidant inhibition of porphyrin-induced cellular phototxicity.J Photochem Photobiol 64: 177-178
  2. Frank J et al. (2011) Hereditäre Stoffwechselerkrankungen mit kutaner Manifestation. Hautarzt 62: 98-106
  3. Harms J et al. (2009) An alpha-melanocyte-stimulating hormone analogue in erythropoetic protoporphria. N Engl J Med 360: 306-307
  4. Kosenow W, Treibs A (1953) Lichtüberempfindlichkeit und Porphyrinämie. Z Kinderkrankr 73: 82-92
  5. Langendonk JG et al. (2015) Afamelanotide for Erythropoietic Protoporphyria. N Engl J Med 373:48-59
  6. Lehmann P et al. (1991) Erythropoetische Prothoporphyrie: Synopsis von 20 Patienten. Hautarzt 42: 570-574
  7. Magnus IA, Jarrett A, Prankerd TAJ, Rimington C (1961) Erythropoietic protoporphyria: a new porphyria syndrome with solar urticaria due to protoporphyrinaemia. Lancet 2: 448-451
  8. Murphy GM (2003) Diagnosis and management of the erythropoietic porphyrias. Dermatol Ther 16: 57-64
  9. Rosen CF (2003) Topical and systemic photoprotection. Dermatol Ther 16: 8-15
  10. Timonen K et al. (2000) Vascular changes in erythropoietic protoporphyria: histopathologic and immunohistochemical study. J Am Acad Dermatol 43: 489-497
  11. Urbanski U et al. (2016) Erythropoietic protoporphyria : Clinical manifestations, diagnosis and new therapeutic possibilities. Hautarzt 67: 211-215
  12. Whatley S et al. (2008) C-terminal deletions in the ALAS2-gene leaqd to gain of function and cause X-linked dominant protoporphyria without anemia or iron overload. Am J Hum Genet 83: 408-414

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