Primär kutanes diffus-großzelliges B-Zell-Lymphom leg type C83.3

Zuletzt aktualisiert am: 05.04.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Diffuse large B-cell lymphoma; Diffuse large B-cell-lymphoma leg type; Diffuses großzelliges CBCL vom Typ der unteren Extremität; Großzelliges B-Zell-Lymphom des Beines; Kutanes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom Bein-Typ; Leg type diffuse large B-cell-lymphome; PCLBCL; PCLBCL,LT; Primär kutanes großzelliges B-Zell-Lymphom des Beines; Primary cutaneous diffuse large B-cell-lymphoma; Primary Cutaneous large B-cell lymphoma of the leg

Definition

Primär kutanes B-Zell-Lymphom mit rasch progredientem klinischen Verlauf, hoher Rezidivrate und häufiger extrakutaner Disseminierung, das dem großzelligen Keimzentrumslymphom und den kutanen immunoblastischen Lymphomen zugeordnet werden kann, jedoch offenbar als eigene Entität mit eigener Prognose und klinischem Verlauf angesprochen werden muss.

Ätiopathogenese

Unbekannt. Zusammenhänge mit EBV-Infektionen wurden beschrieben. Insbesondere die Konstellation von chronischer EBV-Infektion und MTX-Therapie scheint mit der Entstehung dieser Lymphomart assoziiert zu sein. Bekannt sind Zusammenhänge zwischen einer längerdauernden MTX-Therapie und assoziierten B-Zell-Lymphomen.

Auf molekularer Ebene wurden zahlreiche Aberrationen identifiziert die die Zellhyperproliferation und Zelltodresistenz erklären. Diese sind v.a. in der p21-Region von Chromosom 9 lokalisiert. Hierzu zählen Deletionen CDKN2A-Gens (cyclic-dependent kinase inhibitor 2A) die zu einer erhöhten Zellprolferation führt. auch die beim Burkitt-Lymphom nachweisbare Translokalisation t(q24/q32) ist bei diesem  Lymphomtyp nachweisbar. Weiterhin sind Punktmutationen im MYD88 Gen nachweisbar die eine Zelltodresistenz der malignen Zellpopulation erklären könnte. 

Manifestation

Bei älteren Menschen (> 70 Jahre) auftretend. Frauen sind 3-4 mal häufiger als Männer betroffen. Assoziationen zur rheumatoiden Polyarthritis und zu chronischen Lymphödemen sind beschrieben.

Lokalisation

Bevorzugt an der unteren Extremität auftretend: > 70% (Unterschenkel).

Klinisches Bild

Ein oder mehrere, rote, bräunlich-rote oder blau-rote, feste Knoten oder Plaques mit Tendenz zur Ulzeration. Unter Umständen imponiert diese Lymphomvariante klinisch als "Ulkus des Unterschenkels" und wird dann in seiner Dignität leicht verkannt. Das Lymphom kann auch bei 10-15% der Patienten an anderen Manifestationsorten auftreten. 

Bildgebung

Songraphie der Lymphknoten, CT: Hals, Thorax, Abdomen/Becken. 

Histologie

Dichte, knotige oder diffuse Infiltrate im Bereich der gesamten Dermis und der oberen Subkutis. Die Epidermis bleibt ganz überwiegend frei von Infiltraten. Das histopathologische Muster zeigt überwiegend große Zellen mit den Charakteristika von Immunoblasten, Zentrozyten und Zentroblasten mit hoher Proliferationsaktivität.

Immunhistologie: Die Tumorzellen zeigen Positivität für Pan B-Marker (CD19, CD20, CD79a) und exprimieren in den meisten Fällen BCL2 und MUM-1 (in 60% der Fälle). In Einzelfällen kann auch CD30-Reaktivität vorhanden sein. Monoklonales Rearrangement des IgH-Gens ist meist nachweisbar.

Die Negativität für das Epstein-Barr-Virus ist hilfreich zur Abgrenzung zum EBV-assoziierten großzelligen B-Lymphom. 

Differentialdiagnose

Lymphome anderer Ätiologie, Ulcus cruris versch.Genese: Ulcus cruris venosum oder Ulcus cruris arteriosum. Ulzerierte epitheliale Tumoren. 

Therapie

Für diesen Lymphomtypus existiert keine Leitliniensystematik sondern lediglich kleinere Fallserien mit unterschiedlichen Therapieansätzen. Wichtig für alle Therapieüberlegungen ist die im Verhältnis zu den biologisch indolenten primär kutanen B-Zell-Lymphomen schlechte Prognose.

  • Bei solitären Geschwülsten empfiehlt sich die primäre Exzision und anschließende Bestrahlungstherapie .
  • Bei multiplen Tumoren ist eine Polychemotherapie empfehlenswert. Neueren Studien zufolge ist die höchste Remissionsrate unter Polychemotherapie mit Antrazyklinen in Kombination mit dem monoklonalen anti-CD20 AK ( Rituximab) zu erzielen z.B. R-CHOP.
  • Bei lokalen Rezidiven ist neben der Exzision eine Strahlentherapie zu erwägen.
  • Experimentell: Wie bei anderen aggressiven B-Zell-Lymphomen (ebenso wie bei agressivenT-Zell-Lymphomen) ist die autologe Stammzelltransplantation eine mögliche Heilungsoption.
  • Experimentell: Rituximab als Monotherapie.

Verlauf/Prognose

Intermediäre Malignität. Trotz früh einsetzender Therapie Rezidive in 50% der Fälle. 3-Jahresüberlebensrate ca. 53%, 5-Jahresüberlebensrate ca. 41%. Die Prognose ist bei solitären Läsionen mit Zentrozyten-Dominanz günstiger (5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 100%). Sie ist schlechter bei Patienten > 70 Jahre, mit multiplen Läsionen (> 5) an beiden Beinen sowie Auftreten von Zentroblasten und Immunoblasten (5 Jahresüberlebensrate bei 36%).

Literatur
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