Porphyria cutanea tarda E80.1

Synonym(e)

aktinisch-traumatisch-bullöse Porphyrindermatose; chronische hepatische Porphyrie; chronisches Porphyriesyndrom; Epidermolysis bullosa traumatica bei Porphyrie; Melanodermie-Porphyrie; Porphyria bullosa congenita tarda; Porphyria bullosa et erosiva; Porphyria cutanea tarda symptomatische; Porphyria cutanea tarda toxische; Porphyria hepatica chronica; Porphyrie chronische hepatische; Porphyriesyndrom chronisches; Porphyrindermatose aktinisch-traumatisch-bullöse

Erstbeschreiber

Günther, 1922; Waldenström, 1937

Definition

Photodermatose mit massiver aktinischer Elastose (Faltenbildung), erhöhter Vulnerabilität, Hyperpigmentierungen, Blasenbildungen und Vernarbungen im Bereich der chronisch belichteten Hautareale. Häufigste Porphyrieerkrankung (hepatische Porphyrie) mit verminderter Aktivität der Uroporphyrinogen-1-Decarboxylase.

Einteilung

  • Typ I Sporadische oder erworbene Porphyria cutanea tarda (erworbener Uroporphyrinogen-1-Decarboxylase-Mangel, z.B. Porphyria turcica (Hexachlorobenzol), digoxin- oder östrogeninduzierte Formen (s.a. Pseudoporphyrie).
  • Typ II Familiäre Form  
    • Familiäre, autosomal-dominante  Porphyria cutanea tarda (heterozygot; Mutation im URO-D-Gen).
    • Sonderformen:
      • Sporadische oder erworbene Porphyria cutanea tarda mit  familiärer Häufung.
      • Porphyria hepatoerythropoetica (schwere mutilierende Porphyrie mit Erstmanifestation in der Kindheit; autosomal-rezessiv, homozygot).

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz: 1/30.000 - 1/70.000 Einwohner/Jahr. Prävalenz: 15/100.000 Einwohner. Anteil an allen Porphyrien: 30-40%.

Ätiopathogenese

  • Bei hereditären Formen: Autosomal-dominante oder autosomal-rezessive Vererbung von Mutationen der Uroporphyrinogen-Decarboxylase (URO-D), die auf dem Genlokus 1p34 kartiert ist (bekannt sind derzeit >100 Mutationen).
  • Bei der autosomal-dominanten PCT findet sich die UROD-Hemmung in allen Geweben und nicht nur in der Leber. Die Enzymaktivität in den Erythrozyten ist bei der (seltenen) homozygoten Form der PCT auf 5% des normalen Wertes herabgesetzt, bei der heterozygoten auf 50%.
  • Bei den hereditären Formen können neben den Mutationen im UROD-Gen auch Mutationen im HFE-Gen (führt zur Hämochromatose) auftreten. Der  durch die Hämochromatose bewirkte Anstieg des Eisenspiegels führt zu einer zusätzlichen Funktionsminderung der UROD-Aktivität, wodurch die Krankheitssymptomatik wiederum verstärkt wird. 
  • Bei erworbenen Formen: Ein Gendefekt der URO-D allein führt nicht zur Manifestation des Krankheitsbildes. Die katalytische Hemmung der URO-D in der Leber wird über Triggerfaktoren bewirkt. Triggerfaktoren: Alkoholismus, Lebererkrankungen (Hepatitis C und B), HIV-Infektion, Arzneimittel (Barbiturate, Arsen, Androgene, Griseofulvin, Hydantoin, Nalidixinsäure, Phenytoin, Rifampicin, Sulfonamide, Tetrazykline, Steroide, orale Kontrazeptiva, Östrogene), Hexachlorbenzol, Dioxin, Vinylchlorid, Eisen, Hämodialyse. Ein eindrucksvolles Beispiel einer exogen ausgelösten PCT war Ende der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts eine Hexachlorophen-Vergiftung größerer Bevölkerungsgruppen in Anatolien. Ausgelöst wurden diese durch eine Verwechslung von Saat- (enthielt das Pestizid Hexachlorphen) und Backweizen. Hexachlorphen führt zu einer Hemmung der UROD und zu massiven Krankheitsbildern.    
  • Bei der Hämodialyse-induzierten PCT liegt eine der seltenen Indikationen für eine Porphyrinbestimmung im Serum bzw. Plasma vor.
  • Cytochrom-P450-Polymorphismus (Cytochrom p450 spielt eine wichtige Rolle beim Metabolismus des Prophyrins)
  • Bei ca. der Hälfte der so genannten sporadischen oder erworbenen PCT-Fälle (Familienanamnese negativ) kann aufgrund einer verminderten Enzymaktivität in den Erythrozyten eine genetische Anlage vermutet und durch Familienuntersuchungen verifiziert werden.

Manifestation

Auftreten v.a. 40. bis 70. Lebensjahr, häufiger bei Männern als bei Frauen (m:w=2/3:1).

Lokalisation

Hautveränderungen in den lichtexponierten Arealen, vor allem im Gesicht, an den Unterarmstreckseiten und an Handrücken.

Klinisches Bild

Saisongebunden (Frühjahr, Sommer) vermehrt auftretende und auch durch geringe mechanische Belastung ausgelöste Hautveränderungen.

Labor

  • Pathologische Leberenzyme (Transaminasen, gamma-GT); oft auch durch Alkoholabusus
  • Urin: Uroporphyrin(III)-Ausscheidung ist 10-20fach erhöht, Rotfluoreszenz im Wood-Licht. Koproporphyrin III ist erhöht. Evtl. dunkler Urin!
  • Stuhl: Koproporphyrin III.
  • Serum: Uroporphyrin I ist erhöht, Hypersiderinämie; im akuten Schub erhöhte Transaminasen; meist erhöhte Eisenspiegel.

Histologie

Hyperkeratosen, Akanthose, verdickte Gefäßwände, ggf. subepidermale Blase mit charakteristischem, zottenartig aufgebautem Blasenboden.

Direkte Immunfluoreszenz

Ablagerungen verschiedener Immunglobuline sowie von Fibrinogen an der dermoepidermalen Junktionszone (homogenes lineares Muster) sowie v.a. in den papillären Gefäßwänden (geringer auch in retikulären Gefäßwänden). Derartige Fluoreszenzmuster werden auch bei Patienten mit chronischer Dialyse gefunden.

Differentialdiagnose

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Literatur
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Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018