Polyomaviren, humane

Zuletzt aktualisiert am: 02.03.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Humanes Polymoavirus JC; Polyomaviridae; Polyomavirus; Polyomavirus-Infektionen

Erstbeschreiber

Gross, 1953

Definition

Etwa 50 nm große, nicht umhüllte Viren mit einem doppelsträngigem DNA-Genom (DNA-Viren) von etwa 5000 Basenpaaren. In der Normalbevölkerung können Antikörper gegen BK-Virus zu 100% und gegen JC-Virus zu etwa 80% nachgewiesen werden. Die Infektion erfolgt in der frühen Kindheit und verläuft meist asymptomatisch. Unter den Bedingungen der Immunsuppression (s.u. Organtransplantionen, Hautveränderungen) können im Organismus persistierende Polyomaviren erneut aktiviert werden (Reaktivierung mit Virusvermehrung im Blut).

Die dann ausbrechende Krankheit wird typischerweise in zwei Formen v.a. für transplantierte Patienten symptomatisch als:

  • BK-Virus Nephropathie (Polyoma-Virus assoziierte Nierenerkrankung) und als
  • hämorrhagische Zystitis.

Das JC-Virus (JCV) führt bei zellulär Immunsupprimierten (z.B. HIV-Infizierten, z.B. Psoriatiker, die langzeitig mit Efalizumab behandelt wurden,) zur progressiven, multifokalen Leukoenzephalopathie (PML). Die PML verläuft fast immer tödlich.

Allgemeine Definition

Zur Gattung der Polyomaviren gehören:
  • BK-Viren (im Urin eines nierentransplantierten Patienten mit den Initialen B.K. isoliert)
  • JC-Viren (isoliert in einem Hodgin-Lymphom eines Pat. mit den Initialen J.C.).
  • BK-und JC-Viren werden auch als Polyomavirus hominis Typ 1 und 2 bezeichnet. Beide Viren wurden in normalem und läsionalem Gewebe von Patienten mit Kaposi-Sarkom gefunden. JVC ist das kausale Agens bei Pat. mit progressiver multifokaler Leukenzephalopathie.
  • Simian Virus 40 oder SV40, ein natürliches infektiöses Agens bei Rhesus-Affen (simian = Affe) potenzieller Auslöser verschiedener Tumorerkrankungen.
  • Weitere Mitglieder der Gattung Polyomaviren sind das humane Polyomavirus KI (KIPyV9), das humane Polyomavirus WU (WUPyV) sowie ein neues humanes Polyomavirus das in hohem Maße mit dem Merkelzell-Karzinom in Verbindung steht (Merkelzell-Polymavirus MCPyV).

Diagnose

Nachweis der Virus-DNA im Urin und Blut des Patienten mittels PCR-Technik.

Hinweis(e)

Der Name "Polyoma" wurde gewählt weil das Virus bei neugeborenen Mäusen eine Vielzahl solider Tumoren induziert.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Moens U et al. (2008) Humane Polyomaviren und Krebs: weitere Erkenntnisse. JDDG 6: 704-708
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