Pityriasis versicolor (Übersicht) B36.0

Synonym(e)

Pityriasis versicolor flava; Tinea versicolor

Erstbeschreiber

Eichstedt, 1846

Definition

Häufige, nicht-entzündliche, sasional in der warmen Jahreszeit gehäuft auftretende, von Mensch zu Mensch nicht übertragbare, oberflächliche Mykose (Tinea versicolor) verursacht durch Hefen der Malassezia-Spezies. Bemerkung: versicolor bedeutet "Vielfarbigkeit" und bezeichnet den Farbunterschied im Sommer durch die fehlende Bräunung der Herde (s.a. Pityriasis versicolor alba)

 

Erreger

Malassezia-Spezies (nachgewiesen sind 14 Malassezia-Arten); es gibt von Land zu Land unterschiedliche Prävalenzen für die versch. Spezies. So waren in Indien bevorzugt Malassezia globosa (> 90%), gefolgt von Malassezia sympodialis, Malassezia furfur, Malassezia obtusa und Malassezia restricta nachweisbar. In Argentinien wurde Malassezia sympodialis bevorzugt gefunden. Malassezia furfur vermag mit Tryptophan Pigmente und Fluorochrome (s. Wood-Licht als Nachweismethode) zu bilden. Hierbei werden Substanzen mit UV-protektiver Wirkung gebildet, v.a. Pityriacitrin. Erklärung, warum es in den Pityriasis versicolor alba - Herden (im Gegensatz zur Vitiligo) selten zum Sonnenbrand kommt.

Vorkommen/Epidemiologie

In tropischen Zonen sind 30-40% der Erwachsenen befallen, in gemäßigten Zonen etwa 1-4%.

Ätiopathogenese

Prädisponierend wirken Hyperhidrosis oleosa, Seborrhoe und behinderte Hautabdunstung. Entwicklung von Malassezia-Spezies im feuchtwarmen, lipidreichen Milieu. Individuelle Faktoren werden diskutiert.

Manifestation

Bei Jugendlichen, postpubertär sowie jüngere Erwachsenen (im höheren Alter eher selten) auftretend.

Lokalisation

Vor allem Brust- und Rückenmitte, Übergreifen auf seitliche Rumpfanteile, auch: Nabelregion, Oberschenkelinnenseiten, Oberarminnenseiten.

Klinisches Bild

  • Insgesamt variables Bild mit teils großflächigen, figurierten, teils auch kleinherdigen lamettaartigen gelben, gelb-braunen oder auch grauen oder weißen, diskret schuppenden, nicht juckenden (gelegentlich etwas spannenden) Flecken oder dünnen Plaques.
  • Im Sommer erscheinen die Herde im Vergleich zur umgebenden gebräunten Haut heller ( Pityriasis versicolor alba), im Winter dunkler.
  • Eine initial bereits deutlich hyperpigmentierte Form kann als "Pityriasis versicolor chromians" bezeichnet werden. Bei dieser Form zeigen sich umschriebene bis centgroße, später konfluierende, schmutziggelbe bis bräunliche, kleieförmig schuppende Herde.
  • Selten tritt bei der Pityriasis versicolor Juckreiz auf. S.a. Hobelspanphänomen.
  • Besondere Formen:

Histologie

In der PAS-Färbung Nachweis von intrakorneal gelegenen Sporen und Hyphen.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnose

  • Klinisches Bild ist für den Erfahrenen bereits diagnostisch.
  • Pilznachweis im nativen Klebestreifenpräparat:  Auf verdächtige Hautveränderungen wird ein transparenter Tesafilmstreifen fest aufgedrückt und wieder abgezogen. Anhaftende Hautschuppen und Pilzelemente können nach Aufkleben des Streifens nach Parker gefärbt werden (gleiche Anteile von blauer Tinte und Kalilauge auf das Präparat geben) oder direkt mikroskopisch untersucht werden. Bemerkung: Die Anzucht der Erreger (Hefen der Gattung Malassezia) ist nicht sinnvoll, da Wachstum nur auf Spezialnährboden. Die Erreger eignen sich besonders für eine Nativuntersuchung. Im Gegensatz zu Dermatophyten und anderen Hefepilzen nehmen Malassezia spp. die Tinte sofort auf und heben sich deutlich blau markiert gegen den Hintergrund ab.
  •  Wood-Licht: Rötliche oder (grünlich-)gelbe Fluoreszenz (diese ist allerdings nicht regelhaft zu beobachten!).
  • Eine Differenzierung der versch. Spezies ist im Hinblick auf eine fehlende klinische Relevanz im klinischen Alltagsbetrieb nicht notwendig.
  • DD:

Externe Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Chronischer Verlauf. Exazerbation und Remission sind jederzeit möglich.

Prophylaxe

Zur Prävention: Itraconazol 2mal/Tag 200 mg p.o. 1mal/Monat über 6 Monate.

Hinweis(e)

  • Schwangerschaft: Nach wie vor problematisch; zur Lokaltherapie ist lediglich das in Schwangerschaft und Stillzeit zugelassene Polyen-Antimykotikum Nystatin geeignet. Clotrimazol sollte nicht in der Frühschwangerschaft appliziert werden. Es kann jedoch nach dem 1.Trimenon zur Lokaltherapie eingesetzt werden.
  • Auch die Papillomatosis confluens et reticularis wird von versch. Autoren als klinische Variante der Pityriasis versicolor angesehen.

Literatur
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  1. Brasch J (2012) Neues zur Diagnostik und Therapie bei Mykosen. Hautarzt 63: 390-395
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  3. Eichstedt E (1846) Pilzbildung in der Pityriasis versicolor. Frorip Neue Notizen aus dem Gebeite der Naturkunde Heilkinde 39: 270
  4. Gaitanis G et al. (2006) Distribution of Malassezia species in pityriasis versicolor and seborrhoic dermatitis in Greece. Typing of the major pityriasis versicolor isolate M. globosa. Br J Dermatol 154: 854-859
  5. Gupta AK et al. (2003) Pityriasis versicolor. Dermatol Clin 21: 413-429
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  8. Ljubojevic S et al. (2002) The role of Malassezia furfur in dermatology. Clin Dermatol 20: 179-182
  9. Nenoff P et al. (2001) The yeast fungus Malassezia: pathogen, pathogenesis and therapy. Hautarzt 52: 73-86
  10. Vander Straten MR et al. (2003) Cutaneous infections dermatophytosis, onychomycosis, and tinea versicolor. Infect Dis Clin North Am 17: 87-112

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Zuletzt aktualisiert am: 05.12.2017