Pityriasis rosea L42

Zuletzt aktualisiert am: 09.09.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Erythema anulatum; Gibertsche Krankheit; Herpes tonsurans maculosus; Lichen anulatus; Pityriasis maculata circinata; Pityriasis marginé et circiné de Vidal; Primärplaque; Pseudoexanthème desquamatif (Besnier); Röschenflechte; Roseola anulata; Schuppenröschen

Erstbeschreiber

Gibert, 1860

Definition

Häufige, exanthematische, selbstlimitierende, entzündliche Hauterkrankung unbekannter (wahrscheinlich virale Genese) Ätiologie mit typisch zweiphasigem Verlauf.

Ätiopathogenese

Unbekannt. Zunehmend häufiger werden Virusinfekte (HHV-6, HHV-7) diskutiert. Weiterhin: Stress, Medikamente, imprägnierte Kleidungsstücke.

Manifestation

Bei gesunden Menschen im Alter von 10-35 Jahren auftretend; ein Auftreten der Pityriasis rosea bei Kindern <10 Jahre ist eher ungewöhnlich. Frauen scheinen bevorzugt befallen zu sein (m:w = 1:2). Weltweit und bei allen Rassen gleichermaßen auftretend. Auftreten v.a. in Frühjahr und Herbst.

Lokalisation

Rumpf (bis zum Nackenansatz) und proximale (etwa oberes Drittel) Extremitäten. Kopf, Hals, periphere Extremiäten bleiben frei. Eine inverse Form ( Pityriasis rosea inversa) befällt die Axillen und die Leistenregion.

Klinisches Bild

Gelegentlich gehen leichte Prodromi wie respiratorische Syptome (etwa 50% der Patieten), Übelkeit, Mattigkeit, Fieber und Kopfschmerzen den ersten Hautveränderungen voraus. Initial zeigt sich eine 0,4-4,0 cm große, ovale, rote, meist schuppende (Collerette-Schuppung), randbetonte Plaque (" Primärmedaillon"). Das Primärmedaillon ist ein regelmäßig auftretendes Symptom in > 50% der Fälle und tritt oftmals am Stamm auf.

Im weiteren Verlauf schubartige, über 1-2 Wochen andauernde, exanthematische Ausbreitung (stammbetont) von nach den Spaltlinien ausgerichteten (Tannenbaum-Muster), 0,2-1,0 cm großen, ovalen oder länglichen, wenig erhabenen, schuppigen Flecken und Plaques. 

Gesicht, Hals und distale Extremitätenhälften bleiben meist frei. Enantheme der Mundschleimhaut sind (extrem) selten.

Als Sonderformen sind follikuläre Exantheme, Hämorrhagien, urtikarielle Formen, zirzinäre, vesikulöse, squamöse oder psoriasiforme Varianten in Betracht zu ziehen

Eine inverse Form wird bevorzugt bei Kindern sowie Afro-Amerikanern beobachtet (Pityriasis rosea inversa).

Merke! Bei Farbigen erscheint das Exanthem stärker infiltriert als bei Weißen mit deutlicher Tendenz zu Hyperpigmentierungen! Hierbei fehlt, je nach Pigmentierungsgrad, der in weißer Haut typische Rotton der Hauterscheinungen.

Histologie

Unspezifische superfizielle Dermatitis mit mäßiger Akanthose, gering verlängerten Reteleisten, Papillenödem, perivaskulärem und interstitiellem lymphozytärem Infiltrat; gelegentlich Beimengungen von eosinophilen Granulozyten. Deutliche Epidermotropie mit fokaler spongiotischer Auflockerung des Epithels und fokaler Parakeratose. Selten Erythrozytenextravasate.

Differentialdiagnose

  • Klinische Differenzialdiagnosen:
    • Tinea corporis: nie exanthematisch sondern chronisch kontinuierlicher Verlauf (seltene Ausnahme ist die Mikrosporie, hier besteht Eigenfluoreszenz unter Wood-Licht); beweisend sind Erregernachweis mittels Nativuntersuchung und Kultur.
    • Psoriasis vulgaris: Erstmanifestation einer akuten, exanthematischen Psoriasis als wichtige DD. Das Auspitz-Phänomen ist bei Pityriasis rosea stets negativ!
    • Parapsoriasis en plaques (benigne kleinherdige Form): chronischer Prozess, nie akut-exanthematisch. Einzeleffloreszenzen deutlich größer als bei der Pityriasis rosea. Typisch ist eine "Pseudoatrophie der Oberfläche".     
    • Arzneimittelexanthem: Akutes monomorphes Exanthem; selten ekzematös oder psoriasiform. Medikamentenanamnese mit zeitnaher Neuverordnug eines Medikamentes.
    • Pityriasis lichenoides: Vom Verteilungsmuster ähnlich. PLEVA und PLC zeigen jedoch eine wegweisende Polymorphie (buntes Bild) der Effloreszenzen.
    • Frühsyphilis: Syphilide sind meist von LK-Schwellungen begleitet. Verteilungsmuster: häufig Befall von Handflächen und Gesicht. Serologie ist beweisend! Histologie ist wegweisend (plasmazellige Dermatitis).
  • Histologische Differenzialdiagnosen:
    • Akutes und subakutes Ekzem: Spongiose, flächige Parakeratose, beim atopischen Ekzem mögliche markante Eosinophilie. Häufig nicht zu unterscheiden.
    • Psoriasis guttata: Akanthose, flächige Hyper- und Parakeratose mit Neutrophilen-Einschlüssen, diffuses, auch perivaskulär verdichtetes lymphozytäres Infiltrat mit neutrophilen Granulozyten, keine Erythrozytenextravasate, kräftiger Epidermotropismus.
    • Parapsoriasis en plaques: Fibrose des Stratum papillare; Oberflächenepithel eher atrophisch, Epidermotropie vorhanden, kaum Spongiose, keine Parakeratose!
    • Allergisches Kontaktekzem: Klinisch deutlich zu unterscheiden! Markante, flächige Spongiose, Oberflächenepithel akanthotisch, lange Parakeratosehügel. Histologisch nur im Zusammenhang mit klinischen Angaben sicher zu differenzieren.
    • Tinea corporis: Vielgestaltiges histologisches Muster, das von der Akuität der Infektion geprägt ist. In frühe nStadien geringes superfizielles perivaskuläres Lymphozyteninfiltrat, fokale Spongiose; späteres Stadium mit Neutrophilenkomponente. Kompakte Ortho- und Parakeratose. Im PAS-Präparat Nachweis von Hyphen (dann sichere DD); ansonsten ist eine sichere DD nur im Zusammenhang mit klinischen Angaben möglich.
    • Erythema anulare centrifugum: Klinisch deutlich zu unterscheiden; histologisch nur im Zusammenhang mit klinischen Angaben sicher zu differenzieren! Meist dichte perivaskuläre Infiltrathülsen.
    • Arzneimittelexanthem: Spongiotische Arzneimittelexantheme sind selten! Meist kombiniert mit einer Interface-Dermatitis.
    • Frühsyphilis: Interface-Dermatitis mit psoriasiformer Epidermisreaktion dichtes, bandförmiges Infiltrat in der oberen und mittleren Dermis (Lymphozyten, Histiozyten und Plasmazellen. Ausdehnung des Infiltrates auf den tiefen Gefäßplexus.

Therapie

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Abheilung in 3–8 Wochen, allgemein ohne bleibende Hautveränderungen. Hyperpigmentierung, Leukoderm-Bildung, Narbenbildung möglich.

Hinweis(e)

Merke! Ein Primämedaillon ist ein regelmäßig auftretendes, diagnostisch verwertbares, Symptom; in > 50% der Fälle.

Merke! Die Pityriasis rosea befällt (fast) nie das Gesicht und die Schleimhäute; nur selten die Extremitäten! Patienten haben kein gestörtes Allgemeinbefinden!

Merke! Der Verlauf einer Pityriasis rosea ist v.a. bis zur 15. Schwangerschaftswoche kritisch für den Fetus mit einem erhöhten Risiko (57%) eines Aborts oder einer Frühgeburt (Monastirli A et al. 2016). 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  9. Monastirli A et al. (2016) Gestational Pityriasis Rosea: Suggestions for Approaching Affected Pregnant
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  11. Renner R et al. (2010) Chronisch entzündliche und autoimmun vermittelte Dermatosen in der Schwangerschaft. Hautarzt 61: 1021-1026
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