Pilonidalsinus L05.9

Synonym(e)

Abszess pilonidaler; Fistula coccygealis; Haarnestfistel; Haarnestgrübchen; Jeep disease; Jeepfahrerkrankheit; Kokzygealfistel; Kreuzbeinfistel; pilonidaler Abszess; Pilonidalfistel; pilonidal sinus (engl.); Pilonidalzyste; sacrococcygeal pilonidal sinus; Sakraldermoid; Sinus pilonidalis; Steißbeinfistel; Steißbeinzyste; trichogenes Fremdkörpergranulom

Erstbeschreiber

Mayo, 1833; Hodges, 1880

Definition

Akute oder auch chronisch verlaufende Entzündung im subkutanen Fettgewebe, ausgehend von der Mittellinie der Kreuzbeinregion (pilus = Haar; nidus = Nest). Unterschieden werden asymptomatische, akut abszedierende und chronische Formen. Grundsätzlihc können Pilonidalsinus auch in anderen Körpergionen auftreten, so umbilikal und interdigital bei Frisören als trichogene Fremdkörpergranulome.

Vorkommen/Epidemiologie

Meist bei Kaukasiern auftretend. Asiaten sind praktisch nicht betroffen. Die Inzidenz liegt bei ca. 20/100.000 Einwohner.

Ätiopathogenese

Erworbene, multifaktorielle Erkrankung bei fraglicher genetischer Disposition. Wahrscheinlich führen Reibebewegungen der Nates zu einem Einspießen von Haaren in die gegenüberliegende Haut bis in das subkutane Fettgewebe mit nachfolgender Entwicklung eines chronischen, nicht abheilenden Fremdkörpergranuloms.

Ein analoger Mechanismus wird beim sog. Friseurgranulom (Einspießen von Haaren) oder beim Melkergranulom gefunden.

Eine andere ätiologische Bewertung erhalten Pilonidalsinus bei chronisch entzündlichen Follikelprozessen, insbes. bei Acne inversa und Hidradenitis suppurativa.

Manifestation

Meist bei jungen, stark behaarten Männern mit überwiegend sitzender Tätigkeit (Auto-, Motorradfahrer) auftretend. Männer sind 2-4mal häufiger betroffen als Frauen. Vorkommen im Rahmen der Akne-Tetrade.

Lokalisation

Bevorzugt sakro-iliakal lokalisiert. Vergleichbare Krankheitsbilder werden bei Frisören interdigital gefunden. Auftreten ist auch an anderen Lokalisationen möglich (selten): Axillen, Nacken, Fingerzwischenräume, Nabel, am Penis.

Klinisches Bild

Im entzündungsfreien Stadium keine Beschwerden. In der Rima ani sieht man eine oder mehrere, evtl. kleine Fistelöffnungen, oft mit eingewachsenen Haaren. Neigung zu ausgedehnten, hartnäckigen, abszedierenden Entzündungen durch chronische Reibung und Mazeration (Rötung, Fluktuation, starke Schmerzen, evtl. weitreichende, fuchsbauartige Fistulationen mit Sekundäröffnungen). Im chronischen Stadium leiden die Patienten unter serösen übel riechenden Absonderungen aus dem Sinus, die das Alltagsleben erheblich einschränken.

Histologie

Pseudoepitheliomatöse Epidermishyperplasie mit Ausbildung von Gängen. Evtl. Abszesse um Haarfragmente mit Fremdkörperriesenzellen.

Differentialdiagnose

Komplikation

Nach längerem Bestehen ist eine maligne Entartung möglich (überwiegend Plattenepithelkarzinome).

Externe Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Es gibt keine Spontanheilung. Ein asymptomatischer Pilonidalsinus persistiert lebenslang, kann aber auch akut in die abszedierende Form und dann in das chronische Stadium übergehen.

Prophylaxe

Nach Abheilen der Wunde empfiehlt sich neben der konsequenten ständigen Enthaarung eine verbesserte Körperhygiene. Es hat sich bewährt, die Behaarung der Anogenitalregion mittels Laser-Epilation zu beseitigen.

Naturheilkunde

Zur Desinfektion der tiefen Wundhöhle hat sich die Spülung mit verdünnter Calendula-Essenz bewährt. Diese führt auch bei multiresistenten Keimen zu einer ausreichenden Keimreduktion.

Hinweis(e)

Unzutreffende Synonyma für die Erkrankung sind die Bezeichnungen Steißbeindermoid, Sakraldermoid, Dermoidzyste, Steißbeinfistel und Raphefiste.

Literatur
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  1. Bradley L (2010) Pilonidal sinus disease: a review. Part one.
    J Wound Care 19:504-508. 
    De Martino C (2011) Squamous-cell carcinoma and pilonidal sinus disease. Case report and review of literature. Ann Ital Chir 82:511-514.
  2. Hegele A et al. (2003) Reconstructive surgical therapy of infected pilonidal sinus. Chirurg 74: 749-752
  3. Hodges RU (1880) Pilonidal sinus. Boston Med Surg J 103: 485
  4. Testini M et al. (2001) Treatment of chronic pilonidal sinus with local anaesthesia: a randomized trial of closed compared with open technique. Colorectal Dis 3: 427-430
  5. Sondenaa K et al. (2002) Influence of failure of primary wound healing on subsequent recurrence of pilonidal sinus. combined prospective study and randomised controlled trial. Eur J Surg 168: 614-618
  6. Downs AM, Palmer J (2002) Laser hair removal for recurrent pilonidal sinus disease. J Cosmet Laser Ther 4: 91
  7. Matsushita S et al. (2002) A case of squamous cell carcinoma arising in a pilonidal sinus. J Dermatol 29: 757-758

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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017