Photokarzinogenese

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Karzinogenese; Lichtkrebs; Photokrebs

Definition

Die ultraviolette Strahlung ist das zentrale Karzinogen (s. Karzinogenese) bei der Entwicklung von epithelialen Hauttumoren. 60-100% aller Basal- und Plattenepithelkarzinome weisen Mutationen im p53-Gen (s.u. Tumorsuppressorgene) auf. Parallel damit geht die klinische Beobachtung, dass etwa 75-80% der Basalzellkarzinome meist an chronisch sonnenexponierten Hautarealen, insbesondere an Kopf und Nacken, auftreten.

Allgemeine Information

  • Die Wirkung von UV-Strahlen in der Haut auf zellbiologischer und molekularer Ebene ist mannigfaltig (s.u. Onkogene). Um eine maligne Transformation zu verhindern, haben sich verschiedene protektive Mechanismen in der Haut ausgebildet. Hierbei kommt dem p53-Protein (s.u. Tumorsuppressorgene) eine Schlüsselrolle zu.
  • P53 überprüft die Intaktheit der DNS und wird daher auch als der "Wächter des Genoms" bezeichnet. Bei irreparablen DNS-Schäden löst P53 Apoptose aus, wahrscheinlich durch Induktion der Synthese des apoptosefördernden Bax-Proteins. Es sorgt demzufolge für die Stabilität des Genoms, indem es genetisch veränderte Zellen ausschaltet und damit die Ausbildung von Tumoren unterdrückt.
  • UV-spezifische Mutationen in p53, Ras und INK4a/ARF sowie UV-induzierbarer NF-kappaB und Cyclooxygenase 2 (s.u. Cyclooxygenasen) sind maßgeblich an der Photokarzinogenese beteiligt.
  • Erhöhte COX-2- und PGE2-Konzentration werden in aktinischen Keratosen und spinozellulären Karzinomen nachgewiesen. COX-Hemmer wie Diclofenac können aktinische Keratosen nachweislich bessern.
  • Im Gegensatz zu UVB wird UVA (s.u. UV-Strahlen) nicht direkt von der DNS absorbiert, sondern von anderen Photosensibilisatoren. Dies führt indirekt über Photooxidation und Bildung von Sauerstoffradikalen (ROS = reaktive Sauerstoffspezies) zur DNS-Schädigung.
  • Ein zweiter Mechanismus für die Photokarzinogenese stellt die UV-induzierte Immunsuppression dar. UV-Strahlung inhibiert die Präsentation von Antigenen und stimuliert die Freisetzung immunsuppressiver Zytokine.

Hinweis(e)

Eine besondere Rolle spielt die Photokarzinogenese bei versch. Genodermatosen, so dem autosomale-rezessiv vererbten Xeroderma pigmentosum.

Literatur
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  1. Berking C (2007) Photokarzinogenese. Hautarzt 58: 398-405
  2. Diffey BL et al. (1977) The anatomical distribution of sunlight. Br J Dermatol 97: 407-410
  3. Franceschi S et al. (1996) Site distribution of different types of skin cancer: new aetiological clues. Int J Cancer 67: 24-28
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