Photodynamische Therapie

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Definition

Geprägt von O. Raab im Jahre 1900. Form der Photochemotherapie, bei der ein Photosensibilisator (z.B. 5-Aminolävulinsäure, Porphyrinderivate) mit sichtbarem Licht reagiert und zyto- bzw. gewebetoxische Produkte entstehen. Grundvoraussetzung dieser Reaktion ist das Vorhandensein von Sauerstoff. Durch Redoxvorgänge und Radikalkettenreaktionen entsteht reaktiver Singulett-Sauerstoff, der zytotoxisch reagiert und Gewebestrukturen sowie Aminosäuren, Nukleinsäuren und Fettsäuren zerstören kann. Bei dem Verfahren wird die Affinität bestimmter Porphyrinderivate auf Tumorzellen genutzt. Tumorzellen, aber auch Makrophagen, nehmen LDL-gebundene Photosensibilisatoren durch Endozytose auf. Nachfolgende Bestrahlung mit polychromatischen Lichtquellen führt zur Zerstörung der Zellen unter Schonung des umliegenden Gewebes. Die Bestrahlungsdosen liegen zwischen 25 und 300 J/cm².

Indikation

Nch den internationalen Leitlinien zur photodynamischen Behandlung epithelialer Hauttumoren werden folgende Erkrankungen als Indikationen für eine "First-Line-Therapie" genannt: PDT mit Porphyrinderivaten (s.u. Temoporfin): Auch als Second-line Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen des Kopf- oder Halsbereiches (nach Versagen von Vortherapien und Nichtdurchführbarkeit von Röntgentherapien), Exzision und systemischer Chemotherapie.

Durchführung

Bei aktinischen Keratosen eine, bei Basalzellkarzinomen zwei (oder auch mehrere) Sitzungen im Abstand von einer Woche: Zunächst Entfernung von Schuppen und Krusten auf der zu behandelnden Läsion.

Auftragen der photosensibilisierenden Salbe (1 mm dick) mittels Spatel auf die zu behandelnde Läsion und überlappend 1 cm auf die umgebende, klinisch gesunde Haut. Okkludierender und lichtdichter Verband. Bei Applikation des Methylesters der Aminolävulinsäure (Handelspräparat Metvix) Therapiedauer über 3 Stunden; bei der magistral verordneten ALA-Rezeptur (meist 20%) über 6 Std. Danach Entfernen der Creme und Reinigung mit physiologischer Kochsalzlösung. Anschließend geräteindividualiserte Bestrahlung (z.B. mit Rotlicht, Wellenlänge 570-670 nm in einer Dosis von 75 J/cm²).

Unerwünschte Wirkungen

Lokale Rötung, Brennen, Krustenbildung, Ödem (89%), Schmerzen (92%), Schuppung, Juckreiz (80%), seltener Blasenbildung, großflächige Pustulationen, Erosionen, Ulzeration, Hyper- oder Hypopigmentierung. Sehr selten Urtikaria. Ebenso wurde über kontaktallergische Reaktionen berichtet. In Einzelfällen auch (offenbar reaktive) Migräne, Hautatrophie, Übelkeit, grippeähnliche Symptome.

Kontraindikation

Porphyrie; sklerodermiformes Basalzellkarzinom; Überempfindlichkeit gegen Bestandteile der photosensibilisierenden Salbe.

Präparate

  • Photosensibilisatoren: Z.B. Metvix 160 mg/g Creme, diese Creme ist als Fertigpräparat zugelassen (Wirkstoff: Methyl-[5-amino-4-oxo-pentanoat] = MAOP).
  • Als Magistralrezeptur kann verwendet werden R007 (Einwirkzeit 4 Stunden).
  • Alternativ zur Cremegrundlage kann zukünftig ein, die Therapie vereinfachendes 5-ALA-Gel-Pflaster eingesetzt werden (4-stündige Applikationszeit), das sich derzeit noch in der Zulassung befindet ( Off-Label-Use).
  • Lampen: Z.B. Aktilite (v.a. bei Verwendung von Metvix); alternativ: z.B. Hydrosun.

Hinweis(e)

Die Behandlung kann nur durch ärztliche Kollegen durchgeführt werden, die sich ausreichende Erfahrungen in dieser Therapie angeeignet haben. Da es sich um sog. blinde Therapieverfahren handelt, ist die histologische Abklärung vor Beginn der Behandlung, wie auch eine engmaschige klinische Nachkontrolle, zwingend notwendig!

Die photodynamische Therapie von aktinischen  Keratosen kann auch als photodynamische Tageslichttherapie durchgeführt werden,

Literatur

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Zuletzt aktualisiert am: 30.06.2017