Photodynamische Therapie

Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Definition

Geprägt von O. Raab im Jahre 1900. Form der Photochemotherapie, bei der ein Photosensibilisator (z.B. 5-Aminolävulinsäure, Porphyrinderivate) mit sichtbarem Licht reagiert und zyto- bzw. gewebetoxische Produkte entstehen. Grundvoraussetzung dieser Reaktion ist das Vorhandensein von Sauerstoff. Durch Redoxvorgänge und Radikalkettenreaktionen entsteht reaktiver Singulett-Sauerstoff, der zytotoxisch reagiert und Gewebestrukturen sowie Aminosäuren, Nukleinsäuren und Fettsäuren zerstören kann. Bei dem Verfahren wird die Affinität bestimmter Porphyrinderivate auf Tumorzellen genutzt. Tumorzellen, aber auch Makrophagen, nehmen LDL-gebundene Photosensibilisatoren durch Endozytose auf. Nachfolgende Bestrahlung mit polychromatischen Lichtquellen führt zur Zerstörung der Zellen unter Schonung des umliegenden Gewebes. Die Bestrahlungsdosen liegen zwischen 25 und 300 J/cm².

Indikation

Nach den internationalen Leitlinien zur photodynamischen Behandlung epithelialer Hauttumoren werden folgende Erkrankungen als Indikationen für eine "First-Line-Therapie" genannt:

PDT mit Porphyrinderivaten: Auch als Second-line Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen des Kopf- oder Halsbereiches (nach Versagen von Vortherapien und Nichtdurchführbarkeit von Röntgentherapien), Exzision und systemischer Chemotherapie.

Durchführung

Bei aktinischen Keratosen eine, bei Basalzellkarzinomen zwei (oder auch mehrere) Sitzungen im Abstand von einer Woche: Zunächst Entfernung von Schuppen und Krusten auf der zu behandelnden Läsion.

Auftragen der photosensibilisierenden Salbe (1 mm dick) mittels Spatel auf die zu behandelnde Läsion und überlappend 1 cm auf die umgebende, klinisch gesunde Haut. Okkludierender und lichtdichter Verband. Bei Applikation des Methylesters der Aminolävulinsäure (Handelspräparat Metvix) Therapiedauer über 3 Stunden; bei der magistral verordneten ALA-Rezeptur (meist 20%) über 6 Std. Danach Entfernen der Creme und Reinigung mit physiologischer Kochsalzlösung. Anschließend geräteindividualiserte Bestrahlung (z.B. mit Rotlicht, Wellenlänge 570-670 nm in einer Dosis von 75 J/cm²).

Unerwünschte Wirkungen

Lokale Rötung, Brennen, Krustenbildung, Ödem (89%), Schmerzen (92%), Schuppung, Juckreiz (80%), seltener Blasenbildung, großflächige Pustulationen, Erosionen, Ulzeration, Hyper- oder Hypopigmentierung. Sehr selten Urtikaria. Ebenso wurde über kontaktallergische Reaktionen berichtet. In Einzelfällen auch (offenbar reaktive) Migräne, Hautatrophie, Übelkeit, grippeähnliche Symptome.

Kontraindikation

Porphyrie; sklerodermiformes Basalzellkarzinom; Überempfindlichkeit gegen Bestandteile der photosensibilisierenden Salbe.

Präparate

  • Photosensibilisatoren: Z.B. Metvix® (Methylaminolävulinat; Galderma Laboratorium GmbH, Düsseldorf)  160 mg/g Creme, diese Creme ist als Fertigpräparat zugelassen, oder z.B. Ameluz® (5-Aminolävulinat; Biofrontera AG, Leverkusen) 78 mg/g Gel ebenfalls als Fertigpräparat zugelassen.
  • Alternativ zur Cremegrundlage kann ein wirkstoffhaltiges Pflaster, Alacare® (5-Aminolävulinat; photonamic GmbH & Co.KG, Reinbek) mit 8 mg Wirkstoff pro 4 cm² im Gesicht und an unbehaarten Stellen der Kophaut eingesetzt werden.
  • Lampen: Z.B. Aktilite (Wellenlänge 630 nm v.a. bei Verwendung von Metvix); alternativ:BF-RhodoLEDz. Wellenlänge 635 nm, oder z.B. Hydrosun.

Hinweis(e)

Die Behandlung kann nur durch ärztliche Kollegen durchgeführt werden, die sich ausreichende Erfahrungen in dieser Therapie angeeignet haben. Da es sich um sog. blinde Therapieverfahren handelt, ist die histologische Abklärung vor Beginn der Behandlung, wie auch eine engmaschige klinische Nachkontrolle, zwingend notwendig!

Die photodynamische Therapie von aktinischen  Keratosen kann auch als photodynamische Tageslichttherapie durchgeführt werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bickers R (1995) Photodynamische Therapie. Z Hautkr 70: 328-331
  2. Braathen L et al. (2007) Guidelines on the use of photodynamic therapy (PDT) for the non-melanoma skin cancer - an international consensus. J Am Dermatol 56: 125-143
  3. Cairduff F et al. (1994) Superficial photodynamic therapy with 5-aminolevulinic acid for superficial primary and secondary skin cancer. Br J Cancer 69: 605-608
  4. Cather J, Menter A (2002) Novel therapies for psoriasis. Am J Clin Dermatol 3: 159-173
  5. Fritsch C, Ruzicka Th (2003) Fluorescence diagnosis and photodynamic therapy of skin diseases. Atlas and handbook. Springer, Heidelberg Berlin
  6. Gniazdowska B et al. (2007) Allergic contact dermatitis from delta-aminolevulinic acid used for phtodynamic therapy. Contact Dermatitis 38: 348-349
  7. Hopper C (2000) Photodynamic therapy: a clinical reality in the treatment of cancer. Lancet Oncol 1: 212-219
  8. Landthaler M et al. (1993) Photodynamische Therapie von Tumoren der Haut. Hautarzt 44: 69-74
  9. Leman J et al. (2002) Topical 5-ALA photodynamic therapy for the treatment of cutaneous T-cell lymphoma. Clin Exp Dermatol 27: 516-518
  10. Pariser DM et al. (2003) Photodynamic therapy with topical methyl aminolevulinate for actinic keratosis: results of a prospective randomized multicenter trial. J Am Acad Dermatol 48: 227-232
  11. Raab O (1900) Über die Wirkung fluoreszierender Stoffe auf Infusorien. Z Biol 19: 524-564
  12. Szeimies RM et al. (1994) Topische photodynamische Therapie in der Behandlung oberflächlicher Hauttumoren. Hautarzt 46: 315-318
  13. Szeimies RM et al. (2002) Photodynamic therapy using topical methyl 5-aminolevulinate compared with cryotherapy for actinic keratosis: A prospective, randomized study. J Am Acad Dermatol 47: 258-262
  14. Valenta C et al. (2005) Skin permeation and stability studies of 5-aminolevulinic acid in a new gel and patch formulation. J Contr Rel 107: 495-501
Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2018