Periorale Dermatitis L71.0

Zuletzt aktualisiert am: 01.06.2019

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Pia Nagel

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Synonym(e)

Dermatitis perioralis; Dermatitis rosazea-artige; Light sensitive seborrhoide; Periorale Rosazea; Periorificial dermatitis; Rosacea perioralis; Rosazea-artige Dermatitis; Rosazeaartige Dermatitis; Rosazea periorale; steroid Rosacea (e); Stewardessen-Krankheit

Erstbeschreiber

Frumess u. Lewis 1957; Mihan und Ayres 1964

Definition

Auf die periorale Gesichtshaut begrenzte, meist chronisch persistierende, oder auch chronisch rezidivierende Erkrankung mit flächigen Erythemen, roten disseminierten, follikulären Papeln, Pusteln, Plaques einhergehende, juckende/brennende oder schmerzende Dermatitis, die in erster Linie bei "Kosmetik-bewussten" jungen Frauen auftritt.

 

Vorkommen/Epidemiologie

Dieses der Rosazea verwandte, inzwischen häufige Krankheitsbild ist erst in den letzten 3 Jahrzehnten entstanden und dürfte mit den seit dieser Zeit üblichen Pflegegewohnheiten zusammenhängen.  

Ätiopathogenese

Unbekannt, als auslösende Faktoren werden eine seborrhoische Konstitution, gastrointestinale Störungen, Sonnenlicht, Ovulationshemmer, ein degenerativ-toxisches Kontaktekzem oder Folgeerscheinungen einer längeren lokalen Kortikoidtherapie diskutiert. Auch Candida-Spezies und diverse Bakterien, wie fusiforme Spirillen oder Stäbchenbakterien, wurde eine ursächliche Rolle zugesprochen. Meist jedoch besteht ein ausgesprochener Missbrauch von Pflegekosmetika (die häufig fehlerhaft und zu warm gelagert sind!) und/oder von Glukokortikoid-haltigen Cremes/Salben, die unkontrolliert bei banalen Entzündungen der Gesichtshaut aufgetragen werden.

Manifestation

Auftreten v.a. 20. bis 45. Lebensjahr, v.a. bei Frauen. Nur selten sind Männer oder Kleinkinder betroffen. Letztere erfahren meist die selbe "intensive" Lokaltherapie wie ihre besorgten Mütter.

Lokalisation

Kinn, Nasolabialfalten, seitliche Mundpartien, Stirn, periorbital, ggf. Übergreifen auf das gesamte Gesicht, die seitlichen Halspartien und den Retroaurikulärbereich. Typisch ist die freie Zone perioral (hier fehlen die Vellushaare, die bei perioraler Dermatitis befallen sind!).

Merke! Die Erkrankung kann auch (seltener) isoliert im Bereich der Lider und periorbital als "periorbitale Dermatitis" auftreten (s.u. Ekzem, Lidekzem).

Klinisches Bild

In der flächig geröteten, leicht geschwollenen und schuppenden Haut der Perioralregion finden sich disseminierte oder gruppierte, 0,2-0,4 cm große, rote, schuppende follikuläre Papeln, Papulovesikel und Papulopusteln. Die Hautveränderungen sind zu den seitlichen Gesichtspartien unscharf begrenzt mit auslaufenden follikulären Papeln und schuppenden Erythemen. Es besteht über die gesamte Entzündungsfläche ein meist deutlicher Juckreiz oder ein manchmal unerträgliches Spannungsgefühl, das nur durch das Auftragen von Cremes gemildert werden kann (Circulus vitiosus v.a., wenn diese Pflegecremes Glukokortikoid-haltig sind).

Charakteristisch ist das Freibleiben einer unmittelbar an das Lippenrot grenzenden Hautzone, so dass sich ein typisches mehrzonales Bild mit freiem Lippenrot, freiem perioralem Saum und einem unterschiedlich breiten Dermatitisring ergibt.  

Das klinische Bild ist wechselhaft. Oft bestehen auch Knötchen in den Nasolabialfalten sowie auch in den Augenwinkeln.

Sonderform: Lupoide periorale Dermatitis.

Therapie

"Jeglicher erfolgreicher Therapieansatz basiert auf einem Entwöhnen der Patienten und Patientinnen von ihren bisherigen (geliebten) Pflegegewohnheiten".  Dies beinhaltet: 

Absetzen aller Kosmetika und bisheriger Salben sowie v.a. aller Glukokortikoidexterna!

Reinigung des Gesichts ohne Einsatz weiterer Chemikalien.

Bewährt hat sich hier der vorsichtige Einsatz von Mikrofasertüchern, z.B. Claroderm; hiermit können Salbenreste entfernt werden.

Falls eine zusätzliche Reinigung des Gesichts notwendig sein sollte, sparsame Verwendung eines Syndets (z.B. Dermowas oder Sebamed flüssig).

Gesicht kurz mit einem sauberen Handtuch abtupfen (nicht reiben!).

Meiden von Parfums in Kosmetika, Waschmitteln, Raumsprays.

Externe Therapie

Da eine "Null-Therapie" meist nicht durchsetzbar ist sollten milde antiphlogistisch wirkysame Externa eingesetzt werden: 

  • Leukichtan Gel (Wirkstoff: Natriumbituminosulfat) am Abend hauchdünn auftragen und morgens eine nichtparfümierte Feuchtigkeitscreme oder ein Gel anwenden.
  • In hartnäckigen Fällen kann auch eine zinkhaltige Ichthyol®-Salbe eingesetzt werden.
  • Alternativ: Skinoren Gel. Cave! Zuerst Verträglichkeitsprüfung!
  • Bei starkem Spannungsgefühl des Gesichts können ergänzend Schwarzteeumschläge (2-3Beutel eines Schwarztees etwa 10-15 Min.! ziehen lassen; nach Abkühlung über ein Leinenläppchen 10-15 Min. auf das Gesicht einwirken lassen); alternativ: Umschläge mit synthetischen Gerbstoffen (z.B. Tannosynt, Tannolact) vorgenommen werden.
  • Therapieerfolge sind auch durch striktes "Austrocknen" der Haut erzielbar: Nach morgendlicher Reinigung der Gesichtshaut (s.o.), Auftragen einer Erythromycin-haltigen Lösung (z.B. R086 , Aknemycin Lösung, Zineryt). Alternativ: Statt Erythromycin-Lösungen kann auch ein 0,5-2% Metronidazol-Gel (z.B. Metrogel) aufgetragen werden.
  • Abdecken der entzündeten Gesichtshaut (z.B. Unifiance Creme Make-up, Lutsine Make-up Stick).
  • Bei langzeitigem Steroidabusus kann ein "Ausschleichen" der Steroidexterna unter zeitweiser Verwendung niedrig konzentrierter Steroide (0,1-0,5% Hydrocortison-Creme als Rezeptur oder als Fertigarzneimittel z.B. Hydrogalen) notwendig werden, um die (von den Patienten und Patientinnen als Therapieversagen interpretierte) Entzugssymptomatik abzumildern.

Interne Therapie

In schweren Fällen Doxycyclin (z.B. Doxycyclin Stada) 2mal/Tag 100 mg p.o. oder Minocyclin (z.B. Klinomycin) 2mal/Tag 50 mg p.o. Zusätzlich ggf. Natriumbituminosulfonate (z.B. Ichthraletten 3mal/Tag 2 Drg. 1. bis 2. Woche, anschließend 3mal/Tag 1 Drg. p.o.).

Literatur
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  1. Fritsch P et al. (1989) Periorale Dermatitis. Hautarzt 40: 475–479
  2. Frumess GM, Lewis HM (1957) Light sensitive seborrhoeide. Arch Dermatol 75: 245-248
  3. Hafeez ZH (2003) Perioral dermatitis: an update. Int J Dermatol 42: 514-517
  4. Kalkoff KW et al. (1977) Zur Pathogenese der perioralen Dermatitis. Hautarzt 28: 74
  5. Nolting S et al. (1977) Entstehung und Bedeutung der perioralen Dermatitis. Münch Med Wochenschr 110: 49
  6. Takiwaki H et al. (2003) Differences between intrafollicular microorganism profiles in perioral and seborrhoeic dermatitis. Clin Exp Dermatol 28: 531-534
  7. Tempark T et al. (2014) Perioral dermatitis: a review of the condition with special attention to treatment options. Am J Clin Dermatol 15:101-113
  8. Wagner G et al. (2014) Childhood granulomatous periorificial dermatitis. Hautarzt 65:903-907

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