Penicillium marneffei Mykose B49; B48.4

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Penicillium marneffei

Erstbeschreiber

Capponi et al., 1956; Di Salvo et al. (1973)

Definition

Systemische Mykose durch Infektion mit Penicillium marneffei.

Erreger

Penicillium marneffei (dimorpher Pilz), einziger human-pathogener Erreger der Gattung Penicillium. Natürliches Reservoir sind Bambusratten (insbes. Rhizomys pruinous senex, Cannomys badius, Rhizomys pruinosus, R. sumatrensis) und mit Rattenfäkalien kontaminierte bzw. von Ratten bewohnte Böden.

Vorkommen/Epidemiologie

Geographische Restriktion auf Endemiegebiete in Südost-Asien (v.a. Nord-Thailand, Hong Kong, Vietnam, Indonesien, Laos, China, Taiwan, Kambodscha, Malaysia, Singapur und Myanmar). Laut Fallstudien auch vereinzelt bei HIV-positiven Migranten- oder Patienten mit zeitnahen Reisen in Endemiegebiete in Australien, Japan, USA, Europa, Deuschland auftretend. Inzidenz bei HIV-Infizierten in Asien: 10-20%.

Ätiopathogenese

Infektion mit dem Erreger per inhalationem. Die meisten Infektionen treten in Endemiegebieten während der Regenzeit auf, während der die Bambusratten sich intensiv vermehren. Für eine mögliche Infektion nach Verzehr infizierter Bambusratten gibt es bislang keine Hinweise.

Manifestation

Selten bei immunkompetenten Erwachsenen auftretend, gelegentlich bei Kindern oder Alten. Sehr häufig bei HIV-Infizierten mit fortgeschrittenem Immundefekt jeden Alters (in Asien gilt die Mykose als AIDS-definierende Erkrankung, auch wenn sie in den CDC-Klassifikationen bislang nicht aufgeführt wird). Keine Geschlechtsbevorzugung.

Klinisches Bild

  • Die Inkubationszeit ist abhängig vom Immunstatus und variiert meist zwischen einigen Tagen oder wenigen Wochen. Bei Immunkompetenz klinisch inapparenter Verlauf.
  • Insbes. bei Immunsuppression kann es zur Dissemination mit Fieber, Hepatosplenomegalie, Anämie und Gewichtsverlust kommen. In 60-80% der klinisch apparenten Infektionen kommt es zur Hautmanifestation mit Molluscum contagiosum-ähnlichen, vereinzelten oder gruppierten, manchmal linear angeordneten stecknadelkopf- bis erbsgroßen, meist breit aufsitzenden, zentral gedellten, weißlichen, gelblichen, blassrosa oder rosa Knötchen von 2-5 mm Durchmesser. Disseminiertes Auftreten von vielen hunderten Tumoren ist bei AIDS nicht selten. Häufig sind auch kutane oder subkutane Abszesse.

Histologie

Intrazellulär hefeähnliche Zellen, die z.T. eine Querteilung erkennen lassen.

Diagnose

  • In Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik: kultureller Erregernachweis aus dem Respirationstrakt (Abstrich oder Lavage), aus Blutkulturen, Knochenmarksbiopsat, Hautbiopsien, Urin. P. marneffei ist auf herkömmlichen Pilznährböden (z.B. Kimmig Agar, Sabouroud Agar) innerhalb weniger Tage problemlos anzüchtbar. Empfohlen wird die parallele Anzucht bei 30 °C (Myzelphase) und 37 °C (Hefephase überwiegt).
  • Serologie: Antikörpernachweis mittels Immundiffusion, ELISA oder Western-Blot ist möglich und auch bei HIV-Infektion u.U. positiv.

Therapie

  • Behandlung der Grunderkrankung.
  • Initial Amphotericin B 0.6 mg/kg KG/Tag für 2 Wochen p.o. oder i.v. Anschließend Itraconazol (z.B. Sempera) 2mal/Tag 200 mg p.o. für 10 Wochen bzw. bis zum Abheilen der Infektion. Anschließend lebenslange Sekundärprophylaxe mit Itraconazol 200 mg/Tag p.o.

Literatur
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  1. Capponi M, Sureau P, Segretain G (1956) Penicillose de Rhizomys sinensis. Bull Soc Pathol Exot Fil 49: 418-421
  2. Chaiyaroj SC et al. (2003) Antigen detection assay for identification of Penicillium marneffei infection. J Clin Microbiol 41: 432-434
  3. Di Salvo A, Fickling A, Ajello L (1973) Infection caused by Penicillium marneffei: description of first natural infection in man. Am J Clin Pathol 60: 259-263
  4. Ranjana KH et al. (2002) Disseminated Penicillium marneffei infection among HIV-infected patients in Manipur state, India. J Infect 45: 268-271
  5. Walsh TJ et al. (2004) Infections due to emerging and uncommon medically important fungal pathogens. Clin Microbiol Infect 10(Suppl1): 48-66
  6. Wang JL et al. (2003) Disseminated Penicillium marneffei infection in a renal-transplant recipient successfully treated with liposomal amphotericin B. Transplantation 76: 1136-1137
  7. Yousukh A et al. (2004) Clinicopathologic study of hepatic Penicillium marneffei in Northern Thailand. Arch Pathol Lab Med 128: 191-194

Verweisende Artikel (1)

Penicillium marneffei;

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