Pediculosis capitis B85.0

Zuletzt aktualisiert am: 26.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

head lice manifestation; Kopflausbefall; Kopfläuse; Läuse; Läuseekzem; Weichselzopf

Definition

Infektion mit Kopfläusen.

Vorkommen/Epidemiologie

Der Befall mit Kopfläusen nimmt weltweit zu. In den Industrieländern wird die Prävalenz auf 1-3% geschätzt. Die Pediculosis capitis gilt als die häufigste Epizoonose im Kindesalter. Pro Jahr werden 16 von 100 Kindern mit Kopfläusen neu infiziert. Über kleine Endemien wird immer wieder bericchtet.

Ätiopathogenese

Übertragung meist direkt von Mensch zu Mensch, selten über andere Gebrauchsgegenstände, wie z.B. Mützen, Kämme, Bürsten.

Manifestation

Vor allem bei Kindern (v.a. im Alter von 5-11 Jahren) und Menschen mit langen Haaren auftretend. Kopfläuse werden v.a. in den Wintermonaten übertragen.

Lokalisation

Befallen sind Kopfhaar, Schläfenregion, Nacken, Retroaurikulärregion. Selten Befall von Bart- und Schamhaaren.

Klinisches Bild

Stunden bis Tage nach dem Biss der Kopfläuse treten hochrote, urtikarielle, stark juckende Papeln sowie Kratzeffekte mit nachfolgender Ekzematisation (Läuseekzem) und ggf. Impetiginisierung auf. Sekretaustritt bewirkt Verklebung und Verfilzung des Haares ("Weichselzopf"). Schmerzhafte Lymphadenitis im Okzipital- und Halsbereich.

Diagnose

Nissennachweis per Inspektion (evtl. mit Lupe) und Nissenkamm. Nissen haften an den Haarschäften und sind mit bloßem Auge als feine, knospenartige, etwa 0,8 mm große Knötchen erkennbar. Dunkle Nissen enthalten noch Larven, helle Nissen sind leere Hüllen. Nissen sind im Gegensatz zu Kopfschuppen schwer abstreifbar. Empfohlen wird das Haar nach einer Pflegespülung Strähne für Strähne mit einem Läusekamm durchzugehen. Nach jedem Kammstrich sollte der Kamm auf einem hellen Tuch abgestrichen werden. Die sich rasch bewegenden Läuse sind bei Inspektion meist nicht sichtbar.

Differentialdiagnose

Seborrhoisches Kopfekzem; Tinea capitis, Impetigo contagiosaPityriasis amiantacea,  

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Naturheilkunde

  • Kokosölhaltige Präparate (z.B. Aesculo Gel L)
  • Sojaöl (Mosquito Läuse-Shampoo) 
  • Weniger gut belegt ist die Wirksamkeit von TeebaumölLavendelöl und Anis.

Hinweis(e)

  • Kopfläuse können nur kriechen, nicht springen!
  • Es besteht für Pediculosis capitis keine ärztliche Meldepflicht gemäß § 6  IfSG (Infektionsschutzgesetz). Jedoch sind Leiter(innen) von Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergärten, Schulen), gemäß §34 Abs. 6 IfSG verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich über einen festgestellten Kopflausbefall zu unterrichten und personenbezogene Angaben zu machen.
  • Der Befall mit Kopfläusen ist nicht von hygienischen Bedingungen abhängig. Häufiges Haarwaschen führt höchstens zu "sauberen Läusen"!
  •  Lindan ist seit 2008 durch die WHO zur Anwendung am Menschen verboten!

Literatur
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  1. Chosidow O et al. (2010) Oral ivermectin versus malathion lotion for diffcult to treat head lice. N Engl J Med 362: 1199-1201
  2. Feldmeier H (2017) Das macht den Kopfläusen den Garaus. Hautnah Dermatologie  33: 38-40.
  3. Hausstein UF (1991) Pyrethrine und Pyrethroide (Permethrin) bei der Behandlung von Skabies und Pediculosis. Hautarzt 42: 9-15
  4. Jones KN et al. (2003) Review of common therapeutic options in the United States for the treatment of pediculosis capitis. Clin Infect Dis 36: 1355-1361
  5. Nenof P (2014) Pediculosis capitis. Hautnah 30: 37-39
  6. Nofal A et al. (2010) Orales Ivermectin gegen Kopfläuse: ein Vergleich mit 0,5% topischer Malathionlotion. JDDG 8: 985-989
  7. Steinhorst M (2004) Kokosöl als therapeutische Alternative. Hautarzt 55: 329-330
  8. Witkowski JA, Parish LC (2002) Pediculosis and resistance: the perennial problem. Clin Dermatol 20: 87-92

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