Pediculosis capitis B85.0

Zuletzt aktualisiert am: 16.11.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Head lice manifestation; Kopflausbefall; Kopfläuse; Läuse; Läusebefall; Läuseekzem; Trichom; Weichselzopf

Definition

Infektion mit Kopfläusen.

Vorkommen/Epidemiologie

Der Befall mit Kopfläusen nimmt weltweit zu. Die Pediculosis capitis gilt als die häufigste Epizoonose im Kindesalter. Weltweit werden mehr als 100 Mio. Infestationen pro Jahr vermutet. In den Industrieländern wird die Prävalenz auf 1-3% geschätzt. Über kleine Endemien wird immer wieder berichtet.

Ätiopathogenese

Die Übertragung erfolgt meist direkt von Mensch zu Mensch, selten über andere Gebrauchsgegenstände, wie z.B. Mützen, Kämme, Bürsten.

Manifestation

Vor allem bei Kindern (v.a. im Alter von 5-11 Jahren) und Menschen mit langen Haaren auftretend. Kopfläuse werden v.a. in den Wintermonaten übertragen.

Lokalisation

Befallen sind Kopfhaar, Schläfenregion, Nacken, Retroaurikulärregion. Selten Befall von Bart- und Schamhaaren.

Klinisches Bild

Stunden bis Tage nach dem Biss der Kopfläuse treten hochrote, urtikarielle, stark juckende Papeln sowie Kratzeffekte mit nachfolgender Ekzematisation (Läuseekzem) und ggf. Impetiginisierung auf. Sekretaustritt bewirkt Verklebung und Verfilzung des Haares ("Weichselzopf"). Schmerzhafte Lymphadenitis im Okzipital- und Halsbereich.
Pediculosis capitis: Kopflaus 

Diagnose

Nissennachweis per Inspektion (evtl. mit Lupe) und Nissenkamm. Nissen haften an den Haarschäften und sind mit bloßem Auge als feine, knospenartige, etwa 0,8 mm große Knötchen erkennbar. Dunkle Nissen enthalten noch Larven, helle Nissen sind leere Hüllen. Nissen sind im Gegensatz zu Kopfschuppen schwer abstreifbar. Empfohlen wird das Haar nach einer Pflegespülung Strähne für Strähne mit einem Läusekamm durchzugehen. Nach jedem Kammstrich sollte der Kamm auf einem hellen Tuch abgestrichen werden. Die sich rasch bewegenden Läuse sind bei Inspektion meist nicht sichtbar.

Therapie allgemein

Schulverbot, kein Besuch von Kindergärten.

Sanierung der Umgebung (Kontaktpersonen, Perücken, Haarteile, Hüte, Kämme usw.). Sanierung: Gegenstände 3 Tage bei Zimmertzemperatur in einem Plastikbeutel verschlossen aufbewahren.

Kleidung und Bettzeug bei 60ºC waschen (Kochwäsche) oder chemisch reinigen.

Externe Therapie

Standardtherapien: Nicht nur die Läuse sondern auah die Embryonen in den Nissen müssen sicher abgetötet werden!

  • Auskämmen der angefeuchteten mit einem Conditioner (oder besser zuvor mit Malathion [Organoderm; über die internationale Apotheke erhältlich]) behandelten Haare mit einem feinen Nissenkamm (Zahnabstand 0,2 mm) Strähne für Strähne auskämmen.
  • Dimeticon-Präparate (=Polydimethylsiloxan; z.B. EtoPril, Nyda, Jacutin Pedicul Fluid) oder Kombinationen aus Silikonölen und Rizinusöl (z.B. Itax) wirken durch das physikalische Prinzip der Ausbildung eines atmungsdichten Öl- oder Silikonfilms. Hierdurch werden die Läuse erstickt.
    • Aesculo Gel L  Silikon/Rizinusöl: mindestens 1-2 Stunden anwenden und anschließend auswaschen.
    • Jacutin Pedicul®: 10 Minuten Einwirkzeit, danach Auskämmen der Haare mit einem Nissenkamm, anschließend Haare mit Shampoo lauwarm waschen. Die Anwendung sollte 2mal im Abstand von 3-7 Tagen durchgeführt werden. Kann in jedem Alter angewendet weren. Auch bei Schwangertschaft und während der Stillzeit.
    • EtoPril ® eine 4% Dimeticon-Applikation; Einwirkzeit: 8 Stunden. Anschließend auswaschen.  
  • 1% Permethrin-Creme (z.B. Nix Creme; in Deutschland nicht zugelassen, Off-Label-Use!) bzw. 0,5% Permethrin-Spiritus (z.B. Infectopedicul) mit guter antiparasitärer aber auch relativ guter ovozider Wirkung. Einmalige Einreibung des Haares über 30-45 Min., anschließend Auskämmen der Nissen mit einem feinen Kamm.

Alternativtherapien:

  • Pyrethrum-Extrakt, z.B. Goldgeist forte Lsg., auf behaarten Kopf auftragen und verteilen. Einwirkzeit 30 Min., anschließend mit klarem Wasser ausspülen. Cave! Bei Säuglingen Prozedur nur unter ärztlicher Aufsicht durchführen! Substanz wirkt auf die Kopfhaut reizend u. kann beim Auftragen Brennen verursachen. Nicht auf Schleimhäute bringen, Augen schützen! Pyrethrum gehört zu den Pyrethroiden, einer chemisch nicht exakt definierten Mixtur aus versch. Pyrethrinen, Cinerinen, Jasmolinen. Pyrethrine sind insektizide Inhaltsstoffe von Chrysanthemum cinerariifolium und anderen Chrysanthemenarten; chemisch handelt es sich um Ester aus der Chrysanthemumsäure oder der Pyrethrinsäure.
  • Allethrin I, ein synthetisches Analogon des Pyrethrins ( Pyrethroide, synthetische Strukturverwandte der natürlich vorkommenden Pyrethrine), z.B. Jacutin Pedicul Spray. Auf den behaarten Kopf aufsprühen, 10-30 Min. einwirken lassen, ausspülen. Achtung: Das Präparat ist Schleimhaut-reizend. Keine Anwendung bei Asthmatikern.

Spezielle Fragestellungen

  • Behandlung der Nissen: Vorbehandlung mit einer 3% Essiglösung (1 Teil 6% Speiseessig/2 Teile Wasser) zur Lösung des Klebstoffs, mit dem die Nissen am Haarschaft anhaften. Das Haar wird mit der Essiglösung getränkt, ein Handtuch angefeuchtet und um den Kopf gewickelt. Nach einer Stunde Handtuch entfernen, Nissen mit Läusekamm auskämmen.
  • Schwangerschaft: Einsatz von pflanzlichen Pyrethrum-Extrakten (z.B. Goldgeist forte) oder Allethrin (z.B. Jacutin Pedicul Spray, Kontraindikation im 1. Trimenon), s.o..
  • Verfilzung der Haare: Abschneiden der Haare ist dringend zu empfehlen!
  • Pyodermisierung: Bei ausgeprägter pyodermisierter Dermatitis des Kapillitiums und des Nackens mit Lymphknotenschwellungen empfiehlt sich der interne Einsatz von Trimethoprim/Sulfamethoxazol (z.B. Cotrimox Wolff; Erwachsene u. Kinder über 12 J. 2mal/Tag 2 Tbl.) oder eines Breitbandantibiotikums (z.B. Doxycyclin 100-200 mg/Tag p.o.) über 6 Tage. Trimethoprim/Sulfamethoxazol tötet lebende (blutsaugende) Kopfläuse ab.
  • Nachbehandlung des entzündlich veränderten Kapillitiums mit einer Glukokortikoid-haltigen O/W-Emulsion (z.B. Hydro-Wolff, als Rezeptur: Hydrocortison-Emulsion hydrophile 0,5–1%).

Interne Therapie

Bei Therapieversagen der lokalen Therapiemethoden kann orales Ivermectin als orale Einmalgabe (200 ug/kgKG p.o.) mit gutem Erfolg verordnet werden ( Off-Label-Use; Evidenzlevel Ib).

Naturheilkunde

  • Kokosölhaltige Präparate (z.B. Aesculo Gel L)
  • Sojaöl (Mosquito Läuse-Shampoo) 
  • Weniger gut belegt ist die Wirksamkeit von TeebaumölLavendelöl und Anis.

Hinweis(e)

  • Kopfläuse können nur kriechen, nicht springen!
  • Es besteht für Pediculosis capitis keine ärztliche Meldepflicht gemäß § 6  IfSG (Infektionsschutzgesetz). Jedoch sind Leiter(innen) von Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergärten, Schulen), gemäß §34 Abs. 6 IfSG verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich über einen festgestellten Kopflausbefall zu unterrichten und personenbezogene Angaben zu machen.
  • Der Befall mit Kopfläusen ist nicht von hygienischen Bedingungen abhängig. Häufiges Haarwaschen führt höchstens zu "sauberen Läusen"!
  •  Lindan ist seit 2008 durch die WHO zur Anwendung am Menschen verboten!

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Chosidow O et al. (2010) Oral ivermectin versus malathion lotion for diffcult to treat head lice. N Engl J Med 362: 1199-1201
  2. Feldmeier H (2017) Das macht den Kopfläusen den Garaus. Hautnah Dermatologie  33: 38-40.
  3. Hausstein UF (1991) Pyrethrine und Pyrethroide (Permethrin) bei der Behandlung von Skabies und Pediculosis. Hautarzt 42: 9-15
  4. Jones KN et al. (2003) Review of common therapeutic options in the United States for the treatment of pediculosis capitis. Clin Infect Dis 36: 1355-1361
  5. Nenof P (2014) Pediculosis capitis. Hautnah 30: 37-39
  6. Nofal A et al. (2010) Orales Ivermectin gegen Kopfläuse: ein Vergleich mit 0,5% topischer Malathionlotion. JDDG 8: 985-989
  7. Steinhorst M (2004) Kokosöl als therapeutische Alternative. Hautarzt 55: 329-330
  8. Witkowski JA, Parish LC (2002) Pediculosis and resistance: the perennial problem. Clin Dermatol 20: 87-92

Disclaimer

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