Paronychia candidamycetica B37.23

Zuletzt aktualisiert am: 08.11.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Candida paronychia; Candida-Paronychie; Chronische Paronychie durch Hefepilze; Hefepilzparonychie

Definition

Langwierige chronische Paronychie meist durch Candida albicans.

Manifestation

Vorzugsweise bei Erwachsenen auftretend. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Etwa 3/4 der Fälle treten an an Zeige- oder Mittelfinger auf. Prädisponierend sind Arbeiten im feuchten Milieu sowie Arbeiten mit Kohlenhydraten. Weitere wichtige prädisponierende Faktoren sind Hyperhidrose, Akrozyanose, Immundefekte und Diabetes mellitus. Durch Verletzungen der Cuticula, z.B. bei übertriebener Nagelmaniküre können die Hefen unter den proximalen Nagelwall gelangen und sich hier vermehren.

Lokalisation

Etwa 3/4 der Fälle treten an an Zeige- oder Mittelfinger auf.

Klinisches Bild

Chronische, meist mäßig schmerzhafte Rötung und Schwellung des Nagelfalzes. Das Nagelhäutchen verliert seine Haftung an der Nagelplatte, so dass Fremdkörper eindringen können. Häufig fehlt es komplett. Nicht selten treten bakterielle Superinfektionen auf. Auf Druck oder spontan kann sich aus der Nageltasche dickliches weißes Material entleeren, das aus Hornbestandteilen, Eiter und Pilzelementen besteht.  

S.a.u. Onychia candidosa, s.a.u. Candidose.

Bei längerem Bestand kann es zu Wachstumsstörungen mit  Verdickung, Verfärbung, Oberflächenrifelung der Nagelplatte kommen sowie zu einer Onycholyse. In dieser Konstellation ist eine Candida-Onychomykose möglich.    

Therapie allgemein

Prädisponierende Faktoren nach Möglichkeit ausschalten (z.B. Immundefekte, Diabetes mellitus, Akrozyanose, Hyperhidrose, ggf. Berufswechsel bei Bäckereiberufen, Krankenpflege u.a.).

Externe Therapie

Bei mykotischem Befall von Nagel, Nagelbett und Nagelwall ist die operative Entfernung des Nagels empfehlenswert, die Infektion heilt hierunter prompt ab. Ein Behandlungsversuch mit einem antimykotischen Nagellack (z.B. Loceryl Nagellack; Amorolfin) kann sinnvoll sein. Bei nicht komplizierter Paronychie (Nagel und Nagelbett sind frei) sorgfältige antimykotische Lokaltherapie mit einem Breitbandantimykotikum wie Amorolfin-Nagellack/Creme (z.B. Loceryl) oder Bifonazol (z.B. Mycospor) als Lösung auftragen, anschließend Creme oder Salbe in dicker Schicht. Verband anlegen, ggf. stundenweise Okklusion mit Gummifingerling.

Regelmäßige prophylaktische Händedesinfektion (z.B. Desinfektionsspiritus (NRF 11.27.)). Kein Schneiden des Nagelhäutchens. Bei Verletzungen des Nagelwalls konsequente antiseptische Lokaltherapie (z.B. mit Polyvidon-Jod-Salbe R204 ). Bewährt haben sich handwarme Seifenbäder, 5-10 Min., am besten mit Kernseife, aber auch Flüssigseifen. Das Badewasser sollte milchig trüb erscheinen.

Interne Therapie

Bei komplizierter Paronychie (Nagel mykotisch befallen) hat sich Itraconazol (z.B. Sempera) bewährt, Dosierung 100 mg/Tag p.o. bis zur Heilung oder als Intervalltherapie 2mal/Tag 200 mg über 7 Tage, 3 Wochen Pause und Wiederholung des Zyklus noch 2mal.

Alternativ: Fluconazol (z.B. Diflucan Derm) 50 mg/Tag p.o. bis zur Heilung.

Literatur
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  1. Crawford F et al. (2002) Oral treatments for toenail onychomycosis: a systematic review. Arch Dermatol 138: 811-816
  2. Ellis DH (1999) Diagnosis of onychomycosis made simple. J Am Acad Dermatol 40: S3-S8
  3. Gupta AK et al. (2003) Non-dermatophyte onychomycosis. Dermatol Clin 21: 257-268
  4. Gupta AK et al. (2000) Itraconazole pulse therapy for the treatment of Candida onychomycosis. J Eur Acad Dermatol Venereol 15: 112-115
  5. Hay RJ (1999) The management of superficial candidiasis. J Am Acad Dermatol 40: S35-S42

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