Papel

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Blatter; Erhabenheit der Haut; Knötchen; Papula; papule

Definition

Flache, kugelige oder spitzkegelige die Haut überragende, bis zu 1,0 cm durchmessende (größere erhabene Effloreszenzen werden als Plaque oder Knoten bezeichnet) Effloreszenz unterschiedlicher Farbe, Konsistenz und Konfiguration. Ihre Konsistenz reicht von weich, fest bis hart (z.B. Calcinosis cutis). Ihre Oberfläche kann glatt, rau oder schuppig sein. In einem Schnittmuster stellen sich Papeln als flache, flach-ovale, halbkugelige oder spitzkegelige Erhabenheiten dar.

Allgemeine Information

Zu unterscheiden ist bei der differenzialdiagnostischen Einordnung einer Hauterkrankung zwischen einer solitären Papel oder zwischen multiplen Papeln als Teilsymptom einer lokalisierten oder generalisierten Erkrankung (z.B. papulösem Exanthem bei einer unerwünschten Arzneimittelreaktion oder bei einer klassischen Infektionskrankheit). Diese Unterscheidung ist in den meisten Fällen blickdiagnostisch möglich. Sie ist für den weiteren Untersuchungsgang (ausschließlich regionale Untersuchung oder Ganzkörperuntersuchung) von entscheidender Bedeutung. Andere wegweisende, blickdiagnostisch zu erfassende Aspekte sind das Verteilungsmuster eines papulösen oder makulo-papulösen Exanthems, dessen Dynamik sowie die Beurteilung des Allgemeinzustandes.

Diagnose

Grundsätzlich sind bei der differenzialdiagnostischen Beurteilung einer Dermatose die sich durch Papeln definiert, zahlreiche verschiedene klinische Aspekte zu berücksichtigen und zu bewerten. Hierzu gehören:
  • Größe
  • Anzahl und Verteilung (solitär, multipel, gruppiert, disseminiert, exanthematisch)
  • Anordnung und Form (gyriert, herpetiform, serpiginös, in Blaschko-Linien, segmental, anulär, polygonal, netzartig
  • Strukturelle und funktionelle Zuordnung (follikulär, Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Kontaktstellen bzw. durch exogenen Auslöser definiert (z.B. Kontaktstelle, heliotrop, zufällig, textilbedeckt)
  • Topographische Zuordnung (verschiedene Körperregionen, Felderhaut, Leistenhaut, Gesicht, Nase, Ohrmuschel, Kapillitium, intertriginös)
  • Begrenzung (scharfrandig, unscharf, bogig, zackig, zufällig)
  • Farbe (mattrot, hellrot, sattrot, hämorrhagisch, Übergang zur Purpura, blaurot)
  • Temperatur (hypo-, normo-, hypertherm)
  • Konsistenz (unverändert, leicht bis mäßig erhöht [palpables Erythem]/ Übergang zur Papel)
  • Symptomatik (milder Juckreiz, starker Juckreiz, brennender Juckreiz, Schmerz)
  • Vergesellschaftung mit Fieber und/oder sonstigen Allgemeinsymptomen (Arthralgien, intestinale Symptome, Abgeschlagenheit)
  • Vergesellschaftung mit Stoffwechselerkrankungen, Schwangerschaft, malignen Tumoren, Autoimmunerkrankungen
  • Dynamik (statisch, akut flüchtig, akut persistierend, chronisch persistierend, Crescendoreaktion mit ansteigender Dynamik, Wellendynamik, mit ansteigender Phase-Plateauphase und Decrescendophase)
  • Auslösung: Exogene Auslösung: Physikalisch: Kälte,Wärme, Druck, UV, Licht), biochemisch (Anstrengung; Wasser; Irritanzien), allergisch (Kontaktallergene)
  • Auslösung: Endogene Auslösung: bakterielle, virale, mykotische Infekte, UAW (Arzneimittelreaktionen), Nahrungsmittelallergien.

Literatur
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  1. Altmeyer P (2007) Dermatogische Differenzialdiagnose. Der Weg zur klinischen Diagnose. Springer Medizin Verlag, Heidelberg
  2. Nast A, Griffiths CE, Hay R, Sterry W, Bolognia JL. The 2016 International League of Dermatological Societies' revised glossary for the description of cutaneous lesions. Br J Dermatol. 174:1351-1358.
  3. Ochsendorf F et al. (2017) Untersuchungsgang und Effloreszenzenlehre. Hautarzt 68: 229-242 

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