Pachyonychia congenita Q84.9

Zuletzt aktualisiert am: 04.10.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Jadassohn-Lewandowsky-Syndrom; Keratosis congenita multiplex; Keratosis disseminata circumscripta; Leukokeratosis linguae; MIM 167200; Pachyonychia ichthyosiformis; Pachyonychie-Syndrom; Polykeratosis congenita

Erstbeschreiber

Jadassohn u. Lewandowsky, 1906

Definition

Unter dieser Bezeichnung wird eine Gruppe von ektodermalen Dysplasie-Syndromen, mit meist autosomal dominanter Vererbung und  unterschiedlich stark ausgeprägten Verhornungsstörungen der Haut (Keratosis palmoplantaris) und der Schleimhäute sowie ausgeprägten Nageldystrophien zusammengefasst.

Einteilung

Die Pachyonychia congenita wird nach den heutigen Erkenntnissen in 4 klinische Subgruppen unterteilt (PC1-4):

  • Typ I: Jadassohn-Lewandowsky Typ (PC-1; OMIM 167200) - Mutation in den Genen KRT17 oder KRT6B (Chromosom 17q12-q21)
  • Typ II: Jackson-Lawler Typ (PC-2; OMIM 167210) - Mutationen in KRT6b und KRT17, Gene die für die jeweiligen Keratine kodieren und die auf Chromosom 17q12-q21 sowie auf 12q13 lokalisiert sind.
  • Typ III: (PC-3; OMIM 615726)- Mutationen in KRT6a, ein Gen das auf Chromosom 12q13.13 lokalisiert ist.
  • Typ IV: (PC-4; OMIM 61528) - Mutationen in KRT6b, einGen das auf Chromosom 12q13.13 lokalisiert ist.

Weiterhin existiert ein spätmanifestierter Typus (Pachyonychia congenita tarda) der entweder dem PC-1-Typ oder dem PC-2-Typ ähnelt.  

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz: 0,5-1/100.000 Einwohner/Jahr.

Ätiopathogenese

Überwiegend autosomal-dominant vererbte Mutationen in den Keratingenen KRT6a, 6b (Genlokus: 12q13) sowie KTR16, 17 (Genlokus: 17q12-q21); seltener autosomal-rezessive Vererbung und Spontanmutationen.

Die beschriebenen Mutationen der Keratingene KRT16 u. KRT17 betreffen das Helixinitiationsmotiv, ein funktionell bedeutsamer Abschnitt am Beginn der helikalen Struktur der Keratinmonomere. Diese sind für eine ungestörte Bildung von Keratinfilamenten von entscheidender Bedeutung. Hierdurch entstehen Funktionsdefizite der Keratinozyten, z.B. auf normale mechanische Belastung.

Durch Keratingenmutationen verklumpen sich die Keratinfilamente und können nicht mehr mit anderen Zytoskelettstrukturen interagieren. Hieraus resultiert eine verminderte mechanische Belastbarkeit des epithelialen Verbandes.

Manifestation

Meist kongenital. Spätmanifestationen zwischen 10.-30. LJ sind laut Kasuistiken beschrieben.

Klinisches Bild

Angeborene krallenförmige, verdickte Finger- und Zehennägel. Inselförmige oder streifige Palmar-, seltener Plantarkeratosen (PC1), häufig Hyperhidrose. Umschriebene Keratosen an Zehen, Fußsohlen, Ferse, Ellenbogen und Knien. Sebostase und Blasenbildung sind möglich.

  • Schleimhautveränderungen: Weißliche, streifige Plaques an Zunge, Mundwinkeln, Mundschleimhaut und Kehlkopf (Leukokeratosen v.a. PC1 - s. orale Leukoplakie).
  • Augenveränderungen: Verdickung und Trübung der Hornhaut, Katarakt.
  • Multiple Zysten (PC2), die sich ers nach der Pubertät entwickeln 
  • Begleitsymptome: Spina bifida occulta, Divertikulitis, Herzanomalien, Zahnanomalien = Indikator für PC2 (s.u. Dentes connat). Bei einigen Patienten mit PC-2 lassen sich Pili torti nachweisen.

Differentialdiagnose

Externe Therapie

Umschriebene Keratosen, insbes. palmar und plantar mit Salicylsäure-haltigem Pflaster (z.B. Guttaplast Pflaster) in Kombination mit Hornhauthobel oder Salicylsäure-haltigen oder Harnstoff-haltigen Rezepturen wie R215 oder R105 behandeln. Zur Onycholyse hoch konzentriert Harnstoff-haltige Externa anwenden (z.B. 40% Harnstoff-Paste, Onychomal Creme, Harnstoff-Paste 40% (NRF 11.30.). Orthopädisches Schuhwerk ggf. nach Hilfsmittelverordnung verwenden.

Interne Therapie

Unter Acitretin (Neotigason) werden gute Resultate beschrieben, initial 0,5–1 mg/kg KG/Tag, Erhaltungsdosis 0,2–0,5 mg/kg KG/Tag. Relativ hohe Dosierung scheint erforderlich.

Hyperkeratosen an der Haut sind hierunter besser rückläufig als Nagelveränderungen.

Rapamycin (m-TOR-Inhibitor) zeigte hinsichtlich der Keratosen eine Besserung der Symptome. 

Operative Therapie

Abschleifen der Nägel. Ggf. operative Entfernung der Nägel einschließlich des Nagelbettes.

Hinweis(e)

Assoziationen mit eruptiven Vellushaar-Zysten sowie mit Steatocystoma multiplex wurden beobachtet (ebenfalls Mutationen des K17 Gens).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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