Opioidrezeptoren

Zuletzt aktualisiert am: 01.12.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Opioid Receptor; Opioid-Rezeptor; Opioid-Rezeptoren

Definition

V.a. im ZNS, aber auch in vielen anderen Geweben (beispielsweise im Darm oder der Haut) vorkommende Transmembranrezeptoren, die der Familie der Endorphin-Rezeptoren zuzurechnen sind (Dhaliwal A et al. 2019).

Einteilung

Opioidrezeptoren lassen sich in  Hauptruppen und einige Untergruppen klassifizieren:

  • µ-Rezeptoren (Mü-Rezeptoren: (Mü1, Mü2, Mü3): Stimulation dieser Rezeptoren bewirkt supraspinale Analgesie, Atemdepression, Miosis, Bradykardie und Euphorie. Die antitussiven Effekte und die spastische Lähmung des Darmes, die durch µ-Rezeptoren vermittelt werden, gehören zu den häufigsten Effekten, die man durch die therapeutische Gabe von Opiatderivaten (Codein, Loperamid) erreichen will. Die regelmäßige Stimulation der µ-Rezeptoren führt zu Toleranzentwicklung und Abhängigkeit.
  • κ-Rezeptoren (Kappa-Rezeptoren:  (kappa1, kappa2, kappa3): Stimulation bewirkt spinale Analgesie, Sedierung, ebenfalls Miosis und unter Umständen auch Dysphorie.
  • σ-Rezeptoren (Sigma-Rezeptoren): Bei Reizung erfolgen Kreislaufstimulation und Mydriasis. Es treten Toleranz und Dysphorie/Haluzinationen auf.
  • δ-Rezeptoren (Delta-Rezeptoren; delta1, delta2): Reizung ruft eine stressinduzierte und spinale Analgesie sowie Atemdepression, Hypotonie und Toleranzentwicklung hervor
  • Opioidrezeptor like-1 (ORL1)

Allgemeine Information

Opiate, Opioide sowie die Endorphine entfalten ihre Wirkung über eine Bindung an die spezifischen Opioidrezeptoren, die unter physiologischen Bedingungen durch entsprechende endogene Liganden (Endorphine) besetzt werden. Alle Opioidrezeptoren sind an inhibitorische G-Protein-gekoppelt und aktivieren inhibitorische G-Proteine (Al-Hasani R et al. 2011; Del Vecchio G et al. 2017). Die Rezeptoren bilden homo- und heterodimere Komplexe und induzieren Kinase-Kaskaden. Werden sie im Zentralnervensystem aktiviert, so kommt es zu einer Aktivierung von Kaliumkanälen und zu einer Inhibierung von spannungsabhängigen Kalziumkanälen und damit zu einer Hyperpolarisation der Neurone und zu einer Depolarisationshemmung. Die Folge ist eine Verminderung der Erregbarkeit der Neurone. Die Weiterleitung von neuronaler Aktivität wird gehemmt.

Es ist anzunehmen dass das endogene Opioidsystem eines der wichtigsten schmerzhemmenden Systeme des Körpers. Afferente Reize werden so moduliert, dass sie nicht ungehindert in das ZNS weitergeleitet werden. Damit wird verhindert, dass es zu einer neuronalen Übererregung und zu einer übersteigerten Schmerzempfindung kommt.

Opioidrezeptoren werden sowohl im ZNS als auch auf peripheren sensorischen Neuronen exprimiert, aber auch in vielen peripheren Organen wie z.B. dem Magen-Darm-Trakt (Stein C 2016). Unter inflammatorischen Bedingungen werden Opioidrezeptoren hochreguliert. Dies geschieht über eine vermehrte Bildung der Rezeptorproteine im Zellkern der Neurone und deren erhöhten axonalen Transport in die Peripherie. Dort führt deren Aktivierung über endogene oder exogene Liganden zu einer Hemmung der Schmerzentstehung. Immunaktive Zellen (T-Zellen) wandern in das entzündete Gewebe ein. Sie synthetisieren Opioidpeptide, die sie dann in unmittelbarer Nähe der Opioidrezeptoren freisetzen.

Opioide haben weiterhin eine immunmodulierende und immunsuppressive Wirkung. Sie können insofern das Infektionsrisiko erhöhen. Sie unterscheiden sich in ihren klinischen Effekten durch unterschiedliche Affinität zu den einzelnen Rezeptortypen. Die Wirkung von Opioiden an ihren Rezeptoren kann durch die Gabe von Opioid-Rezeptor-Antagonisten (z.B. durch die Medikamente Naloxon oder Naltrexon) aufgehoben werden.

Literatur
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  1. Al-Hasani R et al. (2011) Molecular mechanisms of opioid receptor-dependent signaling and behavior. Anesthesiology 115: 1363-1381.

  2. Clark AJ (2016) 60 YEARS OF POMC: The proopiomelanocortin gene: discovery, deletion and disease. J Mol Endocrinol 56:T27-37.

  3. Dhaliwal A et al. (2019) Physiology, Opioid Receptor. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing, PMID: 31536249.

  4. Del Vecchio G et al. (2017) Novel Opioid Analgesics and Side Effects. ACS Chem Neurosci 8:1638-1640.

  5. Dy SM, Asch SM, Naeim A et al (2008) Evidence-based standards for cancer pain management. J Clin Oncol 26:3879–3885

  6. Jage J, Jurna I (2001) Opioidanalgetika. In: Zenz M, Jurna I (Hrsg) Lehrbuch der Schmerztherapie, 2. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, S 255–280

  7. Stein C (2016) Opioid Receptors. Annu Rev Med 67:433-451.

  8. Tishevskaya NV et al. (2017) Sensitivity of T-Lymphocytes to Hormones of the Anterior Pituitary Gland. Usp Fiziol Nauk 48:80-90.

  9. Valentino RJ et al. (2018) Untangling the complexity of opioid receptor function. Neuropsychopharmacology43: 2514-2520.

Verweisende Artikel (2)

Opiate; Pruritus cholestatischer;

Weiterführende Artikel (2)

Endorphine; Opioide;
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