Noonan-Syndrom Q87.1

Zuletzt aktualisiert am: 24.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Typ-VIII- Neurofibromatose

Erstbeschreiber

Kobylinski, 1883; Noonan u. Ehmke, 1963

Definition

Autosomal dominant vererbtes dysmorphes Syndrom mit neuro-kardio-fazio-kutanen Entwicklungsstörungen sowie Wachstumsretardierugen. Es gibt phänotypische Analogien zum Ullrich-Turner-Syndrom, aber nicht dessen Chromosomenanomalien (weder in der Anzahl noch in der Struktur). Das Noonan-Syndrom wird genotypisch zusammen mit der Typ-VIII- Neurofibromatose zu den RASopathien gezählt und weist  einerseits Mutationen in Genen die direkt in die Zellproliferations-Kaskade involviert sind (SOS1, BRAF, KRAS, RAF1) andererseits Mutationen im PTPN11-Gen, das in der Steuerung von komplexen Wachstumsabläufe involviert ist (s.a LEOPARD-Syndrom)   

Vorkommen/Epidemiologie

Panethnisch; weltweit verbreitet; Inzidenz: 1/1.000-2.500 Geburten.

Ätiopathogenese

Bei 40-50% der Betroffenen sporadisch auftretende autosomal-dominant vererbte, meist aktivierende Mutationen in Genen des RAS-MAPKinase-Signalweges vor allem im PTPN11-Gen = Protein Tyrosinephosphatase Nonreceptor-type 11 Gen; Genlokus: 12q24). 

Etwas seltener sind Mutationen in den Genen SOS1, RAF1 und KRAS (Typen 4, 5 und 3). Recht selten (jeweils etwa unter 2%) finden sich Mutationen in den Genen RIT1, NRAS, MAP2K1 und BRAF.

Das PTPN 11-Gen kodiert für das SHP-2 Protein (Rezeptor-Phosphotyrosin-Phosphorylase), das eine wichtige Regulationsfunktion bei der Signalübertragung von Wachstumsfaktoren besitzt.
Mutationen auf dem PTPN 11-Gen werden in einem hohen Prozentsatz auch beim LEOPARD-Syndrom gefunden.

 

 

 

 

Manifestation

Angeboren; betrifft beide Geschlechter etwa gleich häufig.

Klinisches Bild

Kleinwuchs, tiefer Haaransatz im Nacken, Café-au-lait-Flecken (10% der Patienten) sowie gelegentlich Pterygium colli und Cutis verticis gyrata.

Weitere inkonstant auftretende kutane Anomalien sind:

  • Photosensibilität (29%)
  • diffuses Effluvium mit Alopezie (24%)
  • rezidivierende orale Ulzera (22%)
  • Käuselhaar (12%)
  • Palmo-plantare Hyperlinearität 12%)
  • Keratosis pilaris (12%)
  • Palmoplantarkeratosen (10%)
  • Cafe-au lait-Flecken (10%)
  • rarefizierte Augenbrauen (75)
  • Lymphangioma circumscriptum
  • Hpyertrophische  Kardiomyopathie (HCM; I42.2)

Die häufigsten Fehlbildungen an inneren Organen betreffen das Herz, die Nieren sowie das Skelett. Zahnstellungsanomalien sind ebenfalls häufig. Zudem häufig Kryptorchismus oder Hodenaplasie.

Bei Mädchen verläuft die Geschlechtsentwicklung bis auf eine zeitliche Verzögerung meist regelhaft.

Die geistige Entwicklung ist bei ca. 20% der Kinder verzögert.

Therapie

Lediglich symptomatisch, wie z.B. eine operative Korrektur von Herzfehlern oder des Pterygium colli.

Verlauf/Prognose

Die Lebenserwartung der Betroffenen ist gegenüber der Durchschnittsbevölkerung vermindert.

Hinweis(e)

Das Noonan-Syndrom gehört wie das LEOPARD-Syndrom zu der Familie der  familiären Lentiginose-Syndromen. Diese umfasst  weiterhin folgende Syndrome:

Literatur
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  1. Eccles D et al. (2003) Noonan syndrome: diagnostic difficulties. A case report and literature review. J Obstet Gynaecol 23: 666-667
  2. Grifone N et al. (2003) Correlation between PTPN11 gene mutations and congenital heart defects in Noonan and LEOPARD syndromes. J Med Genet 40: 704-708
  3. Gripp KW et al. (20143) Expanding the SHOC2 mutation associated phenotype of Noonan syndrome with loose anagen hair: structural brain anomalies and myelofibrosis. Am J Med Genet A 161A: 2420-1430
  4. Kobylinski O (1883) Ueber eine flughautahnliche Ausbreitung am Halse. Arch Anthrop 14: 343-348
  5. Musante L et al. (2003) Spectrum of mutations in PTPN11 and genotype-phenotype correlation in 96 patients with Noonan syndrome and five patients with cardio-facio-cutaneous syndrome. Eur J Hum Genet 11: 551
  6. Noonan JA, Ehmke DA (1963) Associated noncardiac malformations in children with congenital heart disease. J Pediatr 63: 468-469
  7. Noonan JA (1999) Noonan syndrome revisited. J Pediatr 135: 667-668
  8. Okada M et al. (2003) Oral findings in Noonan syndrome: report of a case. J Oral Sci 45: 117-121
  9. Quaio CR et al. (2013) Tegumentary manifestations of Noonan and Noonan-relatedsyndromes. Clinics (Sao Paulo) 68:1079-1083

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