Nocardiose A43.1

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Nokardiose

Erstbeschreiber

Nocard, 1888; Eppinger, 1890

Definition

Seltene, chronisch-granulomatöse bakterielle Infektionskrankheit durch Erreger der Gattung Nocardia (Aeroaktinomyzeten).

Erreger

Grampositive, aerobe Stäbchen (wurden früher wie die Aktinomyzeten den Pilzen zugeordnet), die im Erdboden verbreitet sind. Vor allem Nocardia asteroides, auch Nocardia brasiliensis, Nocardia madurae und Nocardia pelletieri.

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit, sporadisch auftretend; in den USA häufiger, in Europa sehr selten.

Ätiopathogenese

Inokulation des Erregers bei Vorliegen von Wunden (Hautnocardiose, meist Nocardia brasiliensis) oder durch Inhalation des Erregers (Lungennocardiose, meist Nocardia asteroides).

Manifestation

Meist bei immunsupprimierten Patienten (Z.n. Organtransplantation, HIV-Infektion) oder schweren Grunderkrankungen (z.B. Lupus erythematodes, systemischer) auftretend.

Klinisches Bild

  • Superfizielle Form: Vor allem an Füßen und Händen finden sich abszedierende Knoten in kettenförmiger Anordnung entlang des Lymphabflussgebietes, gelegentlich Myzetom-Bildung.
  • Lymphokutane Form durch Nocardia asteroides.
  • Pulmonale und systemische Form vor allem bei immunologisch geschwächten Patienten.

Histologie

Unspezifisches Granulationsgewebe mit einschmelzenden leukozytären Abszessen. In älteren Abszessen randständig reichlich Schaumzellen. Nokardia läßt sich in HE- und Giemsa-Schnitten nicht anfärben, jedoch mittels Gram-und Grocott-Färbungen. Hierbei finden sich in den Abszessen verklumpte Bakterienhaufen, bei denen sich randständig dünne (etwa 1 µm dick) faserförmige Strukturen mit Verzweigungen darstellen, die an ein Spinnengewebe erinnern. Im Gegensatz zur Aktinomykose fehlen Drusen stets.

Diagnose

Erregernachweis im Eiter oder Sputum.

Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Bei kutaner Form günstig. Bei pulmonaler und systemischer Form: In 50% der Fälle letaler Ausgang. Rezidivneigung.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Dorman SE et al. (2002) Nocardia infection in chronic granulomatous disease. Clin Infect Dis 35: 390-394
  2. Eppinger H (1890) Über eine neue pathogene Cladothrix und eine durch sie hervogerufene Pseudotuberculosis (Cladothrichica). Beitr Path Anat 9: 287-328
  3. Maraki S et al. (2003) Lymphocutaneous nocardiosis due to Nocardia brasiliensis. Diagn Microbiol Infect Dis 47: 341-344
  4. Naka W et al. (1995) Unusually located lymphocutaneous nocardiosis caused by nocardia brasiliensis. Br J Dermatol 132: 609-613
  5. Nocard E (1888) Note sur la maladie des boeufs de la Guadaloupe. Ann Inst Pasteur 2: 293-302
  6. Pintado V et al. (2003) Nocardial infection in patients infected with the human immunodeficiency virus. Clin Microbiol Infect 9: 716-720
  7. Rees W et al. (1994) Primary cutaneus nocardia farcinica infection after cardiac transplantation. Deutsch Med Wochenschrift 119: 1276-1280
  8. Salinas-Carmona MC (2000) Nocardia brasiliensis: from microbe to human and experimental infections. Microbes Infect 2: 1373-1381
  9. Saubolle MA et al. (2003) Nocardiosis: review of clinical and laboratory experience. J Clin Microbiol 41: 4497-4501
  10. Uttamchandani RB et al. (1994) Nocardiosis in 30 patients with advanced human immunodeficiency virus infection: clinical features and outcome. Clin Infect Dis 18: 348-53

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017