Neurofibromatose periphere Q85.0

Zuletzt aktualisiert am: 31.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Neurofibromatose Typ I; NFI

Definition

Hereditäre, autosomal-dominant vererbte, auch durch Spontanmutation hervorgerufene, neuroektodermale Systemerkrankung.

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz 1:3.500; geringe Androtropie 

Ätiopathogenese

Autosomal-dominanter Erbgang. Mutation des Genlocus q11.2 auf dem Chromosom 17. Dieser NF1-Genlokus umfasst drei Gene: OMPG (codiert für ein membrangebundenes Glykoprotein des Oligodendrozyten-Myelins), EVI2A und EVI2B (kodieren für virale Insertionssequenzen).

Das NF1-Peptid zeigt Sequenz-Homologien mit dem GTPase-aktivierenden Protein (GAP) und stimuliert die GTPase-Aktivität von  Ras.

Wenn GTPasen aktiviert werden, hydrolysieren sie GTP zu GDP und sind als solche nicht mehr in der Lage, ihren Effektor zu stimulieren. Defekte GAPs können ein mitogenes Signal nicht mehr abschalten, die Zellen proliferieren unkontrolliert.

Manifestation

Das Auftreten von Café-au-lait-Flecken ist ab Geburt möglich, meist jedoch in den ersten Lebensmonaten bis zum 2. Lebensjahr. Dermale Neurofibrome entwickeln sich erst später zwischen dem 10 und 16 Lebensjahr.

Klinisches Bild

  • Pigmentflecken:
    • Café-au-lait-Flecken (> 95% der Fälle): etwa 80% der Pat. weisen > 6 Café-au-lait-Flecken auf. Dieses Symptom kann aber ebenfalls bei 10% der nicht betroffenen Bevölkerung auftreten.
    • Axillary freckling (etwa 90% der Pat.; = Crowe-Zeichen); Pigmentierungen der Mundschleimhaut.
    • Naevi: Melanozytäre Naevi (Vorkommen geringer als bei der durchschnittlichen Bevölkerung)
    • Weiterhin möglich ist das Auftreten von Hämangiomen, Lymphangiomen, Lentigines und Naevi spili
    • Bei >50% der Patienten mit Neurofibromatose Typ I wird ein N. anaemicus gefunden gfls. zusammen mit einem juvenilen Xanthogranulom.  
  • Einzelne oder zahlreiche, erbsgroße oder monströse, hautfarbene bis bläuliche, breit oder gestielt aufsitzende Papeln oder Knoten (Neurofibrome), evtl. mit Faltenbildung oder als wammenartige Gebilde, Cutis laxa.
    • Klingelknopfphänomen: Hernienartig durch die Haut hervorragende, subkutane Tumoren lassen sich mit einem Finger zurückschieben.
    • Daneben finden sich auch tiefer gelegene, häufig druckdolente, subkutane Neurofibrome als derb tastbare Knoten.
  • Neurologie: Tumoren des ZNS und neurologische Symptome treten bei der NF-1 als ernstzunehmende Probleme auf. Vor allem Tumoren der Hirnnerven können chirurgische Interventionen notwendig machen. Akustikus- und Trigeminus-Neurinome verursachen besonders Hörverlust aber auch Schmerzen. Optikus-Gliome können einseitige Blindheit; Tumore der Spinalwurzeln können Lähmungen und Schmerzen verursachen.
  • Augen: Meist Exophthalmus und Lisch-Knötchen.
    •  Lisch-Knötchen (Irishamartome): Kleine, rundliche, scharf begrenzte und leicht erhabene Veränderungen in der Regenbogenhaut. Sie haben einen hellen, gelblich bis bräunlichen Farbton. Sie gelten als wichtiges diagnostisches Kriterium bei peripherer Neurofibromatose und treten bei nahezu allen Patienten mit Neurofibromatose Typ I (> 20 Jahre) auf. Bei NFII, NFIII und NFIV kommen sie nicht vor. 
  • Skelett: Veränderungen treten bei 1/3 der Patienten als Verdickungen und Verlängerungen an den Röhrenknochen, Kyphoskoliosen (Fehlentwicklung der Wirbelkörper), Knochenzysten, pathologischen Frakturen und habituellen Luxationen auf. Weiterhin: Minderwuchs und Schädeldeformierungen.
  • Alle anderen Tumoren (spinale und periphere Neurofibrome, Schwannome der peripheren Nerven etc.) finden sich bei weniger als 5% der Patienten. Etwa ein Drittel der Patienten hat darüber hinaus unspezifische Symptome wie Schulprobleme (30%), Minderwuchs (15%), Macrozephalie (25%) und Skoliosen (30%). Pseudoarthrosen und Epilepsien treten bei weniger als 5% der Patienten auf. Ein Teil der Patienten entwickelt ein Phäochromozytom.
  •  Merke! Zu den diagnostischen Kriterien zählen die Symptome, die der allergrößte Teil der Patienten im Laufe der Erkrankung bekommt. Es entwickeln aber nicht alle Patienten alle diese Symptome, sondern lediglich eine mehr oder weniger zufällige Kombination daraus. Ärzte treffen eine statistisch geschickte Auswahl von Durchschnittssymptomen und benutzen diese als diagnostische Kriterien, um vorherzusagen, ob ein Mensch die jeweilige Krankheit hat.

Histologie

S. u. Neurofibrom

Diagnose

Therapie allgemein

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

  • Aufgrund der genetischen Mechanismen der Erkrankung entwickeln sich alle Symptome der Erkrankung erst im Laufe der Zeit. In diesem Sinne besteht auch eine Progredienz. Mit der Vielfalt der genetischen Befunde geht eine Vielfalt der Symptome und Verläufe der Erkrankung einher.
  • Die Sterblichkeit der Patienten ist im Allgemeinen erhöht.
  • Wegen des autosomal-dominanten Erbganges wird eine kritische Überprüfung des Kinderwunsches angeraten. Es scheinen Fertilitätsstörungen vorzukommen.

Literatur
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  1. Meissner M et al. (2011) Schnelle und effektive Behandlung von kleineren Neurofibromen. JDDG 9: 167-169

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Zuletzt aktualisiert am: 31.05.2018