Narbe L90.5

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cicatrix; hypertrophe Narbe; keloidige Narbe; Narben; reife Narbe; scar; überschießende Narbenbildung; unreife Narbe

Definition

Bindegewebiger Ersatz eines Substanzverlustes (Ulkus). Endzustand einer Wundheilung.

Einteilung

Narbenklassifikation nach Mustoe (hier variiert)

  • Reife Narbe (helle, flache Narbe im Hautniveau oder leicht unter dem Hautniveau)
  • Unreife Narbe (rote, manchmal juckende und selten leicht schmerzende Papel oder Plaque, minimal  erhöht)
  • Lineare hypertrophe Narbe (rote, erhabene, manchmal juckende und leicht schmerzende Narbe, Wachstum 3-6 Monate, danach Regression über 2 Jahre)
  • Flächige hypertrophe Narbe (> 0,5 cm, rot, unregelmäßig erhabene, auch knotig, deutlicher Juckreiz und Berührungsschmerz, gelegentlich auch spontaner Schmerz; initiale Wundränder werden respektiert)
  • Kleines Keloid (rot, unregelmäßiges Oberflächenniveau, auch knotig, immer Juckreiz und hochempfindlicher Berührungsschmerz, spontaner Schmerz; initiale Wundränder werden überschritten) 
  • Großes Keloid (> 0,5 cm, rot, unregelmäßiges Oberflächenniveau, plaqueförmig auch knotig, auch unregelmäßig höckerig, immer Juckreiz und hochempfindlicher Berührungsschmerz, spontaner Schmerz häufig; kontinuierliches Wachstum über 1 Jahr. Initiale Wundränder werden überschritten)
  • Atrophe Narbe: blasse, häufig multiple Hauteinsenkungen, auch schmale tiefe (ice pick), oder breite napfförmige (rolling), oder breite wie ausgestanzte (boxcar)  Einsenkungen          

Ätiopathogenese

  • Narben entstehen als Reparaturdefekt des kollagenen Netzwerkes der retikulären Dermis und ggf. auch des subkutanen Fettgewebes nach Trauma, durch eine nekrotisierende Entzündung oder (selten) durch eine Malformation.
  • Vernarbungen werden beispielsweise beobachtet als Reaktion auf mechanische Einwirkung, insbesondere auf vorgeschädigter Haut (z.B. Schädigung durch Kortikosteroide [Steroidhaut] oder senile Involution). Narben können jedoch auch bei entzündlichen oder infektiösen Erkrankungen entstehen, wenn der Krankheitsprozess an sich zur Zerstörung des dermalen Bindegewebes und/oder zur Zerstörung der Hautanhangsgebilde führt. Hierfür typische Beispiele sind der chronisch diskoide Lupus erythematodes oder der Lupus vulgaris.

Klinisches Bild

Die Epidermis in einer Narbe zeigt sich im atrophischen Endzustand verdünnt und zigarettenpapierartig gefältelt, die Hautoberfläche ist flach oder tief eingesenkt. Eine Vernarbung des Fettgewebes ist als muldenförmige Eindellung sichtbar. Narben sind mechanisch geringer belastbar und auch weniger reißfest.

Sie sind in ihrem Endzustand heller als ihre Umgebung (Verlust an Melanozyten), seltener hyperpigmentiert (dunkelhäutige Menschen).

Vereinzelt kann es zu spritzerartigen oder bizarr linearen Pigmentierungen in einer Narbenoberfläche kommen. Diese gehen meist vom Rand der Narbe aus (bei persistierenden Follikelstrukturen kann auch von diesen eine Repigmentierung im Zentrum einer Narbe ausgehen) und sind als Versuch einer Repigmentierung der pigmentlosen Narbe zu werten.

Hypertrophe Narben oder Narbenkeloide stellen sich als derbe exophytische Papeln,  Plaques oder derbe Knoten dar.

Narben können auch als derbe Bindegewebsstränge auswachsen, die unter Umständen zu möglichst zu verhindernden Bewegungseinschränkungen führen können.

Histologie

Reife ausgeheilte Narbe: Gefäße und Epidermisdicke sind im Bereich der Narbe vermindert. Die Dermis zeigt meist eine unterschiedlich dichte, oberflächenparallelisierte Anhäufung von Fibroblasten. Entzündungsparameter fehlen. Hautfelderung, Follikeleinmündungen, Papillarrelief, elastische Fasern, Haare und Hautdrüsen sind reduziert oder fehlen komplett.  

Diagnose

Narben sind blickdiagnostisch und anamnestisch einfach zuzuordnen. Die Narbenstruktur und -form wird sich an dem vorbestehenden Ulkus (Konsistenzminderung) orientieren.

Literatur
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  1. Aschoff R (2014) Therapie hypertropher Narben und Keloide. Hautarzt 65: 1067-1077
  2. Mustoe TA et al. (2005) International clinical recommendations on scar management. Plast Reconstr Surg 110: 560-571

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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