Mykobakterien

Zuletzt aktualisiert am: 06.01.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Mykobakterien sind aerobe, alkohol- und säurefeste, grampositive, schlanke, unbewegliche Stäbchen. Gemeinsames Merkmal dieser Bakterien ist die sog. Säurefestigkeit in der Ziehl-Neelsen-Färbung. 

Zu dem Mycobacterium-tuberculosis-Komplex gehören verschiedene Erreger von Hautinfektionen: M.tuberculosis, M.africanum, M. bovis u.a.

Die Lepra ist ein eigenständiger Infektionskomplex der in Deutschland sehr selten ist.  

Alle anderen Mykobakterien werden als "atypische Mykobakterien", "Nicht-Tuberkulöse Mykobakterien" (NTM) oder „Mycobacteria other than tuberculosis" (MOTT) bezeichnet. NTM kommen in der Umwelt (Boden, Wasser) vor. Bei einer Isolierung von „Nicht-Tuberkulösen Mykobakterien“ aus Patientenmaterial kann nicht zwigend von einer realen „Erkrankung“ ausgegangen werden.  

 

 

Allgemeine Definition

Zu den wichtigsten pathogenen Mykobakterien gehören:

Nicht-tuberkulöse Mykobakterien (MOTT)

  • Mycobacterium-fortuitum-Komplex (MFK)
  • Mycobacterium avium -Komplex (Lungen- und extrapulmonale Infektionen)
  • M. kansasii (Infektionen der Lungen)
  • M. scrofulaceum (Lymphadenitis)
  • M. xenopi (Infektionen der Lungen)

Seltene Mykobakterien:    

  • M. flavescens
  • M. gordonae
  • M. smegmatis
  • M. terrae
  • M. vaccae (unterschiedliche Krankheitsbilder, jeweils nur in Einzelfällen beschrieben)

Erreger

Mykobakterien sind "säurefest". Freie Mykolsäuren in der Zellwand gehen mit Karbolfuchsin (Fuchsin + Phenol) eine Komplexbindung ein. Diese Färbung wird durch HCl-Alkohol nicht entfärbt. Die "nicht-säurefesten" Bakterienwerden hingegen entfärbt werden (Prinzip der Ziehl-Neelsen-Färbung). Die entfärbten, nicht säurefesten Keime können z. B. mit Malachitgrün gegengefärbt werden. Die säurefesten Bakterien färben sich nicht an. 

Diagnose

Kultur: Die Zellteilung der Tuberkulosebakterien ist langsam und erfolgt im Abstand von 18 - 20 Stunden. Kulturen werden deshalb über einen Zeitraum von mehrere Wochen beobachtet werden. Kolonien sind frühestens nach 3 - 4 Wochen zu erkennen. Die Resistenz von Tuberkulosebakterien gegen Tuberkulostatika kann in ca. einer Woche bestimmt werden. Dabei wird das Wachstum von Mykobakterien in Anwesenheit unterschiedlicher Tuberkulostatika geprüft.

Tierversuch: Ist in der Routinediagnostik entbehrlich.

Molekularbiologische Nachweis: Möglich bei M. tuberculosis-Komplex, M. kansasii und M. avium intracellulare-Komplex. Mittels ihrer Nukleinsäuresequenz können die Erreger identifiziert werden. Dazu müssen diese vorher kultuell angezüchtet werden. Die entsprechenden Nukleinsäureabschnitte werden mit einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) amplifiziert werden.  Bemerkung: Durch die Sequenzierung von Nukleinsäuren sind auch exotische und im Labor nicht anzüchtbare Mykobakterien identifizierbar.

Resistenztestung: Eine Lungentuberkulose muss 6 Monate lang behandelt werden. Die gebräuchlichsten Medikamente sind Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA), Ethambutol (EMB) und Streptomycin (SM). V.a. bei nicht-tuberkulösen Mykobakterien müssen Resistenzen berücksichtigt werden. Eine Resistenz liegt vor, wenn die Erreger auf einem Nährboden trotz Zusatz von Tuberkulostatika wachsen. 

 

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