Molluscum contagiosum B08.1

Zuletzt aktualisiert am: 30.08.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dellwarze; Dellwarzen; Epithelioma contagiosum; Epithelioma molluscum; Molluscum-Infektionen; Schwimmbadwarzen; Warzen Dellwarzen

Erstbeschreiber

Thomas Bateman, 1817; Henderson, 1841; Juliusberg, 1905. Bateman verwendete 1817 erstmals den Begriff Molluscum contagiosum. W. Henderson beschrieb 1841 erstmals "globoide Körperchen" in den Läsionen; Juliusberg gelang 1905 die Übertragung der Infektion von Mensch zu Mensch.

Definition

Weltweit verbreitete, harmlos verlaufende, chronische, lokalisierte, nur selten (Immundefizienz) generalisierte, selbstlimitierte Infektionskrankheit der Haut, hervorgerufen durch das Molluscum-contagiosum-Virus aus der Gruppe der Poxviridae (s.u. Pockenviren). Die Infektion mit Molluscum-contagiosum-Virus ist insbes. nicht zyklisch, Virämie tritt nicht auf.

Erreger

Molluscum contagiosum Viren (MCV; Molluscipoxvirus) der Subtypen I-IV. Hierbei handels es sich um quaderförmige DNS-Viren aus der Gruppe der Pockenviren (Größe: 360 x 219 nm). MCV I in ca. 95% der Fälle, MCV II in 3-5% der Fälle, MCV III oder IV sehr selten intraläsional nachgewiesen.

Vorkommen/Epidemiologie

Das Molluscum contagiosum gehört weltweit zu den 50häufigsten Erkankungen.

Es besteht keine Geschlechtsdisposition.

Das Molluscum contagiosum ist weltweit verbreitet mit steigender Inzidenz (je nach Region 0,1-1,2% der Bevölkerung) und Endemien.

Gehäuft in tropischen Gebieten.

Ätiopathogenese

Überwiegend Übertragung von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektion über kleine Epitheldefekte, über Kleidung, Handtücher oder Geschlechtsverkehr.

Manifestation

  • Vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen. In einer größeren Studie (n=277) waren Kinder und Jugendliche zwischen 1-14 Jahre (durchschnittlich 6,7 Jahre) betroffen. 
  • Inkubationszeit: beträgt mehrere Wochen.
  • Patienten mit atopischem Ekzem neigen zu einem vermehrten Auftreten (hierbei ist disseminiertes Auftreten möglich = Eccema molluscatum). Etwa 25% der Betroffenen leiden gleichzeitig an einem (unterschiedlich intensiv ausgeprägten) atopischem Ekzem.
  • Häufig erfolgt die Infektion nach Schwimmbadbesuchen z.B. nach Baden der Kleinkindern in warmen Planschbecken. 
  • Auch bei immunsupprimierten erwachsenen Patienten (z.B. AIDS-Erkrankte).

Lokalisation

Vor allem am Oberkörper, Oberarm, Axillarfalte. Die Kombination von Armen und Rumpf ist am häufigsten anzutreffen. Seltener: Gesicht, Augenlider, Hals, Perianal- und Perigenitalregion.

Klinisches Bild

  • Überwiegend mehrzählig auftretend (etwa 75% der Betroffenen haben < 20 Dellwarzen).
  • Meist verstreute oder gruppierte, regional begrenzt auftretende, seltener auch generalisierte, gelegentlich strichförmig angeordnete (Köbner-Phänomen), feste, 0,1-0,4 cm große, meist breit aufsitzende, seltener gestielte (s. Molluscum contagiosum pediculatum), zentral gedellte, wachsartige, weißliche, gelbliche oder blassrosa Knötchen. Nach Anritzen der Oberfläche ist eine weißliche, fettige Masse exprimierbar. In seltenen Fällen erreichen Mollusken eine Größe bis zu 1,5 cm (s.u. Molluscum contagiosum giganteum).
  • Bei Immunsupprimierten (s.u. Organtransplantationen, Hautveränderungen) und Kindern mit atopischem Ekzem (s. Eccema molluscatum) können Mollusca contagiosa eruptiv generalisieren > 100 Mollusken (vergleichbar dem Eccema herpeticatum) oder auch zu großen (bis zu 10 cm Durchmesser) Plaques zusammenfließen.

Labor

Immunfluoreszenztest: In 90% Antikörper gegen das in den Epidermiszellen vorkommende Virusantigen.

Histologie

Aus mehreren Läppchen aufgebautes epitheliales Akanthom, das tief in die Dermis hineinreicht. Das Zentrum ist kraterartig eingesunken. Hier Zelldetritus und sog. Molluscumkörperchen ("Henderson-Paterson Bodies"): Kernlose, homogene, dunkelrot-violett gefärbte, epithelzellähnliche, ovoide Gebilde = virusbefallene Epidermiszellen. In frühen Läsionen findet man bei mäßiger Akanthose in den aufgetriebenen, suprabasalen Keratinozyten, kleine eosinophile, intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen. In der Dermis begleitendes lympho-histiozytäres Infiltrat.

Differentialdiagnose

Klinisch:

  • Xanthom: gelblich, fest, kine Nabelung der Oberfläche; meist höheres Alter  
  • Xanthelasma: Typische Lokalisation ist der Lidbereich. Keine zentrale Nabelung 
  • Milien: kleine, feste weiße Hornperlen, nicht exophytisch 
  • Verrucae vulgares: verruköse, nicht glänzende Oberfläche  
  • Syringom:  meist im Lidbereich, nur flach protuberierend. Höheres Alter 

Histologisch:

  • Verruca vulgaris: Virusakanthom ebenfalls mit Einschlusskörperchen. Diese zeigen jedoch nicht die typischen Merkmale der Molluscum-Körperchen (dunkel-rot violett gefärbte homogene Einschlußkörperchen mit peripherem Kern)  

Komplikation

Bakterielle Superinfektion durch Kontamination mit pyogenen Keimen.

Juckreiz mit Kratzeffekten und Inokulation weiterer Molluscum contagiosum-Viren, s.a. Eccema molluscatum.

Therapie

Therapie allgemein

Verlauf/Prognose

Bei Nachuntersuchungen größerer Kollektive heilen Mollusca contagiosa mit und ohne Therapie innerhalb von 1-62 Monaten (durchschnittlich nach 13 Monaten) ab. 

Bei rund 50% der Kinder kann die Abheilung innerhalb von 12 Monaten erwartet werden.

Bei etwa 30% der Kinder können Mollusca contagiosa nach 18 Monaten, bei etwa 15% nach 24 Monaten noch nachweisbar sein.     

Prophylaxe

Bei gefährdeten Kleinkindern ist gemeinsames "Babyschwimmen" zu vermeiden.

Hinweis(e)

Eine längere Krankheitsdauer bzw. eine größere Anzahl von Mollusca contagiosa gehen mit einer reduzierten Lebensqualität der Betroffenen einher.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bateman T (1817) Delineations of cutaneous diseases: exhibiting the characteristic appearances of the principal genera and species comprised in the classification of the late Dr. Willan; and completing the series of engravings begun by that author. Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown (eds.), Paternoster-Row, London
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  11. Pusey WA (1924) Moluscum contagiosum In: The Principles and Practice of Dermatology, 4th ed. Appleton, S. 989-990
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  13. Wagner G et al. (1989) Perkutane Anästesie durch Anwendung einer Lidocain-Prilocain-Creme (EMLA Creme 5%)-Erfahrungen bei der Therapie multipler Mollusca contagiosa im Kindesalter. Akt Dermatol 15: 44–46

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