Molluscum contagiosum B08.1

Zuletzt aktualisiert am: 25.12.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dellwarze; Dellwarzen; Epithelioma contagiosum; Epithelioma molluscum; Molluscum-Infektionen; Schwimmbadwarzen; Warzen Dellwarzen

Erstbeschreiber

Thomas Bateman, 1817; Henderson, 1841; Juliusberg, 1905. Bateman verwendete 1817 erstmals den Begriff Molluscum contagiosum. W. Henderson beschrieb 1841 erstmals "globoide Körperchen" in den Läsionen; Juliusberg gelang 1905 die Übertragung der Infektion von Mensch zu Mensch.

Definition

Weltweit verbreitete, harmlos verlaufende, chronische, lokalisierte, nur selten (Immundefizienz) generalisierte, selbstlimitierte Infektionskrankheit der Haut, hervorgerufen durch das Molluscum-contagiosum-Virus aus der Gruppe der Poxviridae (s.u. Pockenviren). Die Infektion mit Molluscum-contagiosum-Virus ist insbes. nicht zyklisch, Virämie tritt nicht auf.

Erreger

Molluscum contagiosum Viren (MCV; Molluscipoxvirus) der Subtypen I-IV. Hierbei handels es sich um quaderförmige DNS-Viren aus der Gruppe der Pockenviren (Größe: 360 x 219 nm). MCV I in ca. 95% der Fälle, MCV II in 3-5% der Fälle, MCV III oder IV sehr selten intraläsional nachgewiesen.

Vorkommen/Epidemiologie

Das Molluscum contagiosum gehört weltweit zu den 50häufigsten Erkankungen.

Es besteht keine Geschlechtsdisposition.

Das Molluscum contagiosum ist weltweit verbreitet mit steigender Inzidenz (je nach Region 0,1-1,2% der Bevölkerung) und Endemien.

Gehäuft in tropischen Gebieten.

Ätiopathogenese

Überwiegend Übertragung von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektion über kleine Epitheldefekte, über Kleidung, Handtücher oder Geschlechtsverkehr.

Manifestation

  • Vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen. In einer größeren Studie (n=277) waren Kinder und Jugendliche zwischen 1-14 Jahre (durchschnittlich 6,7 Jahre) betroffen. 
  • Inkubationszeit: beträgt mehrere Wochen.
  • Patienten mit atopischem Ekzem neigen zu einem vermehrten Auftreten (hierbei ist disseminiertes Auftreten möglich = Eccema molluscatum). Etwa 25% der Betroffenen leiden gleichzeitig an einem (unterschiedlich intensiv ausgeprägten) atopischem Ekzem.
  • Häufig erfolgt die Infektion nach Schwimmbadbesuchen z.B. nach Baden der Kleinkindern in warmen Planschbecken. 
  • Auch bei immunsupprimierten erwachsenen Patienten (z.B. AIDS-Erkrankte).

Lokalisation

Vor allem am Oberkörper, Oberarm, Axillarfalte. Die Kombination von Armen und Rumpf ist am häufigsten anzutreffen. Seltener: Gesicht, Augenlider, Hals, Perianal- und Perigenitalregion.

Klinisches Bild

Überwiegend mehrzählig auftretend (etwa 75% der Betroffenen haben > 20 Dellwarzen).

Meist verstreute oder gruppierte, regional begrenzt auftretende, seltener auch generalisierte, gelegentlich strichförmig angeordnete (Köbner-Phänomen), feste, 0,1-0,4 cm große, meist breit aufsitzende, seltener gestielte (s. Molluscum contagiosum pediculatum), zentral gedellte, wachsartige, weißliche, gelbliche oder blassrosa Knötchen. Nach Anritzen der Oberfläche ist eine weißliche, fettige Masse exprimierbar.

In seltenen Fällen erreichen Mollusken eine Größe bis zu 1,5 cm (s.u. Molluscum contagiosum giganteum).

Bei Immunsupprimierten (s.u. Organtransplantationen, Hautveränderungen) und Kindern mit atopischem Ekzem (s. Eccema molluscatum) können Mollusca contagiosa eruptiv generalisieren > 100 Mollusken (vergleichbar dem Eccema herpeticatum) oder auch zu großen (bis zu 10 cm Durchmesser) Plaques zusammenfließen.

Verrucae planae-artiger Typ: Seltener sieht man bei Kleinkindern einen kleinpapulösen "Verrucae planae-artigen-Typ" mit einer miliaren oder auch herdförmig gruppierten, völlig asympomatischen Aussaat kleinster, hautfarbener Papeln an Rumpf und Gesicht. Diese Form hat eine hohe Neigung zue Spontanregression.

Labor

Immunfluoreszenztest: In 90% Antikörper gegen das in den Epidermiszellen vorkommende Virusantigen.

Histologie

Aus mehreren Läppchen aufgebautes epitheliales Akanthom, das tief in die Dermis hineinreicht. Das Zentrum ist kraterartig eingesunken. Hier Zelldetritus und sog. Molluscumkörperchen ("Henderson-Paterson Bodies"): Kernlose, homogene, dunkelrot-violett gefärbte, epithelzellähnliche, ovoide Gebilde = virusbefallene Epidermiszellen. In frühen Läsionen findet man bei mäßiger Akanthose in den aufgetriebenen, suprabasalen Keratinozyten, kleine eosinophile, intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen. In der Dermis begleitendes lympho-histiozytäres Infiltrat.

Differentialdiagnose

Klinisch:

  • Xanthom: gelblich, fest, kine Nabelung der Oberfläche; meist höheres Alter  
  • Xanthelasma: Typische Lokalisation ist der Lidbereich. Keine zentrale Nabelung 
  • Milien: kleine, feste weiße Hornperlen, nicht exophytisch 
  • Verrucae vulgares: verruköse, nicht glänzende Oberfläche  
  • Syringom:  meist im Lidbereich, nur flach protuberierend. Höheres Alter 

Histologisch:

  • Verruca vulgaris: Virusakanthom ebenfalls mit Einschlusskörperchen. Diese zeigen jedoch nicht die typischen Merkmale der Molluscum-Körperchen (dunkel-rot violett gefärbte homogene Einschlußkörperchen mit peripherem Kern)  

Komplikation

Bakterielle Superinfektion durch Kontamination mit pyogenen Keimen.

Juckreiz mit Kratzeffekten und Inokulation weiterer Molluscum contagiosum-Viren, s.a. Eccema molluscatum.

Therapie

Therapie der Wahl ist bei isolierten Mollusca contagiosa die Kürettage in LA.

  • Kurettage: Umgebende Haut mit zwei Fingern anspannen, eine kleine nicht-schneidende Kürette hebelnd an der Basis des Molluscum ansetzen und gegen den Hautwiderstand auslöffeln. Ggf. können aufgeworfene Wundränder mit einer schneidenden Kürette (z.B. Stiefel Nr. 3 oder 4) noch geglättet werden. Präoperativ: Es empfiehlt sich, am Vortage der Operation jedes Molluscum einzuzeichnen (Durchführung vorzugsweise durch die Eltern).
  • Chemische Destruktion: 10% KOH-Lösung täglich unter Abdeckung der Umgebung mit einer Zinkpaste auf die Mollusken auftragen bis eine Entzündungsreaktion auftritt. Ein Studienvergleich mit Imiquimod erbrachte ein gleichwertiges Resultat beider Therapiemodalitäten (Abheilungsrate von 40% nach 12-wöchiger Therapie).
  • Alternativ:
    • Anritzen mit einer Kanüle und Exprimieren der einzelnen Herde (zu umständlich bei einer Vielzahl von Mollusken).
    • Bei lokal begrenztem Befall kann ein Versuch mit einer Vitamin A-Säure-Creme (z.B. Isotrex) erfolgen; Applikation 2mal täglich.
    • Berichtet wurden Erfolge mit Lasertherapie ( Erbium-YAG-Laser, CO 2 -Laser, Farbstoff-Laser).
  • Experimentell:
    • Gute Ergebnisse (bis zu 69% Ansprechrate) wurden mittels Lokalbehandlung mit 5%iger Imiquimod-Creme (3mal/Woche über mehrere Wochen bzw. laut einer weiteren Studie Behandlung 1mal/Tag abends und Abwaschen am Morgen) sind in kleineren Studien beschrieben. Cave: Keine zugelassene Indikation.
    • Cidifovir, das als "letzte Chance" propagiert wird (Zulassung für die CMV-Retinitis). Cidifovir kann als 1% Creme appliziert werden (Cave: extrem hoher Preis!).

Komplikationen:

  • Einzelne Mollusken zeigen entzündliche Herdreaktionen (z.B. durch mechanische Irritation). In diesen Fällen ist die Lokalanästhesie nicht ausreichend.
  • Nicht selten treten Mollusken bei Kindern mit atopischem Ekzem auf. In dieser Konstellation ist häufig eine überlagernde Pyodermie zu beobachten. Es empfiehlt sich, zunächst einige Tage konsequent die Pyodermie und das Ekzem zu behandeln, z.B. mit 1% Hydrocortison und 2% Clioquinol-haltiger Creme R052 .
  • Postoperativ: Wundzentren werden mit einem Verband mit Polyvidon-Jod (z.B. Betaisodona) versehen. Dieser wird am Folgetag vom Patienten erneuert. Die Wundstellen heilen im Allgemeinen komplikationslos und auch narbenlos ab. Bei ausgedehntem Befall oder Rezidiven Nachbehandlung mit Imiquimod (Aldara).

Therapie allgemein

Anästhesie: Bei einzelnen Mollusken ist auch Kleinkindern die Behandlung ohne Allgemeinnarkose zuzumuten. Es wird empfohlen, die befallenen Stellen präoperativ eine 1/2 Stunde lang mit einer 5,0% Lidocain-Prilocain-Creme (z.B. EMLA® Creme) okklusiv zu behandeln. Bei Kindern zu beachten sind auf Grund der Methhämoglobinbildung die empfohlenen Höchstmengen: 1g bei Kindern < 5kgKG; <2g bei Kindern <10 kgKG; <20g bei Kindern über 20 kgKG. Ggf. kann eine Kombination der lokalen Anästhesie mit systemischer Midazolam-Gabe (z.B. Dormicum) sinnvoll sein. Bei ausgedehntem Befall ist eine Allgemeinnarkose vorzuziehen.

Verlauf/Prognose

Bei Nachuntersuchungen größerer Kollektive heilen Mollusca contagiosa mit und ohne Therapie innerhalb von 1-62 Monaten (durchschnittlich nach 13 Monaten) ab. 

Bei rund 50% der Kinder kann die Abheilung innerhalb von 12 Monaten erwartet werden.

Bei etwa 30% der Kinder können Mollusca contagiosa nach 18 Monaten, bei etwa 15% nach 24 Monaten noch nachweisbar sein.     

Prophylaxe

Bei gefährdeten Kleinkindern ist gemeinsames "Babyschwimmen" zu vermeiden.

Hinweis(e)

Eine längere Krankheitsdauer bzw. eine größere Anzahl von Mollusca contagiosa gehen mit einer reduzierten Lebensqualität der Betroffenen einher.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bateman T (1817) Delineations of cutaneous diseases: exhibiting the characteristic appearances of the principal genera and species comprised in the classification of the late Dr. Willan; and completing the series of engravings begun by that author. Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown (eds.), Paternoster-Row, London
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  10. Olsen JR et al.(2015) Time to resolution and effect on quality of life of molluscum contagiosum in children in the UK: a prospective community cohort study.Lancet Infect Dis 15:190-195
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  13. Wagner G et al. (1989) Perkutane Anästesie durch Anwendung einer Lidocain-Prilocain-Creme (EMLA Creme 5%)-Erfahrungen bei der Therapie multipler Mollusca contagiosa im Kindesalter. Akt Dermatol 15: 44–46

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