Mittelmeerfieber, familiäres R50.9

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Familial Mediterranean fever; FMF

Erstbeschreiber

Osler, 1895; Janeway u. Mosenthal, 1908

Definition

Hereditäres Fiebersyndrom mit periodischem Fieber, anfallsartiger Serositis (Bauchhöhle, Pleura), Arthritis, Orchitis und ggf. flüchtigem, erysipelartigem Exanthem.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Weltweit sind mehr als 10.000 Patienten betroffen. Die Erkrankung tritt hauptsächlich im Mittelmeerraum auf (z.B. armenische, türkische, arabische und jüdische Bevölkerung). Aufgrund der Immigration ist dieses Krankheitsbild jedoch differentialdiagnostisch auch in westlichen Ländern von Bedeutung.
  • Je nach Studie und Kollektiv beträgt die Häufigkeit der heterozygoten Genträger 1:26 bis 1:52. Die Erkrankung manifestiert sich, wenn ein homozygoter (beide Allele tragen dieselbe Mutation) bzw. compound heterozygoter (beide Allele tragen unterschiedliche Mutationen) Status vorliegt. Dies bedeutet für heterozygote Eltern, dass das Risiko, ein homozygotes bzw. compound heterozygotes (erkranktes) Kind zu zeugen, 25% beträgt.

Ätiopathogenese

Autosomal-rezessiv vererbte Mutationen des MEFV-Gens (Mediterranean fever Gen; Genlokus: 16p13.3). Die hieraus resultierenden Funktionsbeeinträchtigungen der durch dieses Gen kodierten Proteins, dem Pyrin (Kryopyrin) oder auch Marenostrin (lat.: mare nostrum für Mittelmeer) genannt, führt zur Auslösung einer systemischen Entzündungsreaktion.

Manifestation

In den meisten Fällen bereits in der Kindheit und Jugend auftretend; bei etwa 90% der Patienten vor dem 20. LJ.

Klinisches Bild

Rezidivierende Fieberschübe (bei 96% der Pat.) unregelmäßiger Periodizität, meist begleitet von akuter Peritonitis (91%), häufig auch Pleuritis (57%), Arthritis oder Sacroiliitis (45%), sowie einem flüchtigen, erysipelartigen, 10-15 cm im Durchmesser betragenden, makulösen Exanthem mit Pruritus, das ein- oder beidseitig v.a. unterhalb des Knies auftritt (13%). 2% der Patienten entwickeln eine Amyloidose.
  • Phänotyp 1: Beginn mit Fieberschüben.
  • Phänotyp 2: Amyloidose als Erstmanifestation.

Labor

BSG erhöht, selten Leukozytose. Erhöhtes Amyloid A im Serum wird erst bei manifester Amyloidose beobachtet, die eine Komplikation des FMFs darstellt und nicht der primären Diagnose dient. Regelmäßige (Sammel-!) Urinuntersuchungen sollten daher ein fester Bestandteil der Patientenbetreuung sein.

Diagnose

Klinik (Hauptkriterien: Peritonitis, Pleuritis, Monarthritis, Fieber, Hauterscheinungen) ist diagnostisch; im Schub ausgeprägte Entzündungszeichen. Die Diagnosesicherung durch die molekulargenetische Analyse des MEFV-Gens, das auf dem kurzen Arm des Chromosoms 16 lokalisiert ist.

Differentialdiagnose

Abgrenzung von anderen Formen des periodischen Fiebers wie PFAPA-Syndrom; Muckle-Wells-Syndrom; Tumor-Necrosis-Faktor-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS); Hyper-IgD-Syndrom (HID); Familiäre Kälteurtikaria. Ausschluss einer Urtikaria oder einer Urtikariavaskulitis.

Komplikation

  • Folgeschäden wie z.B. Nierenversagen infolge systemischer Amyloidose.
  • Infertilität bei etwa 30% der erkrankten Frauen. 20-30% auftretender Schwangerschaften bei Patientinnen enden mit vorzeitigen Abort.

Therapie

Literatur
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  1. Aldea A et al. (2004) A severe autosomal-dominant periodic inflammatory disorder with renal AA amyloidosis and colchicine resistance associated to the MEFV H478Y variant in a Spanish kindred: An unusual familial Mediterranean fever phenotype or another MEFV-associated periodic inflammatory disorder? Am J Med Genet 124A: 67-73
  2. Gershoni-Baruch R et al. (2003) Prevalence and significance of mutations in the familial Mediterranean fever gene in Henoch-Schonlein purpura. J Pediatr 143: 658-661
  3. Janeway TC, Mosenthal HO (1908) An unusual paroxysmal syndrome, probably allied to recurrent vomiting, with a study of the nitrogen metabolism. Trans Ass Am Phys 23: 504-518
  4. Osler W (1895) On the visceral manifestations of erythema multiforme. Am J Med Sci 110: 629
  5. Panossian A et al. (2003) Plasma nitric oxide level in familial Mediterranean fever and its modulations by Immuno-Guard. Nitric Oxide 9: 103-110
  6. Sayarlioglu M et al. (2003) Colchicine-induced myopathy in a teenager with familial Mediterranean fever. Ann Pharmacother 37: 1821-1824
  7. Timmann C et al. (2003) Familial Mediterranean fever with amyloidosis associated with novel exon 2 mutation (S1791) of the MEFV gene. Blood Cells Mol Dis 31: 320-323

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